Jugendcafé Domino in Leinfelden-Echterdingen Was dieses Café so wichtig macht

Zum Domino-Team gehören nicht nur feste Mitarbeiter: (oben, von links) Philipp Henne und Deborah Müller, beide Studenten der Gemeindepädagogik und Sozialen Arbeit, sowie Jugendcafé-Leiter Jan-Thomas Wurster Foto: /Philipp Braitinger

Die Lebenswelt mancher Jugendlicher ist von Gewalt geprägt. Um ihnen Werte zu vermitteln, setzen die Mitarbeiter im Jugendcafé Domino auf langfristige Beziehungsarbeit. Nun wurde der Zuschuss der Stadt für die Einrichtung für weitere fünf Jahre bewilligt.

Polizei und Jugendarbeiter kennen den Trend: Die Welt mancher Jugendlicher ist gewalttätiger als noch vor einigen Jahren. Während einst bei Meinungsverschiedenheiten schlimmstenfalls die Fäuste flogen, wird inzwischen immer häufiger ein Messer gezückt. „Sie haben ihre eigene Lebenswelt, die auch von Gewalt geprägt ist. Das ist nicht von der Hand zu weisen“, sagt Jan-Thomas Wurster. Er leitet das Jugendcafé Domino an der Ecke Leinfelder und Hauptstraße in Echterdingen. Die Arbeit der Einrichtung scheint angesichts der Entwicklungen der vergangenen Jahre wichtiger denn je zu sein.

 

Das Jugendcafé ist Treffpunkt für 30 bis 40 Jugendliche pro Woche. Die meisten sind zwischen 12 und 15 Jahre alt, wie Wurster im jüngsten Sozialausschuss berichtete. Zu den beliebten Aktivitäten im Café gehörten ein Tischkicker und ein Boxsack. „Sie bringen sehr viel Energie mit“, sagte Wurster über die Besucher. Oft kommen die Jugendlichen aber auch nur, um es sich auf einem der Sofas mit Gleichaltrigen gemütlich zu machen und Musik zu hören. Neben dem regelmäßigen offenen Angebot werden auch besondere Aktionen wie Partys oder Aktivitäten während der Ferien angeboten. Es gibt Kreativangebote für Mädchen oder eine Übernachtung im Freien im Sommer. Zum Team gehören neben den festen Mitarbeitern – Jan-Thomas Wurster und seine Kollegin Anna-Lena Blaich – derzeit sechs weitere Mitarbeiter, darunter Praktikanten, Ehrenamtliche und Freiwilligendienstleistende.

Mittlerweile sei es gelungen, mehr Mädchen für einen Besuch im Café Domino zu gewinnen, berichtete Wurster. Während es früher überwiegend Jungen waren, die ins Café kamen, sei das Verhältnis inzwischen nahezu ausgeglichen. Die allermeisten Gäste besuchten kein Gymnasium. Viele hätten einen Migrationshintergrund, so der Leiter weiter. Auf der Homepage der Einrichtung heißt es, die Arbeit ist „bewusst diakonisch ausgerichtet und nimmt Jugendliche in den Blick, die aufgrund ihrer sozialen Herkunft oder anderer Lebensumstände Randgruppen unserer Gesellschaft angehören.“

Die Stadt bezuschusst die Arbeit des Jugendcafés, dessen Träger die evangelische Kirchengemeinde ist, finanziell. Während der Sitzung entschied das Gremium einstimmig, die Einrichtung bis Ende 2029 weiter zu unterstützen. In den kommenden Jahren beträgt der Zuschuss jeweils 78 000 Euro pro Jahr. Eine Entfristung des Zuschusses sei nicht sinnvoll, meinte Bürgermeister Carl-Gustav Kalbfell. Das Geld solle nicht einfach in den Haushalt eingestellt werden. Regelmäßige Berichte zur Arbeit des Jugendcafés seien wichtig. Neben der Arbeit im Jugendcafé unterstützen die zwei festen Mitarbeiter die Ludwig-Uhland-Schule während der Mittagspause und bei ergänzenden Angeboten. Außerdem macht Wurster in Zusammenarbeit mit dem Jugendbüro GO!ES eine sogenannte aufsuchende Jugendarbeit in der Stadt.

Neue Räume werden gesucht

Ob das Café an seinem jetzigen Ort eine Zukunft hat, ist ungewiss. Mit den Räumen ist der Träger nicht zufrieden. „Eine Dauerlösung ist dieses Gebäude nicht“, erklärte der Pfarrer Georg Nicolaus. Unter anderem seien die Zuschnitte der Räume ungünstig. Es gebe derzeit keine Rückzugsorte. „Wir müssen einen Platz finden, der für unsere spezielle Arbeit geeignet ist“, meinte er.

Ob die Suche nach einer neuen Heimat rasch begonnen werden sollte, darüber gingen die Meinungen allerdings auseinander. „So schlecht ist die Lage nicht“, sagte Bürgermeister Kalbfell. Immerhin seien die Besucherzahlen gestiegen, was auch mit der verkehrsgünstigen Lage des Standortes zusammenhängen könnte.

Dass es sich lohnt, die Arbeit fortzusetzen und mit städtischen Mitteln zu unterstützen, darin sind sich Stadt, Kirche und Jugendarbeiter jedoch einig. Mit der Beziehungsarbeit könne den Jugendlichen vieles vermittelt werden, ist Jan-Thomas Wurster überzeugt. „Man braucht einen langen Atem. Es bleibt aber etwas hängen“, sagt er. So lernten die Besucher des Jugendcafés beispielsweise, sich an Regeln wie eine gewaltfreie Konfliktlösung oder das Vermeiden von Kraftausdrücken beim Besuch der Einrichtung zu halten.

Formen der Männlichkeit

Öffnungszeiten
Das Café Domino hat immer montags, mittwochs und freitags geöffnet. Am Montag und Dienstag ist von 17 bis 20 Uhr, am Freitag von 17 bis 22 Uhr offen. Es gibt regelmäßig Ferienangebote und die inhaltliche Arbeit zu Themen wie Politik, Formen von Männlichkeit oder Mediennutzung

Offenes Angebot
Wer zwischen 12 und 18 Jahre alt ist und das Jugendcafé Domino besuchen möchte, kann zu den genannten Öffnungszeiten an die Ecke Leinfelder und Hauptstraße in Echterdingen kommen. Es gibt die Möglichkeit sich mit Gleichaltrigen und den Mitarbeitern der Einrichtung auszutauschen.

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