Jugendarbeit in Stuttgart Streetworker bei Partys mit von der Partie

Andrea Krombacher (li.) und Kollegin Veronika Laengrich im Gespräch mit Jugendlichen Foto:  

Von Mai bis September ist die Mobile Jugendarbeit an den Treffpunkten der Jugendlichen im Einsatz: nicht als Spaßverderber, sondern als Vermittler.

Die Respektlotsen, die seit Sommer 2020 Jugendliche an den Hotspots wie Höhenpark Killesberg, Max-Eyth-See oder Bismarckturm junge Menschen ansprechen und für gegenseitige Rücksichtnahme werben, haben Verstärkung bekommen: und zwar durch die Streetworker der Mobilen Jugendarbeit.

 

Seit Anfang Mai ist von Freitag bis Samstag ein Team mit vier Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von 20 bis 1 Uhr ebenfalls an den Hotspots, also an den Orten im Einsatz, an denen sich Jugendliche zum Feiern verabreden. Wo genau, das entscheidet das Team kurzfristig. „Wir informieren uns über Social-Media-Kanäle wie Instagram, wo die Parties gefeiert werden sollen und kommen dann dorthin“, sagt Andrea Krombacher, Diplomsozialarbeiterin bei der Mobilen Jugendarbeit. Freitag vor zwei Wochen waren sie und ihr Team bei einem Einsatz am Max-Eyth-See. Rund 450 Jugendliche hatten sich nach einem Aufruf über Instagram zum Feiern getroffen. Viele waren aus Pforzheim angereist: „Es war friedlich. Die Jugendlichen haben Musik gehört und getanzt“, sagt Krombacher.

Mit Sicherheitskonzept gegen Randal

Dass solche Treffen aber auch völlig aus dem Ruder laufen können, belegen die Ausschreitungen in der Stuttgarter City 2020, die als „Stuttgarter Krawallnacht“ bundesweit Negativschlagzeilen produzierten oder eine im vergangenen Sommer auf den sozialen Netzwerken beworbene Party im Höhenpark, bei der eine 18-Jährige vergewaltigt worden ist. Beides Ereignisse, die den Ruf nach mehr Sicherheit in der Stadt laut werden ließen und auf den die Stadtverwaltung mit einem Sicherheitskonzept reagiert hat. Integriert sind unter anderem Polizei, die Respektlotsen und eben die Streetworker der Mobilen Jugendarbeit. „Wir wollen bei den Treffen präsent sein, die Szenerie beobachten und wenn nötig handeln“, sagt Krombacher. Das kann dann der Fall sein, wenn Jugendliche betrunken sind oder ihnen selbst die Partystimmung zuviel wird. Krombacher: „Da wir immer samstags mit einem Bus unterwegs sind, können wir die Jugendlichen an diesen Tagen auch aus kritischen Situationen herausholen und sie im Bus zur Ruhe kommen lassen.“ Bei Gewaltsituationen wollen die Streetworker allerdings nicht eingreifen. „Da ist die Polizei gefragt, die über unsere Einsätze informiert ist mit der wir eng zusammenarbeiten“, stellt Krombacher fest.

Im Herbst werten die Streetworker ihre Ergebnisse aus

In dieser Partysaison ist das neue Projekt der Mobilen Jugendarbeit noch in der Erprobungsphase und soll bis Ende September fortgeführt werden. Die Auswertung der Protokolle, die nach jedem Einsatz geschrieben werden, soll dann im Herbst erfolgen. Dabei geht es laut Krombacher um die Frage, ob sich die Eventkultur etabliert. Analysiert werden soll, woher die Jugendlichen kommen, welche Konflikte es gab und was sie ausgelöst hat. „Das erfahren wir im Austausch mit den Jugendlichen“, sagt Krombacher. Viele Jugendliche würden das Gesprächsangebot der Streetworker gern annehmen. „Wenn jemand seine Ruhe haben möchte, respektieren wir das. Draußen sind wir Gast der Jugendlichen“, versichert Krombacher. Gern würde die Mobile Jugendarbeit noch weitere Teams einsetzen. Das scheitere aber an der engen Personaldecke.

Weitere Themen