Jubiläum Ein Jahrzehnt Neckarwerke-Hallen-Boom

Die Eislinger Stadthalle ist nur eine von vielen „Stromaktienhallen“ Foto: Stadt Eislingen
Die Eislinger Stadthalle ist nur eine von vielen „Stromaktienhallen“ Foto: Stadt Eislingen

Eislingen feiert das Jubiläum „10 Jahre Stadthalle“. Auch Salach, Wäschenbeuren oder Uhingen hatten sich damals den Traum einer modernen Veranstaltungshalle erfüllt. Wie stehen die Hallen heute da?

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Kreis Göppingen - Einen Bauboom hat der Landkreis vor zehn, zwölf Jahren erlebt, als neue Mehrzweckhallen, Sport- und Kulturzentren nur so aus dem Boden schossen. Der Grund war nicht nur, dass die damals noch ortsüblichen Turn- und Festhallen in die Jahre gekommen waren. Vielmehr hatten die Neckarwerke ihren kommunalen Anteilseignern geraten, ihre Aktien bei der Übernahme durch die EnBW zu versilbern. Die Millionen, die so flossen, nutzte die eine oder andere Gemeinde, um sich lang gehegte Wünsche zu erfüllen.

Vergleiche fallen schwer

So konnten Wäschenbeuren 2002 die Bürenhalle, Salach 2003 die Stauferlandhalle und im Jahr 2004 sowohl Uhingen das Uditorium als auch Eislingen seine Stadthalle bauen. Vergleichen kann man die Einrichtungen, die die Kommunen gerne als ihre „gute Stube“ bezeichnen, schwer, wohl aber nachfragen, ob sich die jeweiligen Erwartungen erfüllt haben.

Die Stauferlandhalle

Stauferlandhalle Salach

Die Stauferlandhalle, am Ortsrand direkt zwischen Schule und Freibad und mit großzügigen Parkplätzen ausgestattet, ist eine Kombi-Halle. Neben einem auf kulturelle Nutzung ausgelegten Saal gibt es auch den Sportbereich. Bestuhlt bietet die Halle für bis zu 800 Besucher Platz. Geteilt ist im Veranstaltungssaal mit seiner Bühne an Tischen immer noch Platz für 250 Gäste.

Werbeeffekt ist enorm

Die rund 9,1 Millionen Euro, die der Bau vor knapp elf Jahren gekostet hat, sind nach Ansicht des Bürgermeisters Bernd Lutz gut angelegt. Die Halle sei nahezu komplett ausgelastet. Werben müsse man kaum, der Verwaltungsaufwand sei gering. Unter der Woche nutzen Schulen und Vereine die Stauferlandhalle, in der auch die Vereinsgaststätte der TSG integriert ist, für den Sport. Am Wochenende finden Veranstaltungen aller Art statt, von der Hochzeit über Handwerkermessen bis zu Firmenjubiläen, Konzerten und Vorträgen. Stolz ist Lutz darauf, dass Ministerpräsident Winfried Kretschmann die Halle unlängst für seinen Landkreisbesuch gebucht hat. „Das Renommee, das eine solche Veranstaltung bringt, kann man nicht aufwiegen.“

Der Neubau ist vor allem Vereinsförderung

Den Zuschussbedarf beziffert Lutz auf 500 000 bis 600 000 Euro pro Jahr. Der Großteil davon ist Lutz zufolge als Vereinsförderung zu sehen, denn die örtlichen Vereine profitieren am meisten von der Halle. Die Grundmiete beträgt 250 Euro für die ganze Halle und 150 für den Bühnensaal, wobei wie überall die örtlichen Vereine erhebliche Vergünstigungen erhalten und Auswärtige Aufschläge berappen müssen.

Die Bürenhalle

Bürenhalle Wäschenbeuren

Die Bürenhalle in Wäschenbeuren ist die „älteste“ der von uns unter die Lupe genommenen neuen Hallen. Für etwas mehr als sechs Millionen Euro hätte sich die Kommune den Hallenwunsch dem Bürgermeister Karl Vesenmaier zufolge allerdings auch ohne Stromaktienverkauf erfüllt. Die zentral gelegene Bürenhalle ist eine mehr auf Sport ausgelegte Mehrzweckhalle. Bis zu 800 Personen bietet die Halle Platz.

Bewusst im Wohngebiet nicht so viele Veranstaltungen

Mitten im Ort will die Gemeinde den Veranstaltungsdruck bewusst nicht zu groß werden lassen. Geburtstage und Hochzeiten, die Fasnet und Flohmärkte finden dennoch in der Halle statt. Und sie dient auch mal als Regenwetter-Ausweichquartier für Open Airs wie „Musik auf Schloss Filseck“. Vor allem aber wird sie für den Schul- und Vereinssport genutzt. Insofern seien auch die 425 000 Euro Abmangel pro Jahr „eine süße Last“, sagt Vesenmaier. „Die Halle ist ein Standortfaktor. In unseren Vereinen sind auch Auswärtige aktiv und werden so auf Wäschenbeuren aufmerksam.“

Die Stadthalle

Stadthalle Eislingen

Eislingen feiert am kommenden Freitag mit geladenen Gästen „Zehn Jahre Stadthalle“. Geladen sind Vertreter von Vereinen und Schulen und vor allem all jene, die mit ihrem Kulturabos seit Jahren der Stadthalle und dem städtischen Veranstaltungsprogramm treu sind. Dieses hatte sich zuvor vor allem im Schlosstheater, das ja ein Kino war, abgespielt. „Heute werde ich oft gefragt, wie Eislingen es denn ohne Stadthalle gemacht habe“, erklärt Marie-Luise Schäfer, die Kulturamtsleiterin.

Das Programm gestalten die städtischen Akteure

Hauptsächlich bespielt die Stadt mit ihrem ambitionierten Kultur- und Kleinkunstprogramm sowie die Schulen und Vereine, Volkshochschule und Musikschule die beiden Säle der Stadthalle, die für rund 6,3 Millionen Euro erbaut worden war. Rund 50 Termine pro Jahr sind aber auch Fremdbuchungen aller Art.

Ein Café fehlt noch

Der Kronensaal mit der Bühne bietet bestuhlt rund 460 Personen Platz, der Jurasaal knapp 100, in Kombination können sogar rund 600 Sitzplätze angeboten werden. Die Grundmieten betragen 330 Euro für den großen und 110 Euro für den kleinen Saal oder in Kombination 400 Euro. Den jährlichen Abmangel beziffert Schäfer auf rund 500 000 Euro. Wenn sich die Stadt noch etwas wünschen dürfte, dann ein Café oder Restaurant, das vor allem im Sommer den Außenbereich mit seinen Sitzterrassen zur Fils hin bewirtet. Dieser bietet eine tolle Kulisse für Open Air-Veranstaltungen.

Uditorium Uhingen

Das Uditorium

Der zehnte Geburtstag des Uhinger Uditoriums wird vom 6. bis zum 12. Oktober dieses Jahres mit einer Jubiläumswoche gefeiert. Das „U“ wie die Uhinger ihr für rund acht Millionen Euro erbautes Veranstaltungszentrum liebevoll nennen, habe das Zusammenleben positiv beeinflusst und sei aus der Stadt nicht mehr wegzudenken, sagt der Bürgermeister Matthias Wittlinger. Dies rechtfertigt aus seiner Sicht auch den jährlichen städtischen Zuschuss in Höhe von etwa 200 000 Euro.

„Unser U-Team im Rathaus und das ehrenamtliche Kulturteam stellen nicht nur ein tolles Programm für die Bevölkerung und Gäste aus der Region auf die Beine. Es sorgt auch für eine Vor-Ort-Betreuung der jeweiligen Veranstalter“, lobt Wittlinger. Und die Uhinger Kulturmanagerin Corinna Ziegler ergänzt: „Ohne unsere freiwilligen Helfer wäre die Vielzahl an Konzerten und Tagungen, vor allem aber der schnelle Umbau, nicht zu stemmen.“

Das halbe Jahr über ausgebucht

An 182 Tagen war das Uditorium 2013 belegt, so gut wie noch nie. 637 Menschen passen dabei im besten Fall in den großen Saal, der für 400 Euro gemietet werden kann, 180 in den kleinen, der 150 Euro Grundmiete kostet. Außerdem gibt es zwei Konferenzräume. „Ich bin wirklich überrascht, was, neben den kulturellen Highlights, bei uns an Veranstaltungen und Konferenzen abgehalten wird“, erklärt Wittlinger. Seit zehn Jahren gebe es eine stetige Steigerung. „Und obendrein habe Uhingen, was es zuvor ne wirklich hatte, eine Stadtzentrum, fügt er hinzu.




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