Jörg Scheller: Die Kunst und alles andere In Sprachgewittern

Von Jörg Scheller 

Allerlei Wutzwitscherer und Face­bookapokalyptiker teilen sich heutzutage das Leben ein – in gut und böse, dein und mein.

Unser Kolumnist Jörg Scheller Foto: NZZ-Photographen-Team
Unser Kolumnist Jörg Scheller Foto: NZZ-Photographen-Team

Stuttgart - Was die Diskurskultur anbelangt, verhieß das ausklingende Jahr 2019 wenig Gutes. Bei Reizthemen wie Globalisierung, Gender oder Greta drehen Teile der Netzöffentlichkeit verlässlich durch. Mit markigen Sentenzen gelingt es Wutzwitscherern und Face­bookapokalyptikern, das gesellschaftliche Klima zu prägen. Dabei sind gerade mal grob zwei Prozent der Deutschen auf Twitter. Erst im Verbund mit etablierten Medien, die sich zu Shitstormseglern weitergebildet haben, entfalten Tweets echte Wucht. Wie Eva Berendsen, Saba-Nur Cheema und Meron Mendel in ihrem Buch Triggerwarnung (2019) zeigen, reift sogar in aktivistischen Kreisen langsam die Einsicht, dass es nicht zielführend ist, „unbequeme Positionen aus dem öffentlichen Raum zu verdrängen“ und eine „manichäische Spaltung der Welt in Gut und Böse“ zu propagieren.