Jugendcamp in Stuttgart-Feuerbach Umbau des Jugendhauses beginnt im Frühjahr

Von Georg Friedel 

Das Camp Feuerbach wird für 3,2 Millionen Euro saniert und zu einem Kinder- und Jugendhaus ausgebaut. In den kommenden Wochen soll das Baugesuch eingereicht werden. Der ursprünglich für Rucksacktouristen gebaute Jugendtreff wird teilweise neu gebaut.

Das Haus auf der Mauer: Das Camp in Feuerbach wurde Anfang der 1990er Jahre von Architekt Peter Hübner  gebaut. Die Mauer, die hier links und rechts unter dem Holzaufbau sichtbar wird, steht exakt auf dem Rand eines kreisförmigen Regenrückhaltebeckens. Foto:  
Das Haus auf der Mauer: Das Camp in Feuerbach wurde Anfang der 1990er Jahre von Architekt Peter Hübner gebaut. Die Mauer, die hier links und rechts unter dem Holzaufbau sichtbar wird, steht exakt auf dem Rand eines kreisförmigen Regenrückhaltebeckens. Foto:  

Feuerbach - Die Sanierung und Erweiterung des Jugendtreffs Camp Feuerbach zu einem Kinder- und Jugendhaus an der Wiener Straße 317 kann bald starten. „Ich war schon einmal vor etwa drei Jahren wegen dem Jugendcamp hier im Bezirksbeirat“, sagte der Geschäftsführer der Jugendhausgesellschaft Sieghard Kelle in der vergangenen Sitzung den Mitgliedern des Gremiums. Damals sei noch über das Projekt geredet worden: „Jetzt ist es soweit“, betonte er. Das Baugesuch soll in den kommenden Wochen bei der Stadt eingereicht werden, bereits in diesem Winter und Frühjahr könnten dann die ersten Arbeiten am Haus beginnen. „Wir hoffen und planen, im Herbst 2020 fertig zu sein“, so Kelle.

Ein Teil wird neu gebaut, der Rest grundlegend saniert

Ein Teil des Gebäudes soll abgerissen und erneuert werden, der Rest wird grundlegend saniert. Im südwestlichen Teil des ringförmigen Camps wird das Jugendhaus untergebracht. Im östlichen Teil ist der Bereich für die Kinder geplant, dieser Gebäudeteil wird in Richtung Stadtbahnhaltestelle geöffnet. Das Kinderhaus bekommt dadurch einen eigenen Eingang, neben einem separaten Teil gibt es auch Räume, die Kinder und Jugendliche gemeinsam nutzen können. Bereits vor Jahren habe man beschlossen, die beiden Einrichtungen zusammenzuführen, so Kelle.

Der Kinderbereich im Jugendcamp soll in Zukunft das Angebot des städtischen Kinderhauses an der Mühlstraße 2a ersetzen. Die Kooperation des Kinderhauses mit der Bachschule werde auch am künftigen Standort weitergeführt, betonte der Geschäftsführer der Jugendhaus-Gesellschaft. Dass der Weg zum Sportpark für die Bachschul-Kinder weiter als bisher ist, sieht Kelle nicht als Problem. Die Kosten für das Gesamtprojekt liegen bei rund 3,2 Millionen Euro. Übernachtungen sollen in dem Gebäude auch weiterhin möglich sein.

Das Haus steht auf der Mauer eines Regenrückhaltebeckens

Die Architekten Heiner Wolfsberger und Lukas Brenner präsentierten die neuen Pläne. Der Entwurf für den Umbau stammt vom Architektenbüro plus+ bauplanung GmbH. Die runde Form des Camps soll erhalten bleiben. Das Gebäude hatte Peter Hübner, von dem auch das Stammheimer Jugendhaus stammt, 1993/1994 entworfen und ursprünglich als Sommercamp für junge Rucksacktouristen konzipiert. Dabei machte er sich eine Besonderheit des Untergrundes zunutze. Das Gebäude steht nämlich auf einem Regenrückhaltebecken. Hübner verwendete den äußeren Rand des Wasserspeichers als Fundament für die Mauer, auf die er sein ringförmiges Camp aus Holz darüber baute. Heutzutage würde diese Konstruktion wohl nicht mehr genehmigt werden, sie hat aber Bestandschutz. „Wir bleiben auf dem Ring“, betonten die Architekten.

Eine grundlegende Sanierung ist auch deshalb notwendig, weil das Gebäude im Winter auskühlt, durch die Holzritzen zieht es gewaltig. Eine Eigenart der Hübnerschen Bauart war, dass er für seine Jugendhäuser oftmals ausrangierte Baumaterialien verwendete, die auf anderen Baustellen übriggeblieben waren. Also Baustoff-Recycling im besten Sinn. Doch dieser Ansatz lässt sich kaum mit den heutigen Gesetzen des Energiesparens vereinbaren. In den Feuerbacher Jugendtreff ließ Hübner beispielsweise 300 sogenannte Fensterleichen einsetzen. Die unterschiedlich zugeschnittenen Scheiben bekam er kostenlos von umliegenden Glasereien zur Verfügung gestellt.

Anfassarchitektur und Partizipation beim Bauen

Der „Meister unordentlicher Häuser“, wie Peter Hübner 1992 in einem Artikel der „Zeit“ betitelt und wegen seiner „Anfassarchitektur“ gefeiert wurde, beteiligte in der Regel auch die Bewohner seiner Häuser am Entstehungsprozess. Diesen „partizipativen Ansatz“ habe man auch bei diesem Projekt aufgegriffen, sagt Architekt Lukas Brenner vom Büro „plus+ bauplanung“ aus Neckartenzlingen: Im Januar 2016 wurde mit Kindern, Jugendlichen und pädagogischen Mitarbeiter ein zweitägiger Workshop im Jugendcamp veranstaltet. Peter Hübner und eine Reihe weiterer Architekten schlüpften in die Rolle des Sozialarbeiters und wollten von den Kindern und Jugendlichen zunächst einmal wissen: „Was wollt ihr denn in dem Gebäude haben und wie soll es aussehen?“ Letztere sammelten Wünsche, Ideen und Vorschläge und entwickelten vier Modelle für das spätere Haus und die Außenanlagen. Erst auf dieser Grundlage begaben sich die Planer dann an den Computer und ans Reißbrett.

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