John-Cranko-Schule feiert Wie Stuttgart zur Talentschmiede fürs Ballett wurde

Es braucht viel Fleiß, bis Ballett zur Kunst wird: Schülerinnen trainieren im Neubau der Cranko-Schule. In der Urbanstraße an der Stange standen einst auch Marion Jäger, Julia Krämer, Mikhail Kaniskin, Daniel Camargo und Pilar Murube, die für unsere Bildergalerie einen Fragebogen beantwortet haben. Foto: Roman Novitzky

Mit einer Gala im Stuttgarter Opernhaus feiert die Cranko-Schule ihren 50. Geburtstag. Die Talentschmiede für den Ballettnachwuchs ist ein Erfolgsmodell. Fünf Absolventen haben uns verraten, wie sie die Schule geprägt hat.

Stadtleben/Stadtkultur/Fildern : Andrea Kachelrieß (ak)

Stuttgart -

 

Stuttgart - John Cranko kam 1961 nach Stuttgart und brachte aus London eine Vision mit: Neben der Kompanie wollte der Choreograf unbedingt eine eigene Ballettschule gründen, um den Nachwuchs in seinem Sinne heranzuziehen. „Es ist Unsinn zu behaupten, die Deutschen könnten nicht tanzen. Es liegt vielmehr an der fehlenden Ausbildung, wenn wir keine deutschen Tänzer haben“, ermunterte Cranko die Entscheidungsträger der Württembergischen Staatstheater zum Handeln. Zehn Jahre dauerte es, bis sein Wunsch Wirklichkeit wurde. Am 1. Dezember 1971 öffnete die Schule in der Urbanstraße ihre Türen, sie bot erstmals in Westdeutschland eine Berufsausbildung für klassischen Tanz; zwei Jahre später gab es die beiden ersten Abschlussklassen; der Einrichtung wurde der Status einer Berufsfachschule zugesprochen.

Starke Ausbildung, starke Tänzer

Und diese Ausbildung eröffnete Hunderten von Schülerinnen und Schülern ganz neue Perspektiven auf ein Leben von und mit der Kunst, wie Ehemalige in unserer Umfrage betonen. Absolventen der Schule lernen in Stuttgart, dass man Ziele, die man sich selbst gesteckt hat, mit der richtigen Motivation und guten Lehrern auch erreichen kann. Inspiriert und zugleich herausgefordert werden, mental gestärkt werden, um sich aktiv in den Lernprozess einbringen zu können: Nur eine starke Ausbildung, die in Stuttgart ihren Akzent von der englischen Schule zur russischen Waganova-Methode im Lauf der Zeit verschoben hat, macht starke Tänzer.

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Ebenso ausdauernd, wie der Gründer des Stuttgarter Balletts sich für die Schule starkgemacht hatte, sollte sich sein Nachfolger Reid Anderson einige Jahrzehnte später für einen Neubau verkämpfen. Denn inzwischen hatten die Schuldirektoren Anne Woolliams, Heinz Clauss, Alex Ursuliak und aktuell Tadeusz Matacz mit ihrer Arbeit die Cranko-Schule zur Talentschmiede von Weltruhm gemacht, hatten Stars wie Uwe Scholz, Friedemann Vogel, Evan McKie, Sonia Santiago, Mark McClain, Alicia Amatriain und viele andere ausgebildet. Da wollte das sanierungsbedürftige Haus nicht mehr zum Renommee passen.

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Reid Andersons Hartnäckigkeit ist es zu verdanken, dass die Cranko-Schule heute in einem Gebäude untergebracht ist, das wie die darin verrichtete Arbeit Maßstäbe setzt. Den 50. Geburtstag begeht die Schule deshalb in einem neuen, preisgekrönten Haus am Hang – und mit einer Gala an diesem Mittwoch im Opernhaus, die den kreativen Stuttgarter Geist feiert: Der ehemalige Cranko-Schüler Alessandro Giaquinto, der nun in der Mutterkompanie tanzt, choreografierte für den aktuellen Nachwuchs die Uraufführung „Drifting Bones“, die neuseeländische Schülerin Alice McArthur zeigt ein Solo, das jüngst aus einem Ballettwettbewerb erfolgreich hervorging. Neben klassischen Bravourstücken machen Beiträge der ehemaligen Haus-Choreografen Demis Volpi und Marco Goecke das Programm, an dem auch die Tänzer und Tänzerinnen des Stuttgarter Balletts mitwirken, spannend.

Termin Die Jubiläumsgala an diesem Mittwoch im Opernhaus, 19 Uhr, ist ausverkauft.

Umfrage unter Absolventen der John-Cranko-Schule

Was ist aus den Absolventen der John-Cranko-Schule geworden? Bei wem hatten sie am liebsten Unterricht? Was war ihr Lieblingsessen in der Kantine? Mit wem haben sie sich ein Zimmer geteilt? Was war ihr schönster und ihr schlimmster Moment an der Schule? In unserer Bildergalerie beantworten fünf Tänzerinnen und Tänzer unseren Jubiläums-Fragebogen.

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