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Johanneskirche am Feuersee Stuttgart „Jedermann“: Von der Theaterbühne in die Kirche

Von gab 

Für die Produktion des „Jedermann“ von Hugo von Hofmannsthal wechselt das Theater der Altstadt vorübergehend die Spielstätte. Gespielt wird das Stück umgeben von neogotischen Spitzbögen – in der Johanneskirche am Feuersee.

Für die Produktion „Jedermann – Das Spiel vom Sterben des reichen Mannes“ wechselt das Theater der Altstadt seine Spielstädte in die Johanneskirche am Feuersee.  Foto: Gabriele Metsker
Für die Produktion „Jedermann – Das Spiel vom Sterben des reichen Mannes“ wechselt das Theater der Altstadt seine Spielstädte in die Johanneskirche am Feuersee. Foto: Gabriele Metsker

Auf der Bühne zu stehen und zu spielen, ist eine Sache, dort im richtigen Moment am richtigen Platz zu stehen, eine andere. Dann vor allem, wenn die Bühne nicht wie gewohnt im Theater ist, sondern in der Johanneskirche am Feuersee.

Für die Produktion des „Jedermann“ von Hugo von Hofmannsthal wechselt das Theater der Altstadt vorübergehend die Spielstätte. Umgeben von neogotischen Spitz­bögen ist hier eine Bühne entstanden, die den Altar und das Taufbecken umschließt. An verschiedenen Stellen im Kirchenschiff sind Scheinwerfer platziert. Vorhänge, Gassen – all das, was sonst hinter der Bühne vor den Zuschauer­augen verborgen ist –, das gibt es allerdings nicht.

Eine besondere Herausforderung ist das für alle Darsteller: sowohl für das Ensemble des Theaters der Altstadt als auch für die Mitglieder der Evangelischen Kirchengemeinde Stuttgart-West, die im „Jedermann“ die Fest­gesellschaft spielen.

Kulissen werden in den kleinen Seitenkapellen untergebracht

Der Chorraum wird so zur Garderobe für die Darsteller, die nicht auf der Bühne sind. Die Kulissen sind in den kleinen Seitenkapellen untergebracht. Aber wie kommen die Stehtische mit ihren feinen weißen Hussen an ihren Platz im Scheinwerferlicht? Wie die Teewagen, Klappstühle und die Sektgläser?

Regisseur Uwe Hoppe hat das einfach ins Bühnengeschehen mit eingebunden. Wenn die Festgesellschaft auf die Bühne stürmt, weiß jeder ganz genau, was er oder sie mitzubringen hat. In null Komma nichts kann hier opulent getafelt, können hier die Champagnergläser gehoben werden.

„Jedermann“ zählt ein 23-köpfiges Ensemble

Überhaupt geht es bei „Jedermann“ zunächst ziemlich diesseitig zu. Jedermann selbst (Jens Woggon) lässt sich überaus bereitwillig von den Reizen seiner Geliebten (Bernadette Hug) locken. Aus voller Kehle stimmen Gastgeber und Gäste das bekannte Studentenlied „Gaudeamus igitur“ an – mit deutschem Text versteht sich. Ums Feiern geht es da: „Trinkt, bis Euch das Bier besiegt.“

Die Stimmung steigt, und sie setzen noch einen drauf. Die Geliebte, genauer: die Buhlschaft, dirigiert den Kanon „Froh zu sein bedarf es wenig“, und dass damit nicht nur geistige Genüsse gemeint sind, ergibt sich aus den Aktionen. Die freilich wollen minutiös besprochen und einstudiert sein. Denn das Ensemble zählt alles in allem 23 Köpfe, und da kann es auf der kleinen Bühne mitunter ganz schön eng werden.

Zudem: Was bei den musikalischen Einlagen günstig ist, nämlich die Kirchenakustik, stellt die Akteure vor eine weitere Herausforderung. Denn die Richtung, in der ein Satz gesprochen wird, ist von entscheidender Bedeutung, sollen die Worte gut verständlich beim Publikum ankommen. Und wer weiß, vielleicht schauen ja auch die biblischen Herren ein bisschen zu, die als Reliefs die Bogenzwickel unten im Mittelschiff zieren.

Info: „Jedermann“: Premiere 31. Januar, 19.30 Uhr, weitere Termine im Februar, Johanneskirche am Feuersee, Tickets 07 11 / 99 88 98 18 sowie auf der Homepage des Theater der Altstadt