Jugendarbeit in Filderstadt Das alte Z ist fast Geschichte

Die Tage des Filderstädter Jugendhauses Z sind gezählt. Auch der Radioactive Man muss weichen. Die Leiterin Rebecca Eisenreich ist schon etwas wehmütig. Foto: Caroline Holowiecki

Die Tage des Filderstädter Jugendhauses sind gezählt. Das 40 Jahre alte Gebäude wird bald abgerissen, danach wird ein Neubau entstehen. Diese Arbeiten werden allerdings Jahre dauern. Und in der Zwischenzeit?

Berlin hat die Berliner Mauer, Filderstadt hat den Radioactive Man. Groß und feuerrot und energiegeladen prangt die Comicfigur im Stil der Simpsons an einer Wand des Jugendhauses Z in Bernhausen. Noch. Bald jedoch wird der Radioactive Man atomisiert, denn die Wand, auf die das Bild vor vielen Jahren gepinselt wurde, wird dem Erdboden gleichgemacht. Das Z wird abgerissen, doch wenn das passiert, wollen viele Fans des Kinder-, Jugend- und Kulturzentrums eine Erinnerung an den Radioactive Man behalten – in Form eines Brockens aus dem Mauerwerk. „Von dem möchten viele ein Stück haben“, sagt Rebecca Eisenreich, die Leiterin der Einrichtung, und schaut hinauf zum Superhelden mit den geballten Fäusten und dem flatternden Umhang.

 

Abschiedsschmerz ist zu spüren im Z. Knapp über 40 Jahre ist der Flachbau alt. Dass er abgerissen werden soll, steht schon lang fest. Der bauliche Zustand und räumliche Defizite lassen keine wirtschaftliche Sanierung zu. Ein Neubau muss her, und bei dem werden Synergien gebildet. Errichtet wird ein modernes Kombigebäude, in dem auch die benachbarte Gotthard-Müller-Halle unterkommen soll. Das Kleinfeld in der 60er-Jahre-Sporthalle der Gemeinschaftsschule wird wegen der Raumnot in der Stadt durch eine Dreifeld-Halle ersetzt. Der Neubau in Holz- und Beton-Optik gilt mit Gesamtkosten von mehr als 35 Millionen Euro als aktuell teuerstes Bauprojekt der Stadt.

Doch vor dem Abriss steht das Kistenpacken. Das Z ist bereits für den offenen Betrieb geschlossen. „Jetzt stehen nur noch die Ferienbetreuung, Ferienangebote und – ganz groß – der Umzug auf dem Programm“, sagt Rebecca Eisenreich. Entsprechend sieht es bereits im Büro der vier Hauptamtlichen und der FSJler aus. Stapelweise leere Kartons lehnen an der Wand, allerhand Krimskrams steht herum. Es sind Dinge, die sich in vier Jahrzehnten in Schränken und Nischen gesammelt haben und nun durchgeschaut werden müssen. „Wir finden ganz viele Sachen, von denen wir gar nicht wussten, dass wir sie besitzen“, sagt Rebecca Eisenreich. So sei beispielsweise ein altes – und funktionstüchtiges – Floß aufgetaucht. Was nicht gebraucht wird, soll verschenkt werden, vorzugsweise an Personen und Vereine aus Filderstadt. Der Rest fliegt raus.

Zum Schulstart beginnt der Betrieb des Übergangsjugendhauses

Das Jugendhaus soll während der Bauzeit in die Räume der Kernzeitbetreuung der Gotthard-Müller-Schule in der La Souterrainer Straße ausweichen, die Kernzeitbetreuung wiederum zieht vorübergehend in die Fleinsbachschule. Spätestens zum Schulstart am 9. September soll der Betrieb im Übergangsjugendhaus starten. Möbel und Gerätschaften werden derweil in Containern neben der Gotthard-Müller-Schule, auf der Grünfläche direkt neben dem Lehrerparkplatz, zwischengelagert. Das Befüllen der ersten Boxen hat bereits begonnen, sagt Rebecca Eisenreich. Auch eine Werkstatt soll in einem Container unterkommen, damit Kreativangebote weitergeführt werden können. Nicht alles aber wird in der Interimszeit stattfinden können. Der Mittagstisch wird ausfallen, zudem gibt es im Zwischen-Z keinen Platz für den Proberaum. „Momentan haben wir hier mehr als zehn Bands, das ist sehr schade“, sagt sie, nicht alle hätten für die kommende Zeit Alternativen gefunden.

Vieles wird in den nächsten Monaten anders sein. Rebecca Eisenreich spricht davon, manche Angebote nach draußen zu verlegen, etwa auf Bolzplätze in der Stadt. Konzerte wiederum sollen in der Zwischenzeit ausweichen. Man stehe dafür in Kontakt mit der Alten Mühle in Bonlanden. Die 25-jährige Sozialarbeiterin blickt sich im verwinkelten Gebäude mit den vielen Fotos an den bunten Flurwänden und dem Radioactive Man um, während im Saal die Teilnehmer der Ferienbetreuung Lasagne schlemmen. „Wir mögen das Haus, weil es so verschachtelt ist“, sagt sie. Grundsätzlich aber überwiege die Vorfreude auf das, was kommt. Im Neubau werde es zwar keinen Billardtisch mehr geben, dafür aber etwa eine Jugendkulturbar, einen Partyraum und eine Digitalwerkstatt. „Wir haben es geschafft, alle unsere Wünsche durchzusetzen.“ Rebecca Eisenreich spricht von einer spannenden Zeit, die bevorstehe, und „wir sind voller Tatendrang, neue Dinge auszuprobieren“.

Wie ist der weitere Zeitplan?

Neubau-Startschuss
Der Abbruch des Jugendhauses Z und der Gotthard-Müller-Sporthalle in Bernhausen steht bevor. Laut der Filderstädter Hochbauamtsleiterin Petra Schumacher sollen die Arbeiten am 16. September beginnen und voraussichtlich am 30. November enden. Der Startschuss für den Neubau könnte demnach im März 2025 fallen. Fertigstellung nach derzeitigem Stand: etwa Mitte 2027. Das ist ein Dreivierteljahr später als ursprünglich geplant.

Abriss-Wochenende
Das Z ist bereits geschlossen, wird aber noch einmal geöffnet sein. Am 13. und 14. September findet das sogenannte Abriss-Wochenende statt. Für den Freitag ist eine große Party geplant. Am Samstag wird die Band „Alex im Westerland“ Hits der Toten Hosen und der Ärzte spielen. car

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