Der Jugendfarm-Verein Elsental bekommt Geld für einen Neubau. Bis dahin ist es ein weiter Weg gewesen, und nicht alles verlief wie geplant.

Filderzeitung: Alexandra Kratz (atz)

Kaltental - Ein gewisser Charme ist dem alten Farmhaus auf der Jugendfarm Elsental nicht abzusprechen. Das dunkle Holz, das lang gezogene Dach und die vielen kleinen Fenster lassen einen an Behaglichkeit nach Abenteuern in der rauen Natur denken. Und eigentlich ist das ja auch der Sinn, nur das Haus ist mittlerweile so marode, dass an eine Sanierung nicht mehr zu denken ist.

„Es gibt keine richtige Dämmung, es regnet rein, die Elektrik und die Heizung sind völlig unzureichend und Nager haben sich eingenistet“, zählt Sabine Boehm einige Punkte auf. Sie liebt dieses Haus und verbindet viele Erinnerungen damit. Es ist ein alter Schafstall, der nach dem Zweiten Weltkrieg, als das Wohnhaus im Elsental abgebrannt war, selbst als Wohnhaus diente. Dort lebten Thyra und Edgar Boehm, die Gründer der ersten Jugendfarm Deutschlands. Sabine Boehm ist die Schwiegertochter. Ihr Mann wurde einst dort geboren, wo heute die Sattelkammer ist. Sie selbst hatte viele Jahre ihr Arbeitszimmer unter dem Dach.

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Eine zweite Kita-Gruppe gibt es nicht

Sabine Boehm gehört zum hauptamtlichen Team im Elsental und führt an diesem Nachmittag durch das alte Farmhaus. Neben der Sattelkammer beherbergt es noch die Futtervorräte für die Pferde. Hell erleuchtet ist die Töpferveranda. Dort lassen die Schulkinder ihrer Kreativität freien Lauf. In der kalten Jahreszeit wird sie jedoch mittags von den Kindergartenkindern genutzt. Ansonsten gibt es noch ein kleine Küche, einen Sanitärraum und ein Mitarbeiterzimmer. Die verschiedenen Gebäudeteile kamen über die Jahre hinzu, es wurde einfach immer wieder angebaut. „Eigentlich wird alles nur noch von ein paar alten Brettern und viel Liebe zusammengehalten“, sagt Sabine Boehm.

Im Zuge der Haushaltsberatungen hat der Gemeinderat um den Jahreswechsel 472 ­000 Euro für ein neues Farmhaus genehmigt. Ursprünglich geplant war, dort auch eine zweite Kindergartengruppe unterzubringen. Doch das ist aus baurechtlichen Gründen nicht möglich. Darum gibt es nun nur ein neues Farmhaus, in dem lediglich 50 Quadratmeter für die bestehende Kita-Gruppe eingeplant werden.

Auch ein neues Gartenhaus ist geplant

Die Abstimmung mit den verschiedenen städtischen Ämtern sei ein langwieriger Prozess gewesen, räumt Sabine Boehm ein. Nun ist sie froh, dass es endlich geklappt hat. Das Team habe Sorge gehabt, dass der Gemeinderat seine Zustimmung von der zweiten Kindergartengruppe abhängig macht, die es ja nun nicht geben darf. Das neue Farmhaus hat in etwa das Raumprogramm wie das alte. Hinzu kommt aber ein „Denkraum“, wie Sabine Boehm es nennt. Das ist ein großer, heller Mehrzweckraum, in dem unter anderem Seminare stattfinden können. Er soll aber auch von Grundschulkindern für den Mittagstisch und die Ferienbetreuung genutzt werden. Und es soll eine kleine Mitarbeiterwohnung geben, in der man sich dauerhaft wohlfühlen kann und von der aus man immer einen Blick auf die Pferde hat.

25 Prozent der Kosten für das neue Farmhaus werden von dem Jugendfarm-Verein selbst getragen. Weil das Farmteam das neue Farmhaus bereits seit 2016 plant, sind schon einige Rücklagen und Spenden zusammengekommen. „Die Finanzierung steht aber noch nicht 100-prozentig. Wir hoffen noch auf Stiftungen“, sagt Rochus Zimmermann, der ebenfalls hauptamtlich auf der Farm arbeitet. Sobald man die Baugenehmigung habe, wolle man auf Stiftungen zugehen.

Bevor dann aber im kommenden Jahr das neue Farmhaus hoffentlich gebaut wird, soll in diesem Jahr ein neues Gartenhaus entstehen. Kostenpunkt: etwa 90 000 Euro. Das alte Gartenhaus ist mittlerweile so marode, dass gar ein kleiner Baum durchs Dach wächst.

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