Eigentlich klingt alles ganz logisch. Katharina Menz wollte bei den Olympischen Spielen dabei sein – und reiste deshalb nach Tahiti. Dort, vor der Insel im Südpazifik, finden schließlich die Surf-Wettbewerbe der Spiele von Paris statt. Das Unlogische an der Sache: Die 33-Jährige aus Backnang ist gar keine Surferin, sondern Judoka. Dieser ganz besondere Umweg stellte sich schließlich dennoch als sinnvoll heraus.
Zweimal nämlich war ihr Traum von einer zweiten Olympia-Teilnahme zuvor schon geplatzt gewesen. Einmal hatte Katharina Menz ganz bewusst entschieden, es nicht noch einmal zu versuchen – und zwar gleich nach den Spielen von Tokio 2021. „Eigentlich hatte ich gesagt: Nach Tokio höre ich auf“, erinnert sich die Backnangerin an die Zeit vor rund drei Jahren. Schließlich hatte sie sich jahrelang aufgerieben im Leistungssport, gegen Widerstände gekämpft, sich mühsam nach oben gearbeitet, parallel studiert und zudem als Werkstudentin gearbeitet. „Es war nicht so, dass ich keine Lust mehr auf Judo gehabt hätte“, sagt sie, „aber ich konnte den Sport eben nicht wie ein Profi betreiben.“ Ein Blick in den Kalender stimmte sie dann um.
Weil die Spiele von Tokio wegen der Coronapandemie um ein Jahr verschoben worden waren, hatte der nächste olympische Zyklus nur noch drei Jahre – und Katharina Menz dachte sich: „Das könnte ich schon noch mal machen.“ Also ging sie weiter auf die Matte und in den Kraftraum. Fand zudem einen Arbeitgeber, der sie für 20 Stunden in der Woche anstellte und ihr Auszeiten für Lehrgänge und Wettkämpfe ermöglichte. Und siehe da: Paris 2024 war plötzlich ganz nah. Und dann wieder ganz weit weg.
Über zwei Jahre hinweg läuft im Judo die Qualifikationsphase. Bei der WM in Abu Dhabi Ende Mai wollte Katharina Menz alles klarmachen, ihre Weltranglistenposition bestätigen – und anschließend schon mal gedanklich den Koffer für Paris packen. „Nur wenn es richtig schlecht läuft, kann es noch schwierig werden“, hatte sie vor dem Turnier gesagt. Und dann lief es richtig schlecht.
Der Traum war schon geplatzt
Katharina Menz verlor in Runde eins, die weiteren Ergebnisse waren so, dass sie im Ranking nach der WM plötzlich raus war aus den Olympiaplätzen. „Ich hatte mich eigentlich schon damit abgefunden, dass es nicht klappt“, erzählt sie. Statt für die Spiele zu trainieren, fuhr sie nach Griechenland in den Urlaub. Wo sie dann von einer letzten Möglichkeit erfuhr, es doch noch nach Paris zu schaffen: auf Tahiti.
Dort fanden Anfang Juni die Oceania Open statt. Die Gelegenheit schien günstig, noch die nötigen Punkte zu sammeln. Die weite Reise hätte allerdings auch für die Katz sein können. „Es war eine große Anspannung“, gibt Katharina Menz zu. Doch sie hielt dem Druck stand, gewann das Turnier. Zwei Wochen musste sie danach abwarten, ob ihr dieser Sieg tatsächlich den Startplatz bringen würde – und durfte tatsächlich die Koffer packen. Nicht nur in Gedanken.
„Es war“, beschreibt die Judoka die vergangenen Wochen, „eine Achterbahnfahrt der Gefühle.“ Die nun in der französischen Hauptstadt endet, wo Katharina Menz gleich am ersten Tag nach der Eröffnungsfeier in der Klasse bis 48 Kilogramm auf die Matte geht. Und wo sie es besser machen will als vor drei Jahren in Tokio.
„Ich will noch einmal zeigen, dass ich es besser kann“, nennt die Vizeweltmeisterin von 2022 ihr Ziel. In Tokio unterlag sie schon in der ersten Runde der Chilenin Mary Dee Vargas. Diesmal will sie öfter kämpfen. Damit sich der Umweg über Tahiti auch so richtig gelohnt hat.