Judo Europameister wehrt sich gegen Abzocke

Von Nathalie Mainka 

Roman Baur aus Leonberg verzichtet auf die Titelverteidigung bei den Senioren in Kroatien. Er ist mit Regeln der Organisatoren nicht einverstanden.

Die Europameisterschaft in  Kroatien findet ohne den Titelverteidiger statt Foto: privat
Die Europameisterschaft in Kroatien findet ohne den Titelverteidiger statt Foto: privat

Leonberg - Er ist amtierender Judo-Europameister in der Altersklasse der 45- bis 49-Jährigen bis 73 Kilogramm. Doch wenn Roman Baur vom 28. Juni an im kroatischen Porec seinen Titel verteidigen könnte, wird er nicht antreten. Er boykottiert diese Veranstaltung. „Damit möchte ich ein Zeichen setzen gegen die Abzocke im Veteranenjudo.“

Die Meisterschaften sind in diesem Jahr in ein Judofestival eingebunden, das am 20. Juni beginnt und insgesamt elf Tage dauert. Die europäische Judo Union (EJU) und der kroatische Judoverband haben aus organisatorischen Gründen eine Partnerschaft mit einer Touristik Agentur in Porec geschlossen. Mit Folgen für die Athleten. „Wir wurden dazu gezwungen, überteuerte und mäßig bewertete Hotels zu vorgeschriebenen Preisen für mindestens drei Nächte zu buchen“, sagt Roman Baur, der in Leonberg eine Judoschule betreibt. Wer sich nicht über den offiziellen Veranstalter eine Unterkunft suchte – was über das Internet weitaus günstiger wäre –, muss eine Gebühr von hundert Euro berappen. Das Startgeld für die Wettbewerbe haben die EJU und der kroatische Judoverband von 120 auf 125 Euro erhöht. Hinzu kommen die Kosten für den Shuttleservice vom Flughafen Zagreb bis Porec in Höhe von 50 Euro. „Bekanntlich wird ein Neun-Mann-Bus vollgemacht, somit werden daran auch noch einmal 400 Euro verdient“, sagt der 47-jährige Baur, der vermutet, dass das Festival mit diesen Geldern mitfinanziert wird.

Vor fünf Jahren in Prag habe die EJU das schon einmal versucht. „Damals war die Teilnehmerzahl um die Hälfte zurückgegangen.“ Auch dieses Mal hofft Baur auf solch einen Effekt. „Die Organisatoren sollen sehen, dass sie uns nicht so schröpfen können.“ Mit Athleten aus den Ländern Frankreich, Schweden, Deutschland und Serbien hatte er eine Online-Petition gestartet, um auf die überteuerten Kosten aufmerksam zu machen. Die Folge war, dass Sergey Soloveychik, der Präsident der europäischen Judo Union, ein offizielles Schreiben an die Präsidenten der EJU-Mitgliedsverbände und an die Athleten verschickte, mit dem Hinweis, dass an den finanziellen Regeln in diesem Jahr nicht zu rütteln sei. „Diese wurden eingeführt, damit die Veteranen und auch alle anderen Teilnehmer des Festivals von den Annehmlichkeiten wie Trainingscamp, speziellen Resort-Konditionen, Geschenken oder Unterhaltungsaktivitäten profitieren können“, lautete die schriftliche Erklärung des Präsidenten.

Dafür zeigt Roman Baur kein Verständnis. „Mit der Abzocke muss endlich mal Schluss ist. Wir Veteranen machen das aus Spaß und sind keinem mehr verpflichtet. Wir sind bereit, für unser Hobby Geld auszugeben, doch sollte es fair bleiben.“ Bei der Weltmeisterschaft biete die internationale Judo-Föderation beispielsweise auch Hotels an – allerdings Tophotels zu fairen Preisen, weiß Baur aus langjähriger Erfahrung. Ein wenig enttäuscht war der Leonberger, als er nach der Anmeldefrist auf die Meldeliste schaute – und viele derjenigen darauf sah, die mit ihm die Petition unterschrieben hatten. Doch Baur, dreifacher Europameister und aktueller Titelverteidiger, blieb konsequent und verzichtet auf einen Start. „Mir geht es ums Prinzip, wenn man sich nicht wehrt, werden sie das in Zukunft immer so machen.“