Auf dem Fellbacher Kappelberg steht an diesem Wochenende ein ganz besonderes Ereignis an: Rund ums Naturfreundehaus wird 75 Jahre Waldheim der Arbeiterwohlfahrt Fellbach gefeiert. Am Samstag, 16. Juli, beginnt um 14 Uhr die große Jubiläumsparty – mit Kinderprogramm, Musikbeiträgen, einer Cocktailbar und natürlich mit vielen Erinnerungen von ehemaligen Teilnehmerinnen und Teilnehmern oder Betreuerinnen und Betreuern, und so mancher hat sicher auch noch Fotos von seinen eigenen Abenteuern mit dabei.
Eigentlich könnte man auf die Zahl sogar noch ein Jahr draufpacken. Denn bereits 1946 gab es dort die erste Kinderstadtranderholung – seinerzeit allerdings noch organisiert von der Naturfreunde-Ortsgruppe selbst. Genehmigt werden musste die Kinderfreizeit von der Militärregierung in Stuttgart, und das geschah auch nur nach vorheriger positiver Empfehlung des Roten Kreuzes. „Lebensmittel, damals Kostbarkeiten im ausgehungerten Deutschland, in Form von Milch-Eipulver, Kakao, Fett, Mehl, Haferflocken und Kunsthonig wurden von amerikanischer Seite genehmigt und sicherten für 80 Kinder aus Fellbach vier Wochen unbeschwerte Ferientage“, heißt es in der Broschüre, die die Arbeiterwohlfahrt bereits zum 50-jährigen Bestehen 1997 erstellt hat.
Der Appetit der Kinder war enorm
Es gab zahlreiche logistische Herausforderungen damals. So existierte 1946 noch keine Wasserleitung zum Naturfreundehaus. Aber dafür hatte man ja das Wasserwägele zur Verfügung. Dabei handelte es sich um einen Leiterwagen, bestückt mit zwei großen Milchkannen, der den ganzen Tag lang von zwei Buben hin- und herkutschiert, gezogen und gedrückt werden musste, um das kostbare Nass von der Quelle beim Wasserreservoir hinauf zum Haus zu transportieren. Und wie oft tönte der Schreckensruf: „Des Wasserwägele isch verreckt!“ Doch dank findiger Reparaturgriffe war das Malheur schnell behoben, und eines der wichtigsten Utensilien fürs Waldheim konnte wieder loszuckeln. Erst 1952 wurde in Gemeinschaftsarbeit eine 800 Meter lange Wasserleitung von der Quelle ans Haus gelegt – der Graben für die Leitung musste von Hand gegraben werden. Die Arbeiterwohlfahrt Fellbach selbst führte dann von 1947 an das Waldheim im Naturfreundehaus in Alleinregie durch – ein Grund war, wie der heutige Vorsitzende Andreas Möhlmann vermutet, dass die Awo seinerzeit besser an die Verpflegung rankam. Denn wie heißt es in der Chronik zum 50-Jährigen: „Der Appetit der Kinder war enorm.“ Fellbacher Ärzte und Apotheker prüften seinerzeit die Kinder vor der Freizeit – „und wenn sie nach vier Wochen, bei der Abschlussuntersuchung, etliche Pfunde mehr auf den Knochen hatten, war der Jubel groß“, so die Erinnerung von Zeitzeugen.
Ein Ritual ist seit Anfang und bis heute „die mehr oder weniger beliebte Mittagsruhe“. In der Jubiläumsschrift heißt es: „Zu früheren Zeiten wachten die Betreuer streng darauf, dass die Kinder auf jeden Fall schliefen und mucksmäuschenstill waren. Heute sind die Regeln glücklicherweise nicht mehr so streng.“ Und bis heute gilt auch, dass das Abschlussfest am letzten Samstag den ereignisreichen Höhepunkt darstellt. An diesem Tag pilgern „Heerscharen von Eltern und Verwandten auf den Kappelberg, um ihre Sprösslinge bei den selbst einstudierten Sketchen und Theaterstücken zu sehen“.
Die Sommerfreizeit dauerte vier Wochen
Waren es anfangs, als noch kaum eine Familie in den Urlaub fuhr, durchgehend vier Wochen Waldheim am Stück, sind es seit 1997 drei Abschnitte zu je zwei Wochen. Das Interesse hatte durchaus Wellenbewegungen, weiß Möhlmann, der selbst 1978 als Sechsjähriger erstmals dabei war. „Aber seit ein paar Jahren haben wir immer eine große Nachfrage“, sodass bei der digitalen Anmeldung oft schon nach wenigen Minuten alles voll ist. Trotz Corona gab es übrigens keine Pause – in den Sommermonaten war es in den beiden vergangenen Jahren bekanntlich nicht so schlimm. Und mit begrenzten Teilnehmerzahlen und größeren Abständen dank der Verteilung auf dem Gelände ums Naturfreundehaus wurde das Risiko minimiert. 95 Kinder im Alter zwischen fünf und 13 Jahren kommen pro Durchgang zum Waldheim, dazu kommt das 13-köpfige Betreuerteam und ein Quintett für die Küche.
Möhlmann und Betreuerin und Organisatorin Heike Zamai sagen: „Inzwischen ist das beliebte Waldheim aus Fellbach nicht mehr wegzudenken – und darauf sind wir als Ortsverein, der das Waldheim vollständig über das Ehrenamt stemmt, mächtig stolz.“
Hüpfburg, Tombola und ein Auftritt von Toni Mogens
Jubiläum
Die Feier zum 75-jährigen Bestehen des Awo-Waldheims auf dem Fellbacher Kappelberg findet an diesem Samstag, 16. Juli, statt. Beginn ist um 14 Uhr, Ende gegen 21 Uhr.
Programm
Für Kinder gibt es zum Beispiel eine Hüpfburg und eine Tombola mit tollen Gewinnen. Für Verpflegung ist gesorgt – Getränke, warme Speisen wie auch Kaffee und Kuchen. Um 14.30 Uhr gibt es einen Auftritt des Awo-Kinderhauses Zwergenzügle, um 17 Uhr öffnet die Cocktailbar, dann startet auch der bekannte Fellbacher Musiker Toni Mogens seine Show.
Bus-Shuttle
Die Anfahrt mit dem Auto ist zur Jubiläumsfeier am Samstag nicht möglich. Gäste können allerdings den Shuttle-Bus von 13 bis 19 Uhr von der Neuen Kelter aus nutzen (Kappelbergstraße 48) oder vom Wanderparkplatz „Spinne“ hinauf zum Waldschlössle spazieren.