Seien es die Grundschüler auf der einen, die Gymnasiasten auf der anderen Seite: Die Jungen und Mädchen, die ihre Forschungsergebnisse online präsentierten, haben allerhand auf dem Kasten. Im Land der Tüftler und Bastler scheint weiterhin eine Generation unterwegs zu sein, die es wissen will und Lust hat auf Experimente. Die nachfragt, forscht, bohrt, berechnet. Und das nicht einfach „Pi mal Daumen“, sondern präzise!
Der Nutzwert ist vielen Nachwuchsforschern wichtig
Apropos „Pi“. Der Gymnasiast Aditya Kumar hat mit dieser mathematischen Konstante Alltägliches berechnet, zum Beispiel einen Teil der Sindelfinger Innenstadt. Einen Altstadtrundgang hat der Pfiffikus auf eine Folie kopiert, sie auf den Boden geworfen und die Entfernungen berechnet – „mit dem Geodreieck und bis auf zwei Stellen hinterm Komma“. Seine Berechnungen ergaben 20,85 Kilometer, die er dann mit dem Fahrrad nachfuhr. Der Tacho zeigte hernach 22,3 Kilometer. „Also, das war schon sehr präzise“, sagt der junge Mann lächelnd. Während dem Laien da leicht Fragezeichen auf der Stirn stehen, dürften Berufs-Mathematiker weniger Probleme damit haben.
Aus vielen der eingereichten Ideen sticht hervor, das die Nachwuchsforscher den Nutzwert im Blick hatten. Michell Schulz und Lea Koch etwa wollten ein ökologisch nachhaltigeres Verpackungsmaterial als es Plastik ist. Also nahmen sie Kaffeesatz, filterten die Zellulose raus und behandelten ihn durch Veresterung mit Karbonsäuren, sodass daraus ein reißfester und zugleich biologisch abbaubarer Kunststoff entsteht. Wenn das dann überhaupt noch „Kunst“-Stoff ist. Die Arbeit der beiden jungen Frauen ist nur eine von vielen weiblichen Forschungsteams, die sich beim virtuellen Rundgang auf PC-Bildschirmen präsentierten.
Der Anteil der jungen Frauen ist erfreulich hoch
„Ja, der Mädchenanteil bei Jugend forscht liegt dieses Mal mit 44 Prozent enorm hoch“, konstatiert auch Lia Hasenmaier, die Wettbewerbsleiterin, erfreut. 1992 hat sie mit ihrer Schwester Xenia selbst erstmals an einem Wettbewerb teilgenommen und es mit „Mikrowellen kontra Mikroben“ bis in den Bundesentscheid gebracht. Dafür, dass der Forschernachwuchs weiter gedeiht, tut die 50-jährige Biologie- und Chemielehrerin am Böblinger Albert-Einstein-Gymnasium viel. Von ihren 22 Chemie-Leistungskurslern hätten zuletzt fünf 15 Punkte in der Abiprüfung erzielt, strahlt die Sindelfingerin. Über 100 Jungs und Mädels unterrichtet sie. Und wenn man sie so reden hört, tut sie das mit ungebrochener Begeisterung.
Kampf gegen Energieverschwendung und Mikroplastik
Von seinem Böblinger Otto-Hahn-Lehrer Werner Hasler enorm motiviert worden ist auch Florian Stupp. Seit 2019 ist der 17-jährige Gärtringer bei Jugend forscht dabei – mit bis zu drei Projekten. So hat sich Florian Stupp mit dem „Monitoring von Kältekreisläufen im Feld 2.0“ befasst. Die Kältemittelspezialisten von Bitzer in Sindelfingen haben ihm dabei geholfen, Fehlfunktionen in Kältekreisläufen in Supermärkten, Metzgereien oder bei der Kühlung von Blutkonserven so zu überwachen, dass kein umweltschädliches Kältemittel austreten kann. Beziehungsweise, dass Energie gespart und ein Anlagenausfall verhindert wird.
Außerdem hat sich der künftige Student der Mechatronik mit einem physikalisch-chemischen Verfahren zur Filterung von Mikroplastik befasst. Der Mensch nehme fünf Gramm davon pro Woche auf: „Das ist viel zu viel. Da könnten wir ja gleich eine Scheckkarte vespern“, sagt „Flo“ Stupp. Sein Herz schlägt für die Umwelt und den Klimaschutz. Dabei stört ihn, dass das Thema so oft mit Einschränkungen und Verzicht versehen wird. Er will dem lieber technische Lösungen entgegensetzen.
Fabian Then entwickelt intelligenten Bienenstock
Einer der jüngsten Pfiffikusse im Forscherfeld ist der zwölfjährige Fabian Then aus Lehenweiler. Der junge Hobbyimker mit der an Albert Einstein erinnernden Strubbelfrisur überwacht seine Bienenstöcke auf dem elterlichen Gartengrundstück in Althengstett mittels Sensoren und Warnmails auf den PC per Internetserver. Klopft ein Specht an die Behausungen, wird ein Alarm ausgelöst, sodass das Schnabeltier vertrieben wird, bevor es ein Loch hinterlässt. Nicht schlecht, Herr Specht, findet das die Universität Hohenheim per Anfrage. Bei „Schüler experimentieren“ bedeutete das den Regionalsieg in der Technik.
Jugend forscht: Fünf von zehn Siegerprojekten adeln Sindelfingen
Führende Technik
von den 36 eingereichten Projekten stammen zehn aus dem Bereich Technik, dann folgt die Chemie mit sieben Arbeiten, danach Physik, Biologie und Mathe mit je fünf.
Freude in der Patenstadt
In Sindelfingen, der Patenstadt von Jugend forscht, ist die Freude groß, dass die Hälfte der Siegerprojekte von örtlichen Schulen kommt.
Siegreich
Im Mathematik-Feld bekam Ritvij Singh vom Gymnasium Unterrieden einen ersten Preis. In Physik ging der Regionalpreis an Florian Stupp vom Böblinger Otto-Hahn-Gymnasium. Im Fachgebiet Technik siegreich ist Felix Buchta vom Stiftsgymnasium. Er hat im Jugendforschungszentrum ein „Bewegungstraining mit 3G“ für Rehapatienten entwickelt. Auch die „Stifts“-Schüler David Buchta und Aditya Kumar siegten in Physik beziehungsweise in Mathematik. In Chemie machten Jan Aufleger und Maja Streicher mit „buntem Feuer“ das Rennen.