Jubiläum in Oberstenfeld Für sechs Millionen Mark: Wie das erste Freibad weit und breit entstand

Das Interesse an der offiziellen Einweihungsfeier am 4. Juli 1975 war gigantisch. Foto: Gemeinde Oberstenfeld

Das Mineralfreibad zwischen Beilstein und Oberstenfeld wurde vor 50 Jahren eingeweiht – und setzte früh Maßstäbe. Vor allem die lange Rutsche war in der Region einmalig.

Treffen wir uns nach dem Unterricht im Mineralfreibad in Oberstenfeld oder im Wellarium in Steinheim? Was für zig Schüler aus dem Raum Marbach seit den 1980er-Jahren eine Art Glaubensfrage ist, war im Sommer 1975 noch kein Thema. Da war klar: Man plantscht und schwimmt in den Becken in Oberstenfeld.

 

Die Anlage wurde in jenem Jahr eröffnet, besteht also seit sage und schreibe fünf Dekaden – und war anfangs quasi konkurrenzlos. „Es gab nur ein Freibad in Ilsfeld, ansonsten nichts zwischen Heilbronn und Ludwigsburg“, sagt Volker Wanner, der von Mitte 1987 bis 2015 im Zweckverband Mineralfreibad der beiden Trägerkommunen Beilstein und Oberstenfeld für die Anlage zuständig war. Die Kollegen in Steinheim und Murr zogen erst 1981 nach, als das Wellarium eingeweiht wurde. Bis dahin hatte das Mineralfreibad eine Monopolstellung im Bottwartal. Wobei es für Volker Wanner schon immer mehr als ein Freibad war. „Das war ein Treffpunkt und Ziel, auch für die Jugend. Man kann sich kaum vorstellen, was das Bad für eine Wertigkeit für die Gesellschaft hat“, erklärt der Oberstenfelder, der in Beilstein aufgewachsen ist.

„Der Bedarf war einfach da“

Der frühere Oberstenfelder Bauamtsleiter Volker Wanner hebt auch hervor, welche Leistung es war, ein solches Projekt interkommunal zu stemmen. Nur durch „das große Engagement“ der damaligen Bürgermeister Manfred Läpple in Oberstenfeld und Otto Rohn auf Beilsteiner Seite konnte „die Idee der Freizeitanlage in die Tat umgesetzt werden“. Der Wunsch für das Schwimmbad sei aus der Bevölkerung gekommen. „Der Bedarf war einfach da“, betont Wanner.

Laut einem früheren Bericht im Oberstenfelder Mitteilungsblatt hatten sich die Räte aus beiden Kommunen am 6. Juni 1969 darauf verständigt, den Bau in Angriff zu nehmen. Als Standort wurde 1970 ein Gelände zwischen den Orten auserkoren, unterhalb des Petersbergs. „Das ist wunderschön und landschaftlich reizvoll gelegen, die Grundstücke waren privat und mussten vom Zweckverband erworben werden“, sagt Volker Wanner.

1973 begann die Erschließung des Geländes, ein Jahr später ging der Spatenstich über die Bühne. Für den Bau mussten fast sechs Millionen D-Mark in die Hand genommen werden. Am 17. Mai 1975 konnten sich Groß und Klein erstmals in den Becken vergnügen. Die offizielle Einweihung fand am 4. Juli statt. Fotos lassen erahnen, dass halb Beilstein und halb Oberstenfeld an diesem Tag auf den Beinen gewesen sein müssen. Der damalige Beilsteiner Rathauschef Paul Stadel soll in voller Montur ins Wasser gesprungen sein.

Eine wegweisende Entscheidung

Fakt ist, dass sich der Zweckverband nicht auf dem Erfolg ausruhte und alsbald eine wegweisende Entscheidung traf: den Bau einer 40 Meter langen Rutsche im Jahr 1982. „Dies war seinerzeit eine der ersten Rutschbahnen in Süddeutschland“, heißt es in dem Text im Blättle. Die Konstruktion sollte zum Alleinstellungsmerkmal, Markenzeichen und Anziehungspunkt werden. Und die Glaubensfrage unter Schüler ließ sich von da an auch zuspitzen auf die einfache Formel: Lust auf Rutschen oder eher auf das Wellenbecken? Mit letzterem Pfund konnte Steinheim wuchern.

Die Anfang der 1980er-Jahre gebaute Rutsche wurde zum Aushängeschild der Anlage. Foto: Gemeinde Oberstenfeld

Nicht von ungefähr kam es also, dass 1982 die Besucherzahlen in Oberstenfeld durch die Decke gingen und einen neuen Rekordwert erreichten. Bereits in der Folgesaison wurde die Rutsche auf 100 Meter verlängert. Wieder kletterte die Zahl der Badegäste. Dabei sollte es aber nicht bleiben. Wie der frühere Bürgermeister der Gemeinde, Reinhard Rosner, rekapituliert, kamen mit der Zeit eine Kinderrutsche, eine 40 Meter lange Steilrutsche sowie 1995 eine Breitrutsche hinzu.

Christine Schächer, die aktuelle Verwaltungsleiterin des Mineralfreibads Oberes Bottwartal, betont zudem, dass man Becken, Sanitärtrakte und Co. immer ordentlich in Schuss gehalten habe. „Wir schieben also keinen Berg an notwendigen Sanierungen vor uns her“, erklärt sie. Der Rückhalt für die Freizeitanlage sei in der Bevölkerung weiter immens.

„Man darf auch nicht vergessen, dass Schwimmen die Gesundheit fördert“, betont Schächer. Das Thema nachhaltige Energieversorgung habe man ebenfalls auf dem Schirm. Über dem Parkplatz sei eine PV-Anlage aufgespannt worden, die noch im Juni in Betrieb gehe. „Ich glaube fest daran, dass wir in 50 Jahren auch das 100-jährige Bestehen des Bads feiern können“, sagt sie.

FKK-Bereich ist in die Jahre gekommen

Vermutlich wird sich das Gelände bis dahin allerdings wieder etwas verändert haben. Die Erfahrung aus der Vergangenheit lehrt, dass man mit der Zeit gehen sollte. So könnte in naher Zukunft der rund 1800 Quadratmeter große FKK-Bereich neu überplant werden. „Das Areal ist nicht mehr so stark frequentiert, hat außerdem kein eigenes Becken und ist in die Jahre gekommen. Wir sollten uns in den nächsten ein bis zwei Jahren deshalb überlegen, ob wir das Gelände aufwerten oder umnutzen wollen“, erklärt Christine Schächer. So sei künftig für die Fläche auch eine Gestaltung mit „zusätzlichen Angeboten zur Freizeitnutzung nicht ausgeschlossen“.

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