Jugend forscht 2020 Naschen für die Wissenschaft

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Kulinarische Experimente, praktische Erfindungen und akribische Forschungen: 96 Nachwuchstüftler präsentieren beim Regionalwettbewerb Jugend forscht in der Sindelfinger Stadthalle ihre Arbeiten.

Katherina erfindet das Popcorn neu. Drei Abiturienten entwickeln ein Gewächshaus für die Stadtwohnung. Foto: factum/Jürgen Bach 6 Bilder
Katherina erfindet das Popcorn neu. Drei Abiturienten entwickeln ein Gewächshaus für die Stadtwohnung. Foto: factum/Jürgen Bach

Sindelfingen - Der Renner beim diesjährigen Regionalwettbewerb Jugend forscht: sonnengelbe Gummibärchen, die wunderbar nach Mango schmecken und garantiert vegan sind. Die Gelatine ersetzten die beiden Sindelfinger Aristidis Psaltiras und Matti Sabir von der Klostergartenschule durch das pflanzliche Geliermittel Agar-Agar. Beeindruckt vom Ergebnis waren nicht nur die Besucher der Schau, die eifrig die gelben Bärchen naschten, sondern auch die Jury, die die beiden Zehnjährigen für ihre Arbeit zum Regionalsieger bei den Jüngeren im Fachbereich Chemie kürte.

Auch ihre Klassenkameradin Katherina Lysenko hatte ein kulinarisches Thema gewählt: „Ich finde den Geschmack von Popcorn etwas langweilig. Deshalb habe ich untersucht, ob sich auch aus anderen Hülsenfrüchten Popcorn machen lässt“, berichtete die Zehnjährige. Getestet hatte sie zunächst Kichererbsen. „Doch die ploppen nicht auf“. Mit Quiona wurden die Ergebnisse schon besser. Doch Katherinas Favorit ist Popcorn aus russischem Buchweizen. Das Popcorn ist etwas kleiner als das aus Mais, schmeckt der Viertklässlerin aber deutlich besser.

96 Kinder und Jugendliche aus der gesamten Region Stuttgart haben sich in zwei Altersklassen mit 56 Projekten am Wettbewerb beteiligt. Nicht in allen sieben Fachbereichen konnten in diesem Jahr Preise vergeben werden. „Es gab viele tolle Projekte, aber einige sind noch in der Entwicklung, da hat es nicht für einen Preis gereicht“, sagte die Wettbewerbsleiterin Lia Hasenmaier. Die Forscher habe man aber ermutigt, weiterzuforschen und die Ergebnisse im kommenden Jahr erneut zu präsentieren.

Ein Gewächshaus für Stadtwohnungen

Für preiswürdig befand die Jury drei Abiturienten des Technischen Gymnasiums des Beruflichen Schulzentrums Leonberg. Tobias Nix, Christopher Rudolph und Nicholas König überzeugten mit ihrem Hydroponic Home System. Die Idee zur Entwicklung eines Gewächshauses für eine Stadtwohnung kam den Jugendlichen beim Lesen einer Statistik. „Im Jahr 2050 sollen 75 Prozent der Menschen in Großstädten leben“, sagt Nicholas König. „Da haben wir uns überlegt, wie sich diese Menschen ohne Garten eigenes Gemüse züchten können.“ Daraus entstand das komplett geschlossene Gewächshaus. Statt Erde werden Salat oder Kräuter in Substrat und Wasser großgezogen. Das Tolle an dem System: Es lässt sich komplett auch aus der Entfernung mit dem Mobiltelefon steuern. „Da können Sie beruhigt in den Urlaub fahren ohne dass sich jemand um die Pflanzen kümmern muss.“

Praktisch ist auch die Erfindung von anderen Leonberger Berufsschülern: Markus Amann, Tobias Belling und Laura Escher entwickelten einen intelligenten Einkaufswagen. Dieser hat im Korb eine Hebebühne, die sich per Mobiltelefon über eine Bluetoothverbindung heben und senken lässt. „So kann man beim Einkaufen bequem zum Beispiel eine schwere Sprudelkiste vom Stapel auf die Hebebühne heben, ohne sich den Rücken zu verrenken“, erklärt Laura Escher das Prinzip. Gedacht sei der Wagen vor allem für ältere und kranke Menschen. Der Prototyp sei noch nicht ganz fertig und müsse weiterentwickelt werden, sagen die Forscher.

Forschung für den Umweltschutz

Nicht nur neue Erfindungen oder Weiterentwicklungen bestehender Maschinen gab es zu sehen. Manche Teilnehmer haben auch einfach Spaß an Forschen. So wie Leonard Lang und Samuel Cluss vom Albert-Einstein-Gymnasium in Böblingen. Akribisch haben die Zehnjährigen untersucht, welche biologisch abbaubaren Plastiktüten am schnellsten kompostieren. Untersucht haben sie auch, welche Komposterde sich dafür am besten eignet. Monatelang haben sie in der Schule und im Kinderzimmer getüftelt. „Das hat unheimlich Spaß gemacht“, erzählen die beiden – sie wurden für ihren Eifer mit dem zweiten Platz im Fachbereich Biologie geehrt. Doch nicht alle Forschungsergebnisse waren für alle Besucher erfreulich: Lara Gericke und Ann-Kathrin Ostertag vom Otto-Hahn-Gymnasium testeten mit Reaktionstests die geistige Fitness. Das Ergebnis: Ab Mitte 50 nimmt diese ab.