Das Programm unter dem Motto „Politik, die sich was traut“ sieht vor, junge Menschen zu ermutigen, sich vor Ort politisch zu beteiligen. So sollen sie eine konkrete politische Frage auch tatsächlich gestalten. Das Thema wird in einem mehrstufigen Verfahren festgelegt. Zusätzlich werden die Kommunen durch Coaches darin unterstützt, ein langfristig für sie passendes Format der Jugendbeteiligung zu entwickeln. Ein Jugendgemeinderat werde dies wohl eher nicht sein, vermutet Barth. Dafür sei die Kommune mit ihren gut 11 000 Einwohnern zu klein. „Wir gehen jedoch ganz offen in den Prozess rein. Ich kann mir vieles vorstellen. Mal sehen, was sich entwickelt.“
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Erste punktuelle Ansätze für eine Jugendbeteiligung habe es bei den Kommunalwahlen 2014 und 2019 gegeben, erinnert Bürgeramtsleiterin Martina Steinacker an eine Podiumsdiskussion und Wahlwünsche, die Jugendliche dem Gemeinderat übergaben. Auch bei der Bürgermeisterwahl 2018 präsentierten sich die Kandidierenden eigens vor Denkendorfer Jugendlichen. Allerdings sei dies nicht in einen dauerhaften Austausch über Jugendthemen gemündet, bedauert Barth. Damals kooperierte man mit dem Kreisjugendring und dem von ihm getragenen Kinder- und Jugendzentrum Focus. „Mit dem Focus haben wir ein gutes Ohr für die Themen, die Jugendliche beschäftigen“, sagt der Bürgermeister. Dennoch wünscht er sich einen darüber hinaus gehenden regelmäßigen Austausch darüber, wie sich junge Menschen in Denkendorf die Gestaltung ihrer Lebenswirklichkeit vorstellen. Dieser soll mit dem Projekt in Gang kommen. Auch dabei ist der KJR Partner der Gemeinde. Steinacker kann sich aber durchaus vorstellen, dass weitere Kooperationen entstehen.
Thementage bilden den Auftakt
„Ich hätte mir als Jugendlicher selbst gewünscht, dass meine Interessen im Handeln der Kommune eine stärkere Rolle spielen“, erklärt Barth, warum er sich für die Jugendbeteiligung stark macht. Wenn man regelmäßig im Gespräch sei mit jungen Menschen am Ort, ließen sich die Beweggründe für kommunalpolitische Entscheidungen besser erklären.
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Ein erster Schritt werden nun vom Verein „Politik zum Anfassen“ moderierte Thementage sein, bei denen junge Menschen im Alter zwischen zwölf und 17 Jahren ihre Ideen, Vorschläge und Projekte einbringen und diskutieren. Im Anschluss sollen dann Politik und Verwaltung konkrete Vorschläge ausarbeiten, die wiederum von den Jugendlichen diskutiert und priorisiert werden. Am Ende stimmt schließlich der Gemeinderat in einer öffentlichen Ratssitzung ab und ein Vorschlag wird umgesetzt.
Gemeinde will von den Ideen profitieren
Das Projekt ist auf beiderseitigen Gewinn angelegt: Jugendliche sollen durch das Programm unter anderem lernen, wie politische Prozesse funktionieren und wie sie sich konkret einbringen und etwas bewirken können. Die Gemeinde kann von den Ideen der Jugendlichen, dem Austausch mit anderen Kommunen und der fachlichen Beratung profitieren. Steinacker wünscht sich, dass sich Jugendliche aus möglichst vielen verschiedenen Lebenssituationen und Altersgruppen beteiligen, damit sich eine breite Basis bildet. „Wir wollen nicht nur politisch interessierte Jugendliche erreichen, sondern auch solche, die ihr Lebensumfeld am Ort mitgestalten wollen“, ergänzt Barth. Auch wer sich nur für ein einzelnes Thema interessiere, sei willkommen.
Barth ist optimistisch: „Bei uns sind bereits Strukturen vorhanden, auf denen Nachhaltiges in Sachen Jugendbeteiligung aufgebaut werden kann.“ Dass die Gemeinde dabei durch die Förderung der Hertie-Stiftung professionell begleitet werde und auch von den Erfahrungen anderer Kommunen profitieren könne, sei ein großes Plus.