Johan Holten übernimmt Kunsthalle Mannheim Kunst findet auch im Parkhaus Platz

Von Baden-Baden nach Mannheim: Johan Holten wechselt von Kunsthalle zu Kunsthalle Foto: dpa

Johan Holten, der neue Chef der Kunsthalle Mannheim, hat Baden-Baden mit seinem Programm kräftig aufgemischt.

Kultur: Adrienne Braun (adr)

Baden-Baden - Es gibt Regeln, an die sich sogar die Kunst halten muss. In Baden-Baden gehören zu diesen Regeln, dass der Park an der Lichtentaler Allee, der auch gern als blühende Visitenkarte der Stadt bezeichnet wird, gepflegt ist. Deshalb durfte Johan Holten die Grünanlage zwar mit Kunst bespielen, „aber man muss sich dem Korsett einfügen“, sagt der Direktor der Kunsthalle Baden-Baden, der volles Verständnis hat für die Liebe der Baden-Badener zum Rasen.

 

„Es ist eine kleine Kurstadt und keine große Metropole“, sagt Holten, „davon lebt Baden-Baden auch, dass es so gepflegt ist, wie es ist.“ Er konnte seine Ideen trotzdem immer realisieren. Und als der Künstler Fabian Knecht einmal im Park um den gigantischen Stamm eines Mammutbaums eine Art Haus bauen wollte, war auch das möglich.

Nach acht Jahren verlässt Johan Holten nun trotzdem Baden-Baden. Es war abzusehen, dass es den ehrgeizigen Däne, der schon eine Karriere als Balletttänzer hinter sich hat, noch weiter nach oben zieht. Im September übernimmt Holten, wie berichtet, die Leitung der Kunsthalle Mannheim, in der er nun 6000 statt 600 Quadratmeter Ausstellungsfläche zur Verfügung hat. Anstelle eines Dutzends Mitarbeiter hat er künftig ein mehr als vierzigköpfiges Team um sich – und vor allem gibt es in Mannheim eine eigene Sammlung. Eine ganz neue Größenordnung, die sich für den 43-Jährigen ergibt, der für diesen Karriereschritt sogar einen unbefristeten Vertrag gegen einen Fünf-Jahres-Vertrag eingetauscht hat.

In Baden-Baden könnte man Holten vermissen

Es wird noch dauern, bis das Ministerium die Stelle neu besetzt, aber in Baden-Baden könnten einige Johan Holten vermissen, denn er bewies dem Publikum immer wieder, dass Kunst nicht nur anregen, sondern auch Spaß machen kann. Als er vor acht Jahren kam, hatte die Kunsthalle Baden-Baden eine solche Haltung bitter nötig, denn Holtens Vorgängerin Karola Kraus interessierte sich vor allem für Konzeptkunst. Die Ausstellungen unter ihrer Leitung waren mehr als spröde und schielten vor allem nach der Gunst der Kunstkollegen und Insider.

Johan Holten dagegen machte Themenausstellungen mit so publikumswirksamen Titeln wie „Gutes, böses Geld“ oder „Geschmack – der gute, der schlechte und der wirklich teure“. Er bespielte auch nicht mehr nur die Kunsthalle, sondern drängte mit seinen Ausstellungsprojekten in die Stadt hinaus. Plötzlich stolperte man im Spielcasino über Kunst, in Buchhandlungen oder Hotels, Süßwarenläden oder sogar mal in der Tiefgarage. Junge, zeitgenössische Werke mitten im Leben.

Holten hat auf ganz unterschiedliche Weise deutlich gemacht, dass Kunst in den Alltag gehört – „und ich bin immer offen empfangen worden“, erzählt er. Trotzdem, so engagiert er auch war, eines konnte auch Holten nicht ändern: dass die meisten Touristen lieber ins benachbarte Museum Frieder Burda gehen. „Das ist leider schwierig, dagegen etwas zu machen“, sagt Holten, der es aber stets pragmatisch genommen hat – „das ist eben so“. Dafür hätten das Museum Frieder Burda oder auch das 2009 eröffnete Museum LA 8 das Image der Stadt verändert. Heute sei Baden-Baden bekannt als eine Kunst- und Kulturstadt. „Früher musste die Kunsthalle allein die Leute anlocken“, sagt Holten, „heute ist die Wahrnehmung anders.“

Holtens Themen: Globalisierung und Diversität

Und Mannheim? In den vergangenen Monaten bekam der Neubau der Kunsthalle viel Aufmerksamkeit. Höchste Zeit, meint Holten, wieder „zum Kerngeschäft zurückzukommen“, also zur Kunst. Seine Vorgängerin Ulrike Lorenz hat ihm Programmplanungen für eineinhalb Jahre hinterlassen. Also hat er etwas Zeit, zu überlegen, wie er für Mannheim die Themen passend macht, die ihn besonders interessieren: Globalisierung und Diversität.

Er hat schon erste Ideen und denkt unter anderem an die so oft vernachlässigten Malerinnen der klassischen Moderne. In Mannheim lebe aber auch eine große türkische Community, „das wird so in der Sammlung gar nicht reflektiert“, sagt Holten. Und auch die Skulpturensammlung würde er gern öffnen, damit man nicht mehr nur deutsche und europäische Kunst zeigt, die auch noch auf Sockeln präsentiert wird.

So will Holten aus der Sammlung, deren größter Schatz Manets „Die Erschießung Kaiser Maximilians von Mexiko“ ist, neue „spannende Perspektiven und Erzählungen“ ableiten. „Das Programm muss die Realität reflektieren“, sagt Holten, „und die ist von Diversität geprägt.“

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