Jugendarbeit in Stuttgart Spaß an Kreativität ohne Leistungsdruck

Von Petra Mostbacher-Dix 

Die KinderKunstTour hat ihre letzte Station erreicht: Im Werkstatthaus werden die dabei entstandenen Werke ausgestellt.

Im und rund um das Werkstatthaus ging am Freitag die KinderKunstTour der Jugendhäuser zu Ende. Foto: Petra Mostbacher-Dix
Im und rund um das Werkstatthaus ging am Freitag die KinderKunstTour der Jugendhäuser zu Ende. Foto: Petra Mostbacher-Dix

Stuttgart Ost -

Es ist ein wahres Paradies. Ein Schwan segelt elegant vor sich hin, ein anderer hebt die Flügel an – und ein Schwanenpaar trägt gar den Nachwuchs auf den Flügeln. Nicht weit davon entfernt stützt sich eine Robbe fröhlich auf ihren Flossen, während ein Hase seine Ohren wackeln lässt.

Lebendig kommt die Artenvielfalt daher. Allerdings besteht sie aus Ton, Holz und Keramik und thront auf einem Regal im ersten Stock des Werkstatthauses im Stuttgarter Osten: Die Kleinplastiken und Mobiles genauso wie die Siebdrucke, Radierungen, Schleuderbilder, Zeichnungen und Luminogramme – also Lichtmalereien – auf den gegenüberliegenden Wänden sind alle von Kindern erstellt worden. Sie sind das Ergebnis der KinderKunstTour, die vom 7. bis 17. Mai durch Stuttgart gereist ist. In dieser Zeit kamen verschiedene Kindereinrichtungen mit Kunstschaffenden in den Stuttgarter Stadtteilen zusammen, um auf sechs öffentlichen Plätzen Kunstaktionen für Sechs- bis Dreizehnjährige anzubieten.

Ferdi Federle und Dietmar Dawin gehen in Rente

Der Auftakt fand auf dem Heslacher Bihlplatz statt, organisiert vom Jugendhaus Heslach mit Kooperationspartnern. Die weiteren Stationen waren der Lukas-platz im Osten, der Marktplatz in Botnang, die Mittnachtstraße und die Killesberghöhe im Norden und schließlich eben das Werkstatthaus. Dort wurde denn nicht nur die Ausstellung mit einer Auswahl der Kinderkunst eröffnet, sondern gleich im Hof weitergemacht, Jungen und Mädchen kreierten Luminogramme oder malten mit fliegenden Farben.

Stets dabei: die Jugendhäuser vor Ort, das Spielmobil Mobifant sowie die „Experten“, der Naturforscher Dr. rer. nat. Dietmar Darwin mit seinem Adlatus Ferdi Federle – und ihrer Leidenschaft für „komische Vögel und andere Luftikusse“. Die beiden Kunstfiguren, welche die KinderKunstTour schon seit Jahren begleiten und die Kinder inspirieren, waren auch bei den Aktionen und der Vernissage im Werkstatthaus dabei. Und wie in jedem Jahr stellten sie mit ihren Namen und Charakteren das jeweilige Tour-Motto – in 2019 war es „Federleicht“ – dar. Es war ihr letzter Auftritt: Darwin und Federle, alias Gunther Zeller und Lotte Büchner-Flinspach, gehen in Rente, und wurden von den Kindern mit viel Hallo verabschiedet.

Seit zwei Jahrzehnten ist die KinderKunstTour unterwegs

Unter anderem auch von dem fünfjährigen Philipp, der einen Spiderman geformt hatte, sowie dem vierjährigen Mio, der im kommenden Jahr erstmals mitmalen möchte: „Einen Batman mache ich.“ Die achtjährige Maja hatte schon einen Vogel in Botnang kreiert – angeleitet von der Künstlerin Simone Leister. An diesem Tag sei alle Hände voll zu tun gewesen, erinnerte sie sich. „Fünf ganze Schulklassen standen plötzlich da“, erklärte sie auf hängendes Federvieh aus Holzstückchen und Flaum zeigend. „Das sind Flugtiere, die können auch die Kleinen machen, die noch nicht so fingerfertig sind“, sagt Leister. Je nach Interesse und Feinmotorik gebe es für jedes Kind Materialien, um irgendetwas entstehen zu lassen. Ziel sei, alle Teilnehmer anzuregen sich auszuprobieren. „Und: Über das Projekt kommt man auch mit den Eltern ins Gespräch“, sagt die Künstlerin.

Seit fast zwei Jahrzehnten ist die KinderKunstTour unterwegs in den Stadtquartieren jenseits der Innenstadt, um dem Nachwuchs die Möglichkeit zu geben, ihre Kreativität zu entdecken. „Die Jugendhäuser gehen in den öffentlichen Raum, um auch Angebote an Orte zu bringen, wo es sonst nicht so viele gibt“, sagt Ingrid Bauer, die Leiterin des Spielhauses Stuttgart. Sie koordiniert seit einigen Jahren die Tour. „Am Tag kommen an die 100 Kinder.“ Alexander Jöchl, der Leiter des Werkstatthauses ergänzt: „Es geht nicht um Bewertungen wie in der Schule, es geht nicht um gut oder schlecht, sondern vor allem geht es darum, Spaß zu haben, zu inspirieren und Mut zu machen, eigene Ideen umzusetzen – ganz ohne Zeit- und Leistungsdruck.“ Um jene Kinder zu erreichen, die sonst im Alltag kaum oder gar nicht mit Kunst in Kontakt kommen, will er künftig noch mehr Angebote in den Stuttgarter Osten bringen.

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