Am Anfang war die Burg – noch bevor König Wilhelm I. das Mausoleum auf dem Württemberg für seine früh verstorbene, geliebte Ehefrau errichten ließ. Wie das Gemäuer ausgesehen hat, verdeutlicht ein Modell, das in der Jubiläumsausstellung zum 200. Geburtstag der Grabkapelle zu sehen ist. Schlichte Mauern umranken einfache Gebäude in der Mitte. Ausstellungsmacher Klaus Enslin, Vorsitzender des Bürgervereins Untertürkheim, berichtet, Königin Katharina habe bei einem Besuch der Burg angesichts des tollen Ausblicks gesagt: „Hier möchte ich einmal begraben sein.“ Und daran habe sich ihr Ehemann, König Wilhelm I., erinnert, als seine Frau 1819 im Alter von nur 30 Jahren starb. Deshalb habe der König die Burg abreißen lassen, um eine würdige Grabstätte bauen zu lassen.
Bürger durften sich Steine der Burg beim Abriss holen
Nach dem Abriss durften die Untertürkheimer sich die Steine holen. „Noch manche Weinbergmauer und Hausmauer in Untertürkheim zeugt davon“, erklärt Enslin. Wie die Burg einmal aussah, das zeigen Abbildungen, Gemälde und kolorierte Stiche.
Die Burg selbst wurde für Konrad von Wirdeneberch errichtet. 1092 wird der auch als Konrad von Württemberg bekannte als Zeuge genannt. Die Burg Wirtemberg war Stammsitz der Herren von Württemberg bis 1495. Der Name Württemberg spiegelt sich bis heute in der Bezeichnung für den Berg wider, auf dem die Grabkapelle steht. Er hieß früher Rotenberg und wurde 1805 in Württemberg umbenannt. Die Burg wurde immer wieder zerstört und wieder aufgebaut. 1495 ist die Königsfamilie ins Alte Schloss gezogen. „Das Problem war die Wasserversorgung dort oben“, sagt Enslin.
Viele Entwürfe für die Grabstätte der geliebten Ehefrau
Für seine geliebte Ehefrau wollte der König eine ganz besondere Grabstätte schaffen lassen. So gab es vielerlei Entwürfe von Architekten. Auch davon erzählt die Ausstellung. Am Ende wurde der Entwurf von Hofbaumeister Giovanni Battista Salucci verwirklicht, der etwas abgespeckt wurde: statt vier Außentreppen, 48 Säulen und ebenerdigem Eingang gibt es nur eine Treppe und 16 Säulen. Der Schlussentwurf ist in der Universitätsbibliothek Stuttgart zu sehen. Die baulichen Besonderheiten der Grabkapelle sind faszinierend, etwa die Gusseisenplatte aus einem Stück aus Wasseralfingen, die in der Gruft an bestimmten Punkten für ein siebenfaches Echo sorgt. Auch ein Priesterhaus für die orthodoxen Gottesdienste und das Psalmistenhaus für die Sänger sind zu sehen, in letzterem ist heute das Bistro untergebracht.
Königin Katharinas bleibende Verdienste
Natürlich fehlt auch nicht der Blick auf Königin Katharinas Verdienste in ihrer kurzen aktiven Zeit in Stuttgart. Beschreibungen zeigen, welche Ideen sie samt ihrer guten Bildung als Zarentochter eingebracht hat. „Sie hatte von klein auf Unterricht in Politik und Wirtschaftskunde“, berichtet der Kurator. 1817 gründete sie die Zentralleitung des Wohltätigkeitsvereins, den Vorläufer des heutigen Wohlfahrtswerks Baden-Württemberg, und übernahm den Vorsitz. Auch auf die Hungersnot durch den Vulkanausbruch in Tambora 1815 auf der Insel Sumbawa und die ausgebliebene Ernte reagierte sie mit der Gründung der Sparkasse für das ganze Königreich Württemberg, den Vorläufer der heutigen Landesbank Baden-Württemberg. Erziehung und Bildung waren ihr wichtig: 1818 gründete sie die erste höhere Schule für Mädchen, die später Königin-Katharina-Stift genannt wurde. Sie legte 1820 den Grundstein für das Katharinenhospital, wirkte bei der Einrichtung des Landwirtschaftlichen Vereins in Württemberg und bei der Gründung der landwirtschaftlichen Unterrichts-, Versuchs- und Musteranstalt in Hohenheim, der heutigen Universität Hohenheim, mit. Auch das Landesgewerbeamt geht auf ihre Initiative zurück.
Um Katharinas Tod ranken sich bis heute viele Mythen
Zeitungsartikel von damals berichten über den plötzlichen Tod von Königin Katharina, um den sich bis heute viele Mythen ranken. „Sie ist an den Folgen von einer Gürtelrose gestorben“, sagt Enslin. Die Stammbäume lassen die Tragödie nur erahnen. Die Liebesheirat der jungen Witwe Königin Katharina, die den 34-jährigen Kronprinzen Wilhelm beim Wiener Kongress im Alter von 27 Jahren kennengelernt hat, die Hochzeit in Petersburg, ihr Wirken in Stuttgart ab 1816 als frisch vermähltes Paar und ihr früher Tod am 9. Januar 1819, als sie schwanger mit dem dritten Kind war.
„Die Frau ist bis heute populär“, sagt Enslin über die Schau mit dem Titel „Eine Königin kehrt zurück“. Die Ausstellung in der Untertürkheimer Stadtteilbibliothek, Strümpfelbacher Straße 45, ist noch bis 9. November zu sehen, am 27. Oktober gibt es eine Sonderöffnung von 14 bis 16 Uhr.