Die Wiesentalbahn ist vor 150 Jahren erstmals von Basel in den Schwarzwald gefahren – das wird am Samstag gefeiert.
Lörrach - Seit 150 Jahren fahren Züge von Basel in das Tal der Wiese, das sich über Lörrach, Schopfheim, Zell und Todtnau bis zum Feldberg erstreckt. Doch den höchsten Schwarzwaldberg hat die Eisenbahn nie überwunden, auch der Schmalspurfortsatz von Zell nach Todtnau, der 1889 der Strecke hinzugefügt wurde, ist längst wieder weg, seit 1967 schon. Nur noch ein Radweg erinnert an das beliebte „Todtnauerli“. Die erste Lokomotive dampfte am 10. Mai 1862 mit Kohle befeuert die 22 Kilometer lange Strecke von Basel nach Schopfheim: Das Datum war sorgfältig gewählt, es war der 102. Geburtstag des alemannischen Dichterfürsten Johann Peter Hebel, die Lok trug seinen Namen. Als eine der ersten Eisenbahnstrecken in Deutschland überhaupt wurde die Wiesentalbahn 1913 elektrifiziert, den Strom lieferte eines der neu errichteten Wasserkraftwerke am Hochrhein in Wyhlen. Selbst die Transitstrecke im Rheintal kam erst 1955 unter Strom.
Ein Jahr vor Beginn des Ersten Weltkrieges war der Badische Bahnhof auf Schweizer Territorium in Basel gerade fertig und die kaiserliche Militärplanung spielte beim Schienenbau an Hoch- und Oberrhein eine wichtige Rolle. Das Reich verlangte den Bau einer Eisenbahnlinie von Weil über Lörrach und Schopfheim nach Waldshut, um im Kriegsfall die Schweiz umfahren zu können. So entstanden weitere Strecken im Dreiländereck.
Die Wiesentalbahn war eine wichtige Pendlerstrecke
Nur im Ersten Weltkrieg war der Basler Badische Bahnhof einmal von Schweizer Truppen besetzt, im Zweiten Weltkrieg lief der Zugverkehr dort unvermindert weiter. Die Wiesentalstrecke blieb in dem Tal der Textil- und Maschinenbauindustrie eine wichtige Pendlerstrecke, auch in der Zeit des wirtschaftlichen Wiederaufstiegs der 50er und 60er Jahre. Basel ist zudem für das Wiesental das Oberzentrum, Lörrach mit seinen Bildungseinrichtungen zieht Schüler auch aus dem oberen Wiesental an.
Doch die zunehmende Automobilisierung traf die Eisenbahn im ländlichen Raum stärker als in den Metropolen. Wer im Schwarzwaldtal und auf den Bergen wohnt, kommt ohne Auto nicht weit und stellt es auch nicht am nächsten Bahnhof ab. Die Fahrgastzahlen der Wiesentalbahn nahmen parallel zur Zunahme der Autos ab. Die Bahnlinie wurde abgespeckt und letztlich nur durch ein neues Konzept aufgefangen. Seit 2000 gehört die Strecke zu einem grenzüberschreitenden S-Bahn-Netz, der ersten trinationalen S-Bahn im Südwesten überhaupt, mit Anschluss in die Schweiz und in das Elsass.
Heute fahren komfortable Wagen der SBB
Am 8. August 2000 schlossen das Land Baden Württemberg, der Zweckverband Regio-S-Bahn und die Deutsche Bahn den Vertrag zum Ausbau der S-Bahn-Strecken, 2002 erhielten die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) nach einer Neuausschreibung den Zuschlag für den Betrieb, seit 2003 ist die SBB Deutschland für den Personenverkehr mit den Linien S 6 (Basel-Zell) und S 5 (Weil-Steinen/Schopfheim) zuständig. Bahnhöfe wurden modernisiert und „Flirt“-Niederflurfahrzeuge eingesetzt. Damit sind „flinke, leichte, innovative Regional-Triebzüge“ gemeint, mit Klimaanlage und Fahrgastinformationssystem und bis zu 160 Kilometer pro Stunde schnell. Die Züge fahren im 30-Minutentakt, zwischen Steinen und Stetten teilweise im Viertelstundentakt. Die Ergebnisse übertrafen alle Hoffnungen, die Fahrgastzahlen stiegen seit 2004 um fast 80 Prozent.
Die Wiesentalbahn feiert den 150. Geburtstag am Samstag, dem 22. September längs der ganzen Strecke. Vor dem Bahnhof Lörrach steigt von 10 bis 18 Uhr eine Geburtstagsparty. Den ganzen Tag über ist die Fahrt in der Bahn kostenlos, ein historischer Zug ET65 von 1933 ist im Einsatz.