Handball-Bundesligist TVB Stuttgart Jürgen Schweikardt: „Unserem Trainer sind alle im Verein wichtig“

Jürgen Schweikardt, Geschäftsführer des Handball-Bundesligisten TVB Stuttgart Foto: TVB Stuttgart/Jens Körner

Geschäftsführer Jürgen Schweikardt spricht über den Start des TVB Stuttgart, Trainer Misha Kaufmann, die geringe Zuschauerresonanz und die Rahmenbedingungen in Stuttgart.

Sport: Jürgen Frey (jüf)

Handball-Bundesligist TVB Stuttgart hat nach fünf Spielen 4:6 Punkte auf dem Konto und spielt an diesem Donnerstag (19 Uhr) beim VfL Gummersbach. Geschäftsführer Jürgen Schweikardt äußert sich zur aktuellen Lage.

 

Herr Schweikardt, haben Sie lange gebraucht, das 28:28 im Derby gegen Frisch Auf Göppingen zu verdauen?

Natürlich war ich über die letzte Szene unglücklich. Ich bin nicht der Meinung, dass man da Siebenmeter geben sollte, vor allem, wenn man sich die Videobilder anschaut. Für mich war das ein Freiwurf, und dann wäre das Spiel höchstwahrscheinlich 28:27 für uns ausgegangen, und ich wäre sehr glücklich gewesen.

Und so?

Bin ich immer noch ein bisschen enttäuscht. Aber uns fehlten ja durch die Verletzungen von Samuel Röthlisberger und Gianfranco Pribetic sowie die Rote Karte für Jonas Truchanovicius drei zentrale Deckungsspieler. Unter diesen Voraussetzungen bin ich zufrieden mit dem Punkt und auch stolz auf alle im Team, vor allem unsere Youngster.

Linus Schmid und Max Heydecke feierten ihr Bundesligadebüt.

Ja, und das in solch einem sehr bedeutenden und brisanten Derby. Dass das so schnell gehen würde, hätte ich nicht gedacht. Aber unser Chefcoach hat einfach den Mut, zwei 18-Jährige ins kalte Wasser zu werfen. Auch das bestätigt mich, dass Misha Kaufmann der absolut richtige Mann für uns ist.

Sie haben sich lange mit ihm beschäftigt, hat Sie nun irgendetwas an ihm überrascht?

Ganz besonders fällt mir auf, wie bemüht er ist, eine Gemeinschaft zu bilden. Damit meine ich nicht nur den Zusammenhalt rund um die erste Mannschaft. Ihm sind vielmehr alle wichtig, die den Verein nach vorne bringen wollen. Das betrifft die Geschäftsstelle, die Jugendabteilung, den Fan-Club, die Sponsoren. Misha hat den Blick nicht nur aufs Bundesligateam, sondern aufs große Ganze.

Trainer Misha Kaufmann Foto: TVB Stuttgart/Tom Weller

Die bisher erreichten 4:6 Punkte . . .

. . . sind okay, aber nicht optimal. Wir hätten die Spiele in Flensburg und gegen Frisch Auf ziehen können, dann hätten wir zwei Punkte mehr. Aber man sieht deutlich die Entwicklung, die wir vor allem im Angriff genommen haben.

Wer einen Punkt in Flensburg holt, kann am Donnerstag auch beim VfL Gummersbach bestehen – oder?

Puh, also Gummersbach ist für mich aktuell hinter dem SC Magdeburg die Nummer zwei in der Liga, ein absolutes Topteam. Unser Auswärtsprogramm mit Flensburg, Magdeburg, Gummersbach und dann Lemgo ist schon ein Brett.

Enttäuschend sind die bisherigen Zuschauerzahlen in der 6211 Besucher fassenden Porsche-Arena – 4023 gegen den HSV, 3741 gegen den Bergischen HC und nur 4126 im Derby. Wie erklären Sie sich das?

Für uns kommt das nicht überraschend. Wir hatten auch früher bei Spielen in den Sommerferien oder donnerstagabends, wenn nun mal alle aktiven Handballer bis hinunter zur Kreisliga trainieren, nicht mehr Zuschauer. Wir wussten, dass auch das Derby kein Selbstläufer wird. Zudem darf man nicht vergessen, dass in vielen anderen Hallen in der Liga über 4000 Besucher ein volles Haus bedeuten würden.

Aber zufrieden können Sie nicht sein, der Vorjahresschnitt lag bei 5050.

Man muss die ersten drei Spiele des Vorjahres als Vergleich heranziehen. Wir tun uns traditionell bis nach dem Volksfest auf dem Cannstatter Wasen schwer mit der Zuschauerresonanz. Die Erfahrung zeigt, dass ab Ende Oktober die Nachfrage stark zunimmt. Und eines darf man auch nicht vergessen.

Bitte.

Wir spielen erst seit 2022 in der Porsche-Arena. Wir hatten davor in der Scharrena, mit unseren Hardcore-Fans, einen Schnitt von gut 2000 Zuschauern. Wir haben es also inzwischen geschafft, die Besucherzahl zu verdoppeln. Wenn wir da in den nächsten Jahren nochmals 50 Prozent drauflegen, ist die Halle ausverkauft.

Manchen Fans stoßen die Getränkepreise in der Arena und die Parkplatzgebühr von acht Euro auf dem Wasen sauer auf.

Wenn Sie mich fragen, sind acht Euro für den Parkplatz auch zu viel. Doch leider haben wir darauf keinen Einfluss. Das fällt auf uns zurück, aber wir können nichts dafür. Das sind Entscheidungen der Stadt. Bei anderen Vereinen, zum Beispiel auch in Göppingen, herrschen andere Strukturen. Da bedeutet Umsatz in den Hallen praktisch gleich Gewinn. Das kann im sechsstelligen Bereich liegen, wir haben da genau null.

Zur Person

Karriere
Jürgen Schweikardt wurde am 23. April 1980 in Waiblingen geboren. Er begann mit sechs Jahren beim TV Bittenfeld mit Handball. Lediglich in der Saison 2001/02 spielte er kurzzeitig beim TV Kornwestheim. Seit 2008 ist der Diplom-Betriebswirt Geschäftsführer. Dreimal war er seitdem auch schon in einer Doppelrolle als Trainer tätig.

Persönliches
Jürgen Schweikardt ist verheiratet. Er hat die Zwillingssöhne Mika und Niko. Hobbys sind Golf, Tennis und Skifahren. (jüf)

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