Joe Bonamassa rockt die Porsche-Arena Bis die Gitarrensaiten Feuer fangen

Von Bernd Haasis 

Joe Bonamassa ist eine Art letzter Mohikaner unter den Gitarrenhelden alter Schule. Beim Konzert in der Stuttgarter Porsche-Arena hat er sich außerdem als Hüter einer großen Musiktradition präsentiert.

Lauter Gitarrenklassiker, deren Charakteristik man hören konnte, hat Joe Bonamassa am Samstagabend in der Porsche-Arena gespielt Foto: Lichtgut 18 Bilder
Lauter Gitarrenklassiker, deren Charakteristik man hören konnte, hat Joe Bonamassa am Samstagabend in der Porsche-Arena gespielt Foto: Lichtgut

Stuttgart - Allein mit einer Akustikgitarre beginnt Joe Bonamassa den Zugabenblock seines Konzerts in Stuttgart. „Woke up dreaming“ singt er mit kehliger Stimme, und es klingt wie ein amerikanischer Blues-Klassiker – stammt aber von seinem eigenen Album „Blues Deluxe“ von 2003. Seine rechte Hand fliegt über die Saiten, er schlägt, kitzelt, drischt Riff um Riff aus dem Instrument, ehe die Finger seiner linken Hand sich in die Höhen des Griffbretts aufschwingen und flink Skalen in den Raum stellen bis hin zu einem Thema von Johann Sebastian Bach. Da kann man nur staunen – auch darüber, dass die Gitarrensaiten während der Darbietung kein Feuer fangen.

Gut zwei Stunden zelebriert Joe Bonamassa am Samstagabend in der vollen Porsche-Arena, dass er nichts lieber tut als Gitarrespielen. Dabei wechselt er von einem klassischen Gitarrenmodell zum nächsten und bringt dessen jeweilige Charakteristik zum Singen, die leichte Stratocaster, die schwere Les Paul, die fette halbakustische ES-335. Bonamassa ist mit seinen erst 42 Jahren eine Art letzter Mohikaner unter den Gitarrenhelden, der 50 Jahre nach Hendrix, Clapton und Page deren Vermächtnis am Leben hält. So leidenschaftlich er spielt, so wenig wirkt er wie ein Rockstar in seinem schnieken Anzügchen, sondern eher wie ein Agent der US-amerikanischen Musiktradition: Stücke von Muddy Waters (Tiger in your Tank“), Willie Dixon („I can’t quit you“) und der „Rocky Horror“-Ikone Tim Curry („Sloe Gin“) mischt er mit eigenen Stücken, dem Groove-Monster „Last Kiss“, dem Riff-geladenen „Blues of Desperation“, dem Soul-getränkten „Evil Mama“ von seinem jüngsten Album „Redemption“.

Eine exzellente Band im Rücken

Passend dazu hat er als Rahmen eine klassische amerikanische Radio-Show ausgewählt und eine exzellente Band aus gestandenen Profis im Rücken, die der Kulisse gerecht werden: Lustvoll lässt der Keyboarder Reese Wynans, der in den 80ern zur Band von Stevie Ray Vaughn gehörte, die Orgel jubilieren, mit geschmeidiger Coolness geht der Nashville-Routinier Michael Rhodes am Bass mit Bonamassa in Frage-Antwort-Spiele, mit sattem Punch legt der Schlagzeuger Anton Fig ein Fundament aus purer rhythmischer Energie.

Ein kleiner Bläsersatz aus Saxofon und Trompete und zwei Background-Sängerinnen komplettieren das hoch dynamische Ensemble, das beim 48. Konzert der laufenden Tournee so frisch wirkt wie am ersten Tag. Alle bekommen ihre Szenen, das Programm ist fein arrangiert bis in die Details. Mit der Hymne „Mountain Time“ verabschiedet sich Joe Bonamassa von begeistert applaudierenden Zuhörern. Die Macht des Blues hat in viele Gesichter ein Lächeln gezaubert.