Jubiläumsfeier in Großerlach Menschenwürde in praktischer Form

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Die diakonische Einrichtung Erlacher Höhe feiert 125-Jahre-Jubläum, etliche Prominente gratulieren.

Der neue grüne Sozialminister Manfred Lucha (rechts) erläutert beim Festakt zum 125-jährigen Bestehen der Erlacher Höhe seine Konzepte zur Armutsbekämpfung. Foto: Jan Potente
Der neue grüne Sozialminister Manfred Lucha (rechts) erläutert beim Festakt zum 125-jährigen Bestehen der Erlacher Höhe seine Konzepte zur Armutsbekämpfung. Foto: Jan Potente

Großerlach - Es kommt selten vor, dass ein Bürgermeister einer sozialen Einrichtung in seiner Gemeinde, die ein Jubiläum feiert, ein Ständchen singt. Christoph Jäger hat das am Sonntag zum 125-Jahr-Jubiläum der Erlacher Höhe getan, und zwar in einer Form, die manchen Besucher ergriffen hat. Vor Jahren habe er, so erzählte Jäger beim Festakt, ein Paar aus der Einrichtung getraut, einen alten Mann und eine Frau, die sich nach Jahren der Obdachlosigkeit in der Einrichtung wiederbegegnet seien. „Verstoßen, verachtet, verhasst / und nicht ins Raster gepasst“, singt Jäger, am Keyboard sitzend, mit einer Stimme, die vom Fangesang der Nacht davor noch heiser ist. Es gibt langen Applaus für seine ungewöhnliche Darbietung

Mit großem Aufwand und vielen Programmpunkten hat die Erlacher Höhe am Sonntag ihren 125-jährigen Geburtstag gefeiert. Die Einrichtung geht auf den Stuttgarter „Verein zur Gründung von Arbeiterkolonien in Deutschland“ zurück, der sich 1883 in der Landeshauptstadt formiert hatte. Der Ansatz, Nichtsesshafte in ländlichen Siedlungen schrittweise an ein geordnetes Leben zu gewöhnen, galt seinerzeit als bestes Mittel gegen den Müßiggang.

Der Verein suchte nach geeigneten Flächen und wurde im abgelegenen Schwäbischen Wald fündig. Im Januar 1891 wurde das Gebiet der Erlacher Glashütte im Mainhardter Wald gekauft, Ende des Jahres gab es auf dem Gelände bereits drei Schlafsäle für 100 Kolonisten, wie die Jubiläumsschrift der Erlacher Höhe informiert. Noch heute, so erzählte Christoph Jäger beim Festakt im Gespräch mit dem Fernsehmoderator Jo Frühwirt, würden einige Großerlacher von der Einrichtung als „der Kolonie“ sprechen. Sie täten dies jedoch nicht in einer abschätzigen Form, sagte Jäger, der die freundlichen und freundschaftlichen Kontakte auf Augenhöhe zwischen der Erlacher Höhe und der Gemeinde lobte.




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