Josef Hader in Stuttgart Sklaverei ist die Lösung!
Der Kabarettist und Schauspieler Josef Hader hat im Theaterhaus mit seinem Programm „On Ice“ große Erheiterung ausgelöst.
Der Kabarettist und Schauspieler Josef Hader hat im Theaterhaus mit seinem Programm „On Ice“ große Erheiterung ausgelöst.
Stuttgart - Niemand kommt mit kleinen Problemen in ein Wirtshaus. Das behauptet der österreichische Kabarettist Josef Hader im Theaterhaus. Er denkt den Bedeutungsüberschuss immer mit, den die Spezies Mensch sich gerne selbst zuweist. Aufs Land sei er gezogen: „Wien, ich hasse es, dieser Verkehr, Elektroroller, aggressive Fahrradfahrer und Fußgänger – man kommt gar nicht mehr durch mit der S-Klasse.“
Hader, 59, vielen als Detektiv Brenner in den Verfilmungen der Krimis von Wolf Haas bekannt, spielt auf der Bühne gern alternative Versionen seiner selbst. In „Hader on Ice“ im Theaterhaus ist das ein reifer, Whisky trinkender Wohlstands-Egomane, der eine Welt kommentiert, aus deren Zeit er gerade fällt. „On Ice“ ist wörtlich gemeint, Hader geht bewusst aufs Glatteis. Ein „verblasener Ethnologiestudent“ habe ihn nicht zu seinem eigenen Auftritt einlassen wollen, „halb bewusstlos vor lauter Work-Life-Balance“.
Da sei Hader aus Versehen nüchtern aufgetreten und „irgendwann entsetzt“ gewesen über „das Niveau der Veranstaltung“. Zum Vergnügen des heftig applaudierenden Publikums analysiert Hader gesellschaftliche Erschütterungen und den Erhitzungsgrad der Gemüter. In der Quarantäne habe er Sachen herausgefunden: „Wir werden alle belogen und betrogen. Alle 100 Jahre wird die Bevölkerung komplett ausgetauscht.“ Das ist brillanter Dadaismus. Und Hader schlägt einen stimmigen Bogen vom aktuellen Verschwörungs- und Querulantenwesen zu den katholischen Höllengeschichten seiner Kindheit.
Er kommentiert auch Beziehungen älterer Männer zu jüngeren Frauen. Bei einer Studentin sei er eifersüchtig gewesen „auf jeden jungen Mann, der nackt bei uns im Bad stand“. Sie habe sich einen Mann gewünscht, „der mal sagen kann, wie’s ihm geht – aber es gibt Grenzen“. Hader preist die stets gute Laune des afrikanischen Bettlers vor dem Supermarkt, den er nun als „Diener“ eingestellt habe: „Sklaverei löst das Flüchtlingsproblem. Die hätten dann endlich einen Schutz – nichts ist bei uns so gut geschützt wie das Eigentum.“ Das sitzt.
Wie üblich mimt Hader manchmal mehrere Figuren gleichzeitig, etwa einen sprechenden Wolf, der den Bühnen-Hader zu Hause besucht. Noch während dieser sich fragt, ob er jetzt schizophren wird, spaltet er schon die nächste Persönlichkeit ab, die die beiden ersten brüderlich an die Hand nimmt.
Zwei üppig gefüllte Stunden später sitzt Josef Hader am Klavier und singt eine bizarre Version von „Over the Rainbow“ als Schlusspunkt eines Abends, der sehr nah dran war am Herzschlag der Gegenwart.