Jubiläum im Asemwald Was man über die drei Hochhäuser noch nicht weiß

Der Asemwald feiert 50. Geburtstag. Thomas Ferwagner, Architekt und Bewohner, bietet aus diesem Anlass spezielle Führungen an. Foto: Caroline Holowiecki

Die Wohnstadt Asemwald feiert im September ein großes Jubiläumsfest. Das ganze Jahr über finden zudem Architekturführungen statt. Dort erfährt man Ungeahntes über die monströsen Gebäude, die bis heute geliebt und gehasst werden.

Die einen mögen sie und finden das Leben darin ganz wunderbar, andere fühlen sich abgestoßen. Die Rede ist von den Asemwald-Hochhäusern. Zwischen 1968 und 1972 sind die bis heute wohl mit am umstrittensten Häuser in Stuttgart entstanden. 135 Meter lang, 70 Meter hoch, 20 beziehungsweise 22 Stockwerke plus drei Kellergeschosse, 1137 Wohneinheiten; drei graue Kolosse auf der grünen Wiese. Dabei wäre das, was die Architekten Otto Jäger und Werner Müller Ende der 1950er unter dem bedeutungsschwangeren Namen Hannibal ursprünglich geplant hatten, noch wuchtiger gewesen: nämlich ein einzelner 650 Meter langer und 50 Meter hoher schnurgerader Baukörper.

 

Dieser Tage feiert der Asemwald seinen 50. Geburtstag. Ihn zelebriert die Bewohnerschaft mit viel Besuch von außen, denn das Interesse an der Wohnstadt ist groß, sagt Thomas Ferwagner. Er lebt seit fünf Jahren im Gebäude A. „Hier? Nie!“, habe er früher beim Vorbeifahren gesagt. Heute schätze er so vieles am Asemwald, und nicht nur den sagenhaften Ausblick aus dem 20. Stock auf Flughafen, Messe und die Schwäbische Alb. Die Infrastruktur mit Lebensmittelgeschäften, Schwimmbad plus Sauna über den Wolken, Restaurant, Kirche und mehr ist gut, die Identifikation ist groß. Viele Erstbezieher sind bis heute da, Thomas Ferwagner schätzt ihre Zahl auf etwa 100. Mehrere Generationen leben hier, Eltern und Kinder quasi Tür an Tür. Die Fluktuation ist gering. Hier kennt und grüßt man sich. „Die Kontaktaufnahme ist eine ganz andere“, erklärt er.

Unbekannte Details über den Asemwald

Im Jubiläumsjahr finden viele Veranstaltung statt. Der Höhepunkt wird der International Day unter der Schirmherrschaft der Landtagspräsidentin Muhterem Aras sein. Er soll vor allem die kulturelle Vielfalt in der Nachbarschaft zeigen. „Wir haben hier eine starke indische Community“, sagt Thomas Ferwagner. Er bietet zudem Führungen an. Als Architekt und Bewohner kann er den Menschen viel über seine Wahlheimat erzählen. Auch Ungeahntes. Etwa, dass das Gebäude A das einzige mit einem Seitenfenster ist, das nachträglich eingebaut worden war, um einen Arzt anzuwerben, der für seine Praxis mehr Licht zur Bedingung gemacht hatte. Oder dass der zweistöckige Flachbau mittig auf dem Gelände als Musterbau erstellt und von einer Wohnzeitschrift eingerichtet worden war, um potenzielle Interessenten zu begeistern. „Die Leute sind hergekommen, haben die Wohnungen angeschaut und gleich unterschrieben“, erzählt Thomas Ferwagner. Ebenso ist vielen unbekannt, dass es in den monströsen Bauten 42 verschiedene Wohnungstypen gibt, von 40 bis 150 Quadratmeter. „Das ist eine große Vielfalt“, sagt er.

Schnell Wohnraum schaffen, das war das Ziel

Die Architekturführungen dauern mehr als eine Stunde. In seinen Erzählungen fängt der 60-Jährige in den 1950ern an, als es die ersten Hannibal-Entwürfe gegeben hat, von der ursprünglich geplanten „650 Meter lange Kiste“ bis zur Umsetzung des sechsten Entwurfs. Das Ziel seinerzeit war klar gewesen: schnell und einfach Wohnraum zu schaffen. Ende der 1950er, als die Planungen für den Asemwald begannen, suchten mehr als 25 000 Menschen in Stuttgart eine Wohnung. Durch die ausgefuchste Anordnung der scheibenförmigen Häuser habe man es geschafft, dass der eine Block nicht im Schatten des anderen steht. „Die haben damals Lichtstudien gemacht.“

Die kostenfreien Führungen kommen an. Um die 40 Personen haben an der jüngsten teilgenommen. Thomas Ferwagner spricht von einer bunten Mischung aus Leuten, die überlegen, herzuziehen, Auswärtigen aus anderen Stadtteilen und sehr vielen Einwohnern. „Bei meinen Führungen sind immer Einheimische dabei, die kann ich dann einbeziehen“, sagt er. Noch bis Ende dieses Jahres sollen die Rundgänge regelmäßig stattfinden, „mindestens“.

Das Jubiläumsjahr

International Day
Der 50. Asemwald-Geburtstag wird das ganze Jahr über mit Veranstaltungen gefeiert. Der Höhepunkt ist der International Day am 11. September ab 16 Uhr mit Darbietungen aus unterschiedlichen Kulturen. Angekündigt werden zudem unter anderem internationale Foodtrucks und Jazzmusik der Asemwald Allstars. Am 16. und 17. September sind darüber hinaus ab jeweils 22 Uhr Nachtkonzerte mit Tillmann Reinbeck und Kollegen in der evangelischen Kapelle vorgesehen.

Führungen
Die kostenfreien Architekturführungen finden an jedem ersten Samstag im Monat statt. Treffpunkt: 15 Uhr am Ende der großen Fußgängerbrücke an der Infosäule. Eine Anmeldung ist nicht nötig. Weitere Infos unter www.asemwald.de. car

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