Jugendfarm in Stuttgart-Botnang Nähe in Zeiten von Corona

Von Susanne Müller-Baji 

Die Robinson-Jugendfarm am Buberlesbach überbrückt die Zwangspause mit zwei neuen Angeboten.

Kathrin Vogl, die Jufa-Zeitung und der eine oder andere Farmbewohner. Foto: Susanne Müller-Baji
Kathrin Vogl, die Jufa-Zeitung und der eine oder andere Farmbewohner. Foto: Susanne Müller-Baji

Stuttgart-Botnang - Krise ist ein produktiver Zustand. Man muss ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen.“ Das Zitat stammt von Schriftsteller Max Frisch, aber es passt in die Pandemie-Zeit und wird am Buberlesbach bestens umgesetzt. Denn auch die Robinson-Jugendfarm ist derzeit zwangsweise geschlossen; ihren Nutzern bleibt sie trotzdem nahe: Mit der „Jufa-Zeitung“ und dem „telefonischen Plauderstündchen“.

Gleich mit Beginn der Ausgangsbeschränkungen kam die Zeitung: Immer zum Wochenende werden die Neuigkeiten als E-Mail-Anhang zu den Farmkindern geschickt – und zu denen, die es werden wollen. „Den Samstag haben wir deshalb gewählt, weil wir nicht in Konkurrenz mit den Schulaufgaben treten wollen“, sagt die Jugendfarmleiterin Kathrin Vogl. Eine nette Idee: Die Kinder-Zeitung bietet neben einem Lagebericht von der Jugendfarm auch ein Rätsel und wird ausgedruckt zum Gegenstück des Wochenendteils der „großen“ Zeitungen: Lesen und rätseln – Zeit dazu hat man ja und vielleicht wird sogar ein eigenes kleines Wochenendritual daraus.

Und das Blatt bietet auch noch weitere Anregungen: So hat das Jufa-Team in jeder der bislang fünf Ausgaben in der Rubrik „Bei Dir piept’s doch?!“ einen heimischen Singvogel vorgestellt, nach dem man bei Spaziergängen Ausschau halten kann. So bringt die Zeitung ein wenig Abwechslung in den Isolationsalltag und hilft gleichzeitig, mit der Ziege Lotta und all den anderen Farmbewohnern in Kontakt zu bleiben, die man seit dem 16. März nur noch von weitem betrachten kann. Wer die „Jufa-Zeitung“ beziehen möchte, kann sich einfach über den Link auf dem Internetauftritt www.jufa-botnang.de in den Verteiler aufnehmen lassen.

Über die Sorgen sprechen können

Auch das Jufa-Veranstaltungsjahr bringt Corona durcheinander: Gerade wurde das Farmfest im Mai abgesagt. Kath­rin Vogl und ihr Team hoffen, dass wenigstens das traditionelle Apfelfest im Herbst stattfinden kann, doch selbst das scheint zunehmend ungewiss: „Ich glaube nicht, dass die Leute dann schon Lust auf größere Feste haben werden“, sagt die Leiterin. Also versucht man, das Beste aus der Ungewissheit zu machen, nutzt die Zwangspause für nötige Reparaturen und sichtet Themen für die nächste Zeitungsausgabe – in der es unter anderem um „Frau Huhn trägt Jeansjacke“ gehen soll, wie Vogl geheimnisvoll ankündigt.

Weil die Beschränkungen wohl noch andauern werden, gibt es seit einer Woche außerdem das so genannte „telefonische Plauderstündchen“: Montags bis freitags von 14 bis 15 Uhr können die Kinder ihrer Jugendfarm zumindest telefonisch nahe sein und unter der Nummer 69 81 15 ein wenig über ihren neuen, veränderten Alltag plaudern. Ein niederschwelliges Angebot, das durchaus einen ernsteren Hintergrund hat: Die Isolation und die Konzen­tration auf die Familie allein zehrt an den Nerven. Da kann es helfen, ab und zu mit einem Außenstehenden über seine Sorgen zu sprechen.

Ob nun Lagerkoller, Stress in der Familie oder weil man die Großeltern so sehr vermisst – bei diesem neuen Angebot der Jugendfarm gilt: „Was am Telefon besprochen wird, bleibt unter uns“, sagt Vogl. Manchmal reiche es schon, etwas Dampf abzulassen. Falls aber nicht, vermitteln sie und ihre Mitarbeiter auch gerne Hilfestellungen. Anrufen darf aber natürlich auch, wer einfach nur wissen will, wie es zum Beispiel dem Lieblingskaninchen im Jufa-„Hasenhaus“ geht oder den beiden Laufenten. Und falls mal kein Durchkommen sein sollte oder die Zeit unpassend ist, kann man auch einfach eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter hinterlassen. Das Jufa-Team ruft zurück.

Nachgehakt zum Schluss: Und was hat es nun mit dem modischen Huhn auf sich? Eine der Jufa-Hennen muss derzeit verletzungsbedingt einen textilen Rückenschutz tragen, von Farmeltern aus einer abgelegten Jeans geschneidert. Mehr Infos gibt es in der Jufa-Zeitung.




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