Jugendarbeit in Göppingen Aus der Traum vom großen Jugendtreff
Die Stadt Göppingen gibt die Pläne für einen Jugendtreff in der Poststraße auf. Deshalb geht es im Jugendtreff „Upstairs“ weiter.
Die Stadt Göppingen gibt die Pläne für einen Jugendtreff in der Poststraße auf. Deshalb geht es im Jugendtreff „Upstairs“ weiter.
„Viele Unsicherheiten“ stellte die Göppinger Stadträtin Hilde Huber (SPD) in der Sitzung des Göppinger Gemeinderatsausschusses für Soziales und Schulen angesichts der im Raum stehenden Kürzungen im sozialen Bereich durch den Landkreis fest. Auch die Stadt Göppingen ist in ihrer offenen Jugendarbeit, die auch von freien Trägern übernommen wird, davon betroffen. Und natürlich die Kinder und Jugendlichen, die über die wichtigen und wertvollen Angebote regelmäßig erreicht werden. Auch unter den Mitarbeitern „sind die Ängste und Sorgen groß“, so sagte es die Sozialdemokratin. „Wir wissen noch nicht um den künftigen Haushalt des Landkreises“, stellte auch der Erste Bürgermeister Johannes Heberle fest. Sicher sei: „Wir können eventuelle Ausfälle des Landkreises nicht auffangen und in die Bresche springen“. Gleichwohl gelte es, jetzt Entscheidungen zu treffen.
Eine Entscheidung, die die Ausschussmitglieder dem Gemeinderat empfehlen, ist, den beschlossenen neuen Jugendtreff in der Poststraße im ehemaligen „Piano Deininger“ gleich beim „Agnes“ nicht weiter zu verfolgen. Es hatte sich gezeigt, dass dort umfangreiche Investitionen zu tätigen wären. „Wir sind dort gut gestartet, können uns eine Weiterentwicklung aber derzeit nicht leisten“, stellte Anja Sauter, die Leiterin des Fachbereichs Bildung und Soziales, fest. Angesichts der finanziellen Lage auch der Stadt regte sich aber weder bei Huber noch bei ihren Kolleginnen und Kollegen großer Widerspruch, als sie dies zur Kenntnis nehmen mussten. „Es wäre optimal gewesen“, sagte Hilde Huber. Sie hatte zudem angesichts von nicht besetzten Stellen in der offenen Jugendarbeit angeregt, sich Gedanken darüber zu machen, wie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter „besser gehalten werden können“. Johannes Heberle informierte, dass „viele Stellen gut besetzt“ seien, es aber nach wie vor „einen Arbeitnehmer-Arbeitsmarkt in diesem Bereich“ gebe. Göppingen stehe aber im Vergleich mit anderen Kommunen gut da. Das „Upstairs“ in der Bleichstraße 12, vor zwei Jahren eröffnet, hat sich gut etabliert und wird wegen dem Aus für den Standort Poststraße nun weitergeführt werden. „Dort tagt regelmäßig das Jugendgremium“, so Sauter.
In Zukunft wird sich die Stadt auch in Jebenhausen engagieren. Dort hatte über 20 Jahre lang der Verein „Jebedaya“ (mit Hilfe eines städtischen Zuschusses) sehr erfolgreich offene Jugendarbeit angeboten. Er organisierte die Nachmittagsbetreuung für Grundschüler, Veranstaltungen von der Lesenacht bis zum Repaircafé und zahlreiche unterschiedliche soziale Projekte – dies in städtischen Räumen des „Freizi“ in der ehemaligen Waldeckschule und im angemieteten Jugendcafé Moccalino an der Boller Straße. Man erinnert sich: Vor zwei Jahren kam es bei Jebedaya intern zu Streitigkeiten und zur Bildung zweier Lager, die in einer regelrechten Schlammschlacht und sogar in einer juristischen Auseinandersetzung endeten. Nun steckt der Verein wieder in der Klemme: „Es ist uns trotz intensiver Bemühungen nicht gelungen, unsere offene Stelle, die für die Koordinierung der Aufgaben unserer Vereinsarbeit zuständig ist, neu zu besetzen“, informierte im Oktober Hans Steimle, der Vorsitzende von Jebedaya Kinder- und Jugendprojekte, die Stadtverwaltung. Der Verein werde deshalb zum Ende des Jahres seine Arbeit in der offenen Kinder- und Jugendarbeit beenden.
Vorläufig. „Sollten sich neue Entwicklungen ergeben und die Stadt Göppingen würde sich im Einvernehmen mit Jebedaya dazu entschließen, den Zuschuss wieder an den Verein zu übertragen, stünde dem nichts im Wege“, sagte Steimle weiter. Auf Anfrage teilte er mit, dass die juristische Auseinandersetzung Klarheit über die Vorstandsstreitigkeiten gebracht habe, dass in diesem Jahr wieder Aktivitäten stattfanden und dass auch für 2026 zu Aktionen eingeladen werde. Das Moccalino bleibe aber vorläufig geschlossen.
„In Jebenhausen ist etwas Gutes gewachsen. Das gilt es zu erhalten“, betonte Felix Gerber (CDU) und sieht die offene Kinder- und Jugendarbeit bei der Stadt in guten Händen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aber werden künftig noch mehr Aufgaben schultern müssen. Denn mehr Stellen wird es nicht geben. Im Gegenteil. Auch dieser Fachbereich wird aller Voraussicht nach Stellen streichen müssen.