Joseph-Süß-Oppenheimer-Platz Eine Oase für inhabergeführte Geschäfte

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Der Anfang für einen Rückzugsort der inhabergeführten Geschäfte wäre indes gemacht. Im vergangenen September hat sich mit Interior Park ein junges Designhaus mit Sitz im Stuttgarter Westen am Platz niedergelassen. Die Firma macht ihr Geschäft eigentlich im Internet, zieht aber eine positive Bilanz der ersten Monate im stationären Handel. „Wir sind zufrieden“, sagt die Chefin Tina Kammer. Zudem sei sie überrascht, wie groß in Stuttgart die Nachfrage nach individuellen Angeboten inzwischen ist. „Unsere Kunden beklagen wieder und wieder die Entwicklung im Handel. Durch das Ende kleiner Läden, die Mieterwechsel an der Königstraße und die Eröffnung der Shoppingcenter wird die Stadt zunehmend als monoton und langweilig empfunden.“

Durchgang zur Schulstraße ist eine düstere Ecke

Doch die Mieten in Toplagen können sich kleine Händler nicht leisten. Die Stadt betont zwar bei jeder Gelegenheit, man setze sich für einen vielfältigen Handel ein. Doch offenbar blieb der Versuch eines Labels für organische Mode, sich in einem städtischen Gebäude direkt am Oppenheimer-Platz einzumieten, erfolglos. Angeblich war der Stadt das Mietangebot des jungen Händlers nicht ausreichend hoch genug – nun steht die Fläche seit dem Auszug des Outdoor-Händlers Woick leer. Die Stadt erklärt, aktuell laufe die Suche nach neuen Mietern für die Räume. Der neue Mieter soll so viel bezahlen wie der vorherige, lautet die Vorgabe. Zudem ist der Mietvertrag bis 2017 befristet. Das Angebot des Modelabels sei nun mal unter dieser Summe geblieben, heißt es aus dem Rathaus.

Über den Handel hinaus könne man aus dem Hinterhof der Königstraße einen attraktiveren Platz gestalten, wenn man den Durchgang zur Schulstraße von einer düsteren Ecke in einen Ort zum Verweilen verwandele, findet Kienzle. Anfang der Nullerjahre hatte Kienzle mit seiner Stiftung Geißstraße sogar eine Bühne auf dem Platz aufgebaut: „Es fanden Lesungen statt oder wir haben Kinofilme an die Fassade von Karstadt projiziert.“ Die Bewirtschaftung der Bühne sei aber zu kostspielig geworden, so der Ex-Stadtrat.

Bordell klagt über Ruhestörung

„Außerdem gab es Probleme mit dem benachbarten Bordell“, ergänzt ein Gastronom, der damals rund um die Bühne einen Sommer lang eine Bar mit Namen Camp David betrieben hat. „Die Prostituierten des Dreifarbenhauses haben uns regelmäßig die Polizei wegen vermeintlicher Ruhestörung vorbeigeschickt“, so der Gastronom, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. „Eine Stummfilmvorführung von Buster Keaton an der Karstadt-Fassade mit Schlagzeug-Begleitung, mitten in Stuttgart, das war eine Ansage“, schwärmt der Gastronom noch heute.

Jede belebende Idee sei jedoch zum Scheitern verurteilt, weil das Dreifarbenhaus kulturelles Programm als geschäftsschädigend verstehen würde. Das Bordell würde wohl eher einen Primark bevorzugen: Der drohende Lieferverkehr steht dem Verkehr unterhalb des Oppenheimer Platzes offenbar nicht so störend entgegen.




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