Johnny Cashs „neues“ Album Nachlass, lass nach!

Neues vom „Man in black“. Foto: StZ
Neues vom „Man in black“. Foto: StZ

Am Freitag erscheinen die angeblich letzten unveröffentlichten Aufnahmen der Countrylegende Johnny Cash. Es gab einen Grund, warum sie bisher nicht das Licht der Öffentlichkeit erblickt haben, schreibt der StZ-Popkritiker Jan Ulrich Welke.

Kultur: Jan Ulrich Welke (juw)
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Stuttgart - Stuttgart - Am 23. April 1981, ältere Konzertbesucher mögen sich noch erinnern, gab Johnny Cash ein Konzert in der Böblinger Sporthalle. „Überraschend“ betraten „bei diesem Liveauftritt in Stuttgart“, wie es im diskografischen Anhang in seiner zweiten Autobiografie „Cash“ heißt, Carl Perkins und Jerry Lee Lewis die Bühne. Rein zufällig, und das lässt diese vermeintliche Überraschung doch etwas kalkuliert wirken, lief eine Bandmaschine mit; das Album „Survivors“, ein hübsches Sammlerstück, dokumentiert diesen Auftritt. In seine Rillen gebrannt ist somit ein weiterer der zahlreichen Belege für Johnny Cashs Freude am Experiment, an der Innovation und der überraschenden Wendung.

Der Songwriter hatte anfangs der Achtziger nämlich schon einige Häutungen (und allerlei andere Lebensfährnisse, davon ganz abgesehen) hinter sich. Aber trotz dem Rückfall in die Tablettenabhängigkeit stand er eigentlich glänzend da. Ein Jahr zuvor wurde er 48-jährig als jüngster lebender Künstler aller Zeiten in die Country Music Hall of Fame aufgenommen, nahezu zeitgleich erschien sein ­Album „Rockabilly Blues“, das er – wir kommen später auf den Kompagnon zurück – mit dem New-Wave-Musiker Nick Lowe eingespielt hatte, und im Kopf muss er schon die Ideen für sein 1983 veröf­fentlichtes Album „Johnny 99“ gehabt ­haben, auf dem er wiederum zwei Songs von Bruce Springsteens kurz davor ­erschienenem legendären Werk „Nebraska“ coverte.

Der kleine Ausflug in die Historie mit den zwei abermaligen Hin- und Kehrtwendungen Cashs ( New Wave! Rock! ) muss sein, um die Entstehungsgeschichte der zwölf „neuen“ Lieder einordnen zu können, die am heutigen Freitag unter dem Titel „Out among the Stars“ erscheinen. In seiner vielschichtigen Ausdeutbarkeit ist der Albumtitel jedenfalls fein gedrechselt, zudem fügt er sich in blendender Analogie zu seinem „letzten“, vor vier Jahren veröffentlichten Album namens „Ain’t no Grave“, in dessen namensgebendem Titelstück Cash nahezu prophetisch „Ain’t no Grave can hold my Body down“ gebrummelt hat.

Sieben Tonträger seit Cashs Tod

Kein Grabstein kann also unter Verschluss halten, was hinausfleuchen möchte. So sind also (auch dies sei in Erinnerung gerufen) seit Johnny Cashs Tod im Jahr 2003 zunächst einmal sieben weitere Tonträger des Sängers und Gitarristen erschienen: die einen Tag vor dem Ableben des „Man in Black“ fertiggestellte 5-CD-Box „Unearthed“, das Album „A hundred Highways“ (der fünfte Teil der „American Recordings“) und der abschließende eben erwähnten sechste Teil „Ain’t no Grave“

Nun hat Johnny Cash zu Lebzeiten knapp hundert Tonträger veröffentlicht, weswegen man sagen könnte: Schwamm drüber, diese verflixten sieben Scheiben machen den Kohl auch nicht mehr fett. Aber es kommt ja noch bunter. Denn zwischenzeitlich kam 2006 auch noch die Doppel-CD „Personal Files“ mit unveröffentlichten Aufnahmen heraus. Und damit könnte es endlich mal gut sein mit den ganzen Ausflügen in die Historie, der Country-Ikone könnte mit sieben plus zwei plus seit heute einer weiteren CD mit summa summarum zehn posthum veröffentlichten Tonträgern der diesbezügliche Weltmeistergürtel umgehängt werden – den bisher die Rap-Ikone Tupac Shakur mit sieben post mortem veröffentlichten Alben trug.

Aber ein letzter Blick zurück muss doch noch gewagt werden. Die 49 Lieder auf den „Personal Files“ sind eine Auswahl aus hunderten (!) mit eben jenen Worten gekennzeichneten Aufnahmebändern, die nach Cashs Tod in einem Büro hinter seinem Heimstudio gefunden wurden. Das lässt erahnen, dass wir in Sachen Cash-Nachlass noch lange nicht am Ende der Fahnenstange angelangt sind. Zudem anlässlich von „Out of the Stars“ gleich noch das nächste Fass aufgemacht wird. Diese Stücke, kolportiert die Plattenfirma Sony, seien nämlich wiederum aus einem Safe ausgegraben worden, als der Sohnemann John Carter Cash sich vor zwei Jahren an eine Katalogisierung des musikalischen Testaments seines Vaters machte.




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