Jürgen Röber „Franz hat die Augen verdreht“

Mit Mut zum VfB-Sieg in München: Jürgen Röber hat es 1994 geschafft. Foto: dpa
Mit Mut zum VfB-Sieg in München: Jürgen Röber hat es 1994 geschafft. Foto: dpa

Stuttgart - Wenn der VfB am Sonntag beim FC Bayern spielt, stellt sich wieder die Frage aller Fragen: Wie gewinnt man in München? In der 50-jährigen Bundesliga-Geschichte ist es den Stuttgartern erst fünfmal gelungen. Nur fünfmal. Einer, der es geschafft hat, ist Jürgen Röber. Der 58-Jährige, von Dezember 1993 bis April 1995 VfB-Trainer, führte seine Mannschaft sogar in seinem ersten Pflichtspiel zum Sieg in München. Am 13. Februar 1994 gewann der VfB 3:1 im Olympiastadion. Die Tore erzielten Guido Buchwald, Fritz Walter und Andreas Buck.

Im Brustringer-Interview spricht Röber, der mittlerweile in Berlin lebt, über die Reaktion von Franz Beckenbauer auf den Sieg, seine damalige Erfolgstaktik, Sprüche von Gerhard Mayer-Vorfelder und warum ihm Carlos Dunga auf ewig dankbar ist.


Herr Röber, hat der VfB zu viel Respekt, wenn er in München antritt?
Nein. Alle wissen doch, dass die Partien bei den Bayern immer schwere Spiele sind. Und wenn dann die Medien sagen „Man hat sowieso keine Chance und fährt nur hin, um die Punkte nach München zu bringen“, ist das sogar eine besondere Motivation.

Wie erklären Sie sich dann diese schlechte Bilanz?
Die Bayern haben eben eine starke Mannschaft.

Wie haben Sie es 1994 geschafft, gleich in Ihrem ersten Spiel als VfB-Trainer in München zu gewinnen?
Nun, ich war ein junger Trainer ohne Respekt und habe meinen Mut bewiesen. Denn ich hatte mir gegen die Bayern eine für diese Zeit in Deutschland ungewöhnliche Taktik vorgenommen: ich habe mit Viererkette spielen lassen. Ich weiß noch, wie Guido Buchwald vor der Partie zu mir gekommen ist und mich gefragt hat: „Mensch Trainer, ob das wohl gut gehen wird?“ Danach habe ich dann zu ihm gesagt: „Siehst du Guido, ist doch gut gegangen.“ Der Sieg hat die Spieler dann auch wirklich von der Taktik überzeugt. Aber ich habe mit der Entscheidung auf jeden Fall einiges riskiert, denn wenn wir in München verloren hätten, wären sofort die Kritiker gekommen und hätten sich beschwert, wie man gegen die Bayern nur so spielen kann.

Warum haben Sie diese taktische Aufstellung gewählt?
Ich hatte schon während der Vorbereitung in der Winterpause gesehen, dass Carlos Dunga im Mittelfeld ein sehr offensives Pressing spielte und hinter ihm dadurch ein großes Loch klaffte. Ich habe dann Slobodan Dubajic vor die Abwehr gezogen und mit Thomas Berthold, Thomas Strunz, Michael Frontzeck und Guido Buchwald eine Viererkette gebildet. Das hat sehr gut geklappt. Die Vier waren genau die Leute, die ich dafür brauchte, schließlich waren sie alle gute Fußballer. Dann konnte ich so spielen, wie ich es immer wollte.

Und gleich die Bayern mit 3:1 besiegen.
Mit dieser Taktik habe ich Franz Beckenbauer sicher überrascht. Wenn wir uns danach wiedergesehen haben, hat der Franz immer die Augen verdreht. Denn auch später als Trainer von Berlin, Wolfsburg und Dortmund habe ich meine ersten Spiele gegen seine Bayern immer gewonnen. Ich war wohl so etwas wie sein Angstgegner.