Johannes-Kepler-Gymnasium Leonberg „Völlig verrückt“ – KI-Video von Pfefferspray-Großeinsatz aufgetaucht

Das ist ein echtes Bild: Ganz ohne KI waren am Dienstagmittag viele Rettungskräfte am JKG in Leonberg im Einsatz. Foto: SDMG

Auf Tiktok und Facebook wird derzeit tausendfach ein Video vom Einsatz der Rettungskräfte am Leonberger JKG angesehen. Die Fotos wurden mit Künstlicher Intelligenz manipuliert.

Leonberg: Marius Venturini (mv)

Ein Schüler hat am Dienstagmittag am Leonberger Johannes-Kepler-Gymnasium (JKG) einen Reizstoff, wahrscheinlich Pfefferspray, versprüht. Dabei wurden 18 Schülerinnen und Schüler sowie vier Erwachsene leicht verletzt, das Gebäude musste geräumt werden. Nun ist auf Facebook ein Foto-Zusammenschnitt aufgetaucht, der Bilder des Großeinsatzes der Rettungskräfte zeigen soll.

 

Das Problem: Diese Bilder sind mit Künstlicher Intelligenz (KI) bearbeitet, wenn nicht in Teilen sogar komplett erzeugt worden. Auf dem vermeintlichen Krankenwagen steht die Aufschrift „Reytungsbienst“. Die Umgebung des Gymnasiums ist plötzlich eine gänzlich andere als in der Realität. Außerdem zeigt das Video Menschen, die am Dienstagmittag überhaupt nicht vor Ort waren. In der Leonberg-Gruppe auf Facebook ist das Video mittlerweile gelöscht.

KI-Video zum Pfefferspray-Großeinsatz: Social-Media-Team der Feuerwehr kommentiert

So sah sich auch das Social-Media-Team der Feuerwehr Leonberg auf Facebook zum Einschreiten gezwungen. Grundsätzlich begrüße man offene Berichterstattungen über die Einsätze und Tätigkeiten. „Wir möchten aber dennoch auf einen wichtigen Punkt hinweisen: Einige Szenen aus diesem Video sind mit KI bearbeitet oder gänzlich mit KI erstellt. Teilweise werden Hilfsorganisationen dargestellt, die am Einsatz nicht beteiligt waren.“

Auch würden Szenen veranschaulicht, „die eher Symbolbildcharakter haben als unsere tatsächliche Tätigkeit zu zeigen“. Ebenfalls laut Posting der Feuerwehr zu sehen: Personen in Uniformen, die nicht in Leonberg verwendet werden. „Hier können wir nicht näher benennen, ob diese aus einem Einsatz andernorts wiederverwendet oder ebenfalls vollständig mit KI erzeugt wurden.“

Definitiv keine dunkelblauen Hosen wie im KI-Video gezeigt wird: Die Einsatzbekleidung der Leonberger Feuerwehr ist rot. Foto: SDMG

Auch seien genannte Fakten teilweise oder gänzlich falsch dargestellt. Im Video ist von drei Verletzten die Rede – und von „vielen weiteren, die vorsorglich vom Rettungsdienst versorgt und betreut werden mussten“. Das ist nicht richtig. „Den offiziellen Einsatzbericht könnt ihr unserer Homepage oder dem Presseportal der Polizei entnehmen“, rät das Social-Media-Team der Feuerwehr.

Feuerwehrkommandant Wolfgang Zimmermann bezeichnet die Angelegenheit als „völlig verrückt“. Es sei das erste Mal, dass seine Rettungskräfte mit einem solchen Fall konfrontiert seien. „Da sieht man Löschfahrzeuge, Rettungswagen und Menschen, die gar nicht vor Ort waren“, sagt er.

Aufgefallen sei das Ganze zufällig. „Ein Kamerad, der nicht bei dem Einsatz dabei war, hat gefragt, ob wir denn jetzt wieder unsere blauen Hosen ausgepackt hätten.“ Daraufhin habe man sich das Video genauer angeschaut.

KI-Zusammenschnitt der Bilder von Tiktok-Kanal „Deutschland jetzt“

Der Zusammenschnitt kommt ursprünglich vom Tiktok-Kanal „Deutschland jetzt“. Im Titel heißt es: „Was Deutschland heute bewegt: Politik, Kriminalität, Gesellschaft und Eilmeldungen in Kurzform.“ Der Kanal hat auf Tiktok knapp 6500 Follower – die zahlreichen Videos wurden bereits millionenfach abgespielt. Ob sich darunter weitere mit KI aufgemotzte Filmchen befinden, lässt sich nicht feststellen.

Im Fall des Leonberger Videos, das auf Tiktok Stand Mittwochnachmittag 765 Likes und knapp 30 000 Views verzeichnet hatte, kommentieren in den Sozialen Medien nur wenige den KI-Einsatz. „Wir haben es jetzt mal nicht der Polizei gemeldet“, sagt Wolfgang Zimmermann, der die Causa aber dennoch für hochproblematisch hält. „Warum man so etwas macht, kann ich mir nicht erklären.“

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