Ursula Dees aus Böblingen hat in Tripsdrill an der Grenze zum Kreis Ludwigsburg eine magische Zahl an Achterbahn-Fahrten erreicht – das hilft der 85-Jährigen gesundheitlich.
Höchstwahrscheinlich wird diese Therapieform keinen Eingang in schulmedizinische Standardwerke finden. Aber bei Ursula Dees wirken halsbrecherische Ritte mit Überkopf-Achterbahnen besser als jede Pille gegen ihre Hüftbeschwerden. „Sie braucht nun keine Schmerztabletten mehr“, sagt ihr Sohn Volker. Also dreht die 85-Jährige aus Böblingen Runde um Runde in den spektakulären Fahrgeschäften im Freizeitpark Tripdsrill, wo sie am Montagmorgen eine magische Zahl erreicht hat: zum 3333. Mal jagte sie durch die wilden Loopings der Karacho-Achterbahn und erhielt von der Parkleitung ein einzigartiges Geschenk.
Angefeuert und lautstark begrüßt wurde sie bei diesem rekordverdächtigen Jubiläum von all den anderen wartenden Besuchern. Bei Kennern der Szene und Stammgästen ist Ursula Dees bekannt wie ein bunter Hund. „Alle wollen mit ihr fahren“, sagt Sohn Volker Dees. Das geht so weit, dass Enkel Markus sogar Autogrammkarten hat drucken lassen. Darauf sieht man Ursula Dees lächelnd während einer Fahrt.
Auch am Montag strahlt die Seniorin in fast jeder Sekunde. Vor allem, als sie mit ihrem Rollator flink auf die Achterbahn zusteuert und sich dann in einen der Sitze der Karacho fallen lässt. Von Aufregung keine Spur bei der 85-Jährigen, während sich einige Jugendliche in den Warteschlangen bange Blicke zuwerfen und sich gegenseitig Mut zusprechen müssen, um überhaupt die rasante Fahrt zu wagen. Erstaunlich ist auch, dass Ursula Dees zigmal am Stück ihre Runden dreht, oft 50-mal hintereinander. „Mir wird dabei nie schlecht“, sagt die 85-Jährige.
Ursula Dees führt penibel Tagebuch über ihre Touren in den Achterbahnen. Die Schnapszahl, die sie nun erreicht hat und die in dem Park bei großem Medienrummel gefeiert wird, ist also nicht geschätzt und willkürlich auf einen bestimmten Tag gelegt.
Aus ihren Einträgen lässt sich zudem ablesen, dass die Böblingerin auch schon 3000 Fahrten in der Hals-über-Kopf-Achterbahn abhaken konnte. Auch bei dieser Attraktion wird der Körper zwischenzeitlich um 180 Grad gedreht. Genau das verschafft Ursula Dees Linderung. „Ich sitze locker drin und alles wird gedehnt. Es sitzt nicht mehr Knochen auf Knochen. Deshalb bin ich schmerzfrei“, sagt sie.
Glücksgefühle durch Fahrten mit der Achterbahn
Wobei die Achterbahnen bei ihr nicht nur das körperliche Wohlbefinden verbessern. Bei der Seniorin werden dabei ebenso Glücksgefühle freigesetzt. Auch deshalb bekam sie das Go von ihrem Arzt, bevor sie sich in die Karacho setzte. „Er hat sich so gefreut, dass ich mit meinem Enkel nach Tripsdrill gehe und wieder Lebensfreude bekomme nach dem Tod von meinem Mann. Er hat gesagt, ich soll in die Metallachterbahn einsteigen, gemeint war die Karacho“, sagt sie. Ursula Dees befolgte den Rat des Mediziners. „Das war das Beste, was mir passieren konnte“, betont sie.
Kurioserweise hatte sie zuvor 40 Jahre keinen Fuß in eine Achterbahn gesetzt. Dann reizte sie ein wilder Ritt und sie startete mit der Mammut-Achterbahn. Das war 2012 sozusagen der Einstieg in ihr ausgefallenes Hobby. Seit 2014 ist sie dann aber der Karacho verfallen.
Schätzungsweise 30-mal pro Saison pendelt sie nun von Böblingen nach Tripsdrill – und daran will sie auch nichts ändern. „Ich will das machen, solange es geht“, sagt sie mit dem typischen Ursula-Drees-Strahlen. In Zukunft muss sie dafür nicht einmal mehr einen Jahrespass kaufen. Zum 3333. Karacho-Jubiläum spendierte ihr die Geschäftsführung lebenslang freien Eintritt.
Roland Fischer von der Betreiberfamilie war einst auch eingeweiht, als die Seniorin vor ihrer Premierenfahrt in der Karacho stand. Fischer hatte nichts gegen die Pläne der Böblingerin einzuwenden. Einzige Bedingung: Der Arzt musste vorher seinen Segen geben. Und da auch von dieser Seite grünes Licht kam, flitzt Ursula Dees seit 2014 vor allem auf den Schienen der Karacho durch die Luft, um ihre Hüftbeschwerden wegzublasen.