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Johanneskirche am Feuersee Stuttgart Uwe Hoppe inszeniert: „Jedermann“ – Das Spiel vom Sterben des reichen Mannes

Von gab 

Die Geschichte des „Jedermann“ hat Hugo von Hofmannsthal 1911 als Theaterstück aufgeschrieben. Am 31. Januar hat es Premiere in der Johanneskirche am Feuersee. Es ist eine Koproduktion des Theaters der Altstadt mit der Evangelischen Kirchengemeinde Stuttgart-West.

Im Theaterstück „Jedermann“, eine Koproduktion des Theaters der Altstadt mit der Evangelischen Kirchengemeinde Stuttgart-West, wirken Profi- und Laiendarsteller mit. Premiere ist am 31. Januar.  Foto: Stenella Photo Design/ Birgit Opitz
Im Theaterstück „Jedermann“, eine Koproduktion des Theaters der Altstadt mit der Evangelischen Kirchengemeinde Stuttgart-West, wirken Profi- und Laiendarsteller mit. Premiere ist am 31. Januar. Foto: Stenella Photo Design/ Birgit Opitz

Er ist um die 40, steht mitten im Leben und erfährt im Kreis einer Festgesellschaft, dass sein Leben jetzt zu Ende ist. Eine erschreckende Nachricht, zumal ihm plötzlich sehr bewusst wird, dass er sich in seinem Leben nicht gerade durch Empathie seinen Mitmenschen gegenüber ausgezeichnet hat. Er bittet den Tod um eine Stunde Aufschub, um jemand zu finden, der zusammen mit ihm vor das göttliche Gericht geht. Kein einfaches Unterfangen, wie sich herausstellt.

Diese Geschichte des „Jedermann“ hat Hugo von Hofmannsthal 1911 als Theaterstück aufgeschrieben. Am 31. Januar hat es Premiere in der Johanneskirche am Feuersee. Es ist eine Koproduktion des Theaters der Altstadt mit der Evangelischen Kirchengemeinde Stuttgart-West. Hugo von Hofmannsthal habe ausdrücklich eine geistliche Spielstätte für seinen „Jedermann“ vorgegeben, erklärt Uwe Hoppe, der das Stück inszeniert. Eigentlich ist das nicht über­raschend, geht es doch auf die Tradition frühmittelalterlicher Mysterienspiele zurück.

Die Produktion ist jedoch nicht nur wegen der Spielstätte eine besondere. Auf der Bühne im Altarraum treten neben dem Theater­ensemble auch Gemeindemitglieder auf. Darüber freut sich Uwe Hoppe besonders. Zustande gekommen ist die Zusammenarbeit nämlich durch eine persönliche Geschichte.

Der Glaube wird durch eine Frau personifiziert

Hoppe hat sich mit großer Begeisterung regelmäßig angehört, worüber Pastor Heinrich Schmidt am Sonntagmorgen im Gottesdienst sprach. „Was er gesagt hat, war immer gegenwartsbezogen, er hat immer interessante literarische Beispiele gegeben und den Horizont weiter gefasst, ausgeweitet auf das Allgemeinleben.“

Die beiden kamen mit­einander ins Gespräch und wünschten sich eine Gelegenheit, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen. So entstand die Idee zum „Jedermann“ in der Johanneskirche. Und als Uwe Hoppe die Idee bei seinen Kollegen im Theater vorstellte, stieß diese, wie er sagt, sofort auf Gegenliebe.

Der Glaube, der im „Jedermann“ als Person auftritt, spielt für Uwe Hoppe auch im privaten Leben eine wichtige Rolle. Allerdings ist dieser für ihn keinesfalls gleichzusetzen mit Religion oder Kirche. Der Glaube ist für ihn etwas sehr Lebendiges und auf gar keinen Fall schwer, dunkel oder bedrohlich. „Ich habe lange darüber nachgedacht, wie die Figur aussehen wird“, sagt er. Im Stück wird der Glaube durch eine junge, fröhliche und bunt gekleidete Frau (Charis Hager) personifiziert, die Hoffnung verbreitet.

Der Tod wird bunt und schräg verkörpert

Auch die anderen Rollen machen es einem Regisseur nicht gerade leicht. Denn wie hat man sich Allegorien vorzustellen, wie „Die guten Werke“ oder den Mammon? „Die guten Werke“, die der liberal-kapitalistisch denkende Jedermann (Jens Woggon) während seines genussfreudigen Lebens ziemlich vernachlässigt hat, werden im Stück durch eine Mutter mit ihren beiden Kindern verkörpert. Sie sind die Einzigen, die bereit wären, Jedermann vors göttliche Gericht zu begleiten. Allerdings sind sie zu schwach und müssen erst durch den Glauben wieder zu Kräften kommen.

Bleibt noch die Figur des Todes (Dirk Emmert). Auch sie möchte Uwe Hoppe nicht als geisterhaftes Gerippe auf die Bühne bringen. „Er ist bunt und schräg und erinnert vielleicht an Vivienne Westwood“, beschreibt er es. Er stellt ihn sich eher in einer solchen Gestalt vor, wie sie ihm von Menschen in Südamerika gegeben wird, wenn sie zum Beispiel Allerheiligen feiern. Streng und stark muss er trotzdem sein und auch eine gewisse Bedrohlichkeit besitzen. „Die Festgesellschaft muss vor ihm Angst haben.“

„Jedermann“ wird durch Live-Musik unterstützt

Die Festgesellschaft, das sind vier Männer und sechs Frauen aus der Kirchengemeinde. Das Theater hatte Flyer gedruckt, und bei den Abkündigungen im Gottesdienst hatten Pastor Heinrich Schmidt und Pastorin Simone Straub dazu eingeladen. Nun wird samstags regelmäßig geprobt. Auf der Bühne stehen mit ihnen nicht nur der Jedermann, „Die guten Werke“ und der Tod, sondern auch Intendantin Susanne Heydenreich als Jedermanns Mutter, die ihn vor den Folgen seines Lebenswandels warnt, Irfan Kars als sein bester Freund, Lou Bertalan als Jedermanns Vetter, Bernadette Hug als seine Geliebte, Ambrogio Vinella als Mammon, Dirk Helbig als Vogt und Bernhard Linke als der Teufel.

Der Kirchenraum wird bei allen Vorstellungen warm geheizt sein, verspricht Uwe Hoppe mit einem schelmischen Schmunzeln. Außerdem wird der Altarraum durch ein Podest ein wenig erhöht, damit alle Zuschauer eine gute Sicht haben. Besonders freut sich der Regisseur darüber, dass es zum Stück auch Livemusik geben wird: Kantor Georg Ammon ist musikalischer Leiter und wird an der Orgel zu hören sein.

Info: „Jedermann“ – Das Spiel vom Sterben des reichen Mannes: Premiere am 31. Januar, 19.30 Uhr, weitere Termine im Februar, Johanneskirche am Feuersee, Tickets unter Telefon 07 11 / 99 88 98 18 sowie auf der Homepage.