Jugendhäuser im Strohgäu Ein geschützter Ort mit vielen Möglichkeiten

Von Stefanie Köhler 

Sport, Spiel und Spaß, Bildung und Beteiligung: Die offene Jugendarbeit spielt in Hemmingen und Ditzingen eine wichtige Rolle. Viele der jungen Erwachsenen bringen etliche Defizite mit. Das wirkt sich mitunter auf den Alltag im Jugendtreff aus.

Der Sozialpädagoge Jens Konnerth (Zweiter von rechts) hat für die jungen Hemminger  immer ein offenes Ohr. Foto: factum/Andreas Weise
Der Sozialpädagoge Jens Konnerth (Zweiter von rechts) hat für die jungen Hemminger immer ein offenes Ohr. Foto: factum/Andreas Weise

Strohgäu - Zum Beispiel Simon. Der Schüler – er könnte auch Finn, Leon oder Max heißen – besucht gern das Kinder- und Jugendhaus Astergarten im Hemminger Industriegebiet. Dort trifft er Freunde, spielt Computer, hört Musik, hängt mit einer Cola in der Hand ab – oder redet sich seinen Frust von der Seele. Wie dies zahlreiche seiner Altersgenossen tun. Die sogenannte Einzelfallhilfe ist in Jugendhäusern ein wichtiger Bestandteil bei Problemen. Auch in Hemmingen. „Während des Regelbetriebs führen wir viele Beratungsgespräche“, sagt der Sozialarbeiter Jens Konnerth. Etwa vier Fünftel der Besucher nutzten die verschiedenen Hilfsangebote.

Jugendarbeit ist Beziehungsarbeit

Die Probleme der jungen Leute seien vielfältig, der Bedarf sei hoch – und bleibe es weiter, prognostiziert Jens Konnerth. „Nach wie vor besuchen wir Kinder und Jugendliche gelegentlich auch zuhause, um eventuell mit den Eltern Lösungen zu finden.“ Neben Problemen in der Familie haben die Heranwachsenden Schwierigkeiten mit Freunden – etwa in Form von gewalttätigen Streits – oder in der Schule. Manche haben zu wenig Geld, andere keine richtige Wohnung, wieder andere brauchen Hilfe bei Bewerbungen oder erst mal Orientierung bei der Berufswahl.

Egal, welche Rolle die vier Mitarbeiter im Astergarten haben – Zuhörer, Problemlöser, Unterhalter, Mitspieler: „Für unsere Arbeit ist die Beziehungsarbeit grundlegend“, sagt Jens Konnerth. Das Fundament einer „tragbaren, wechselseitigen und zukunftsorientierten“ Beziehung sei eine offene Haltung gegenüber allen Besuchern. Man müsse ihnen und ihrer Lebenswelt unvoreingenommen begegnen. Dann sei ein auf Vertrauen basierender Prozess möglich, „in dem wir für unsere Besucher individuelle Entwicklungsziele setzen können“.

Spielgeräte werden zerstört

Dass Jens Konnerth und sein Team viel richtig machen, zeigt nicht nur der Blick auf die Besucherzahlen. Voriges Jahr kamen mehr als 2800 Jugendliche in den Astergarten, 2017 waren es sogar rund 3100 Jugendliche. „Dass sich so viele Besucher über ihre Gefühle, Probleme und sogar Straftaten bei uns äußern, liegt fast ausschließlich an der guten Beziehungsarbeit und dem dadurch entstandenen Vertrauen“, meint Jens Konnerths Kollege Gregor Adam.

Inzwischen wurde das Personal um einen Studenten aufgestockt, sodass es im Jugendhaus nun knapp 1,9 Stellen gibt. Bisher waren es 1,5 Stellen. In die offene und mobile Jugendarbeit investiert Hemmingen jedes Jahr rund 128.000 Euro. Für Reparaturen – zum Beispiel sind Wände feucht – sind im Haushalt zudem gut 41.000 Euro eingestellt. Mit einem Alter von mehr als 35 Jahren ist der Astergarten eines der ältesten Jugendhäuser im Kreis Ludwigsburg.

Doch manchmal gehen die jungen Leute auch nicht sorgsam genug mit den Räumen oder Materialien um und zerstören zum Beispiel Spielgeräte, die sie eigentlich mögen. Jens Konnerth formuliert es so: „Der verantwortungs- und rücksichtsvolle Umgang miteinander, mit unserem Gebäude, mit Spielen und Einrichtungsgegenständen wird nach wie vor Schwerpunktthema unserer offenen Angebote bleiben.“ Die Mehrheit der Besucher zeige dafür oft wenig Bewusstsein. „Hier besteht großer Handlungsbedarf“, stellt der Sozialpädagoge fest. Gregor Adam fügt hinzu: Vielen falle es leicht, jemanden zu beleidigen – „aber selber mit Ausdrücken umzugehen, ist schwierig“.

Selbstverwaltung fällt schwer

Das erschwert zugleich die Selbstverwaltung: Die Sozialpädagogen öffnen Theken- und Mitarbeiterbereiche, damit die Besucher selbstverantwortlich handeln. Wegen der „vielen schwierigen Kindern“ sei das aber ein langwieriger Prozess, verbunden mit Rückschlägen, sagt Konnerth: „Kaum jemand der über 18-Jährigen ist in der Lage, dauerhaft und zuverlässig eine entsprechende Verantwortung zu übernehmen und sich im Zweifelsfall auch gegenüber anderen Besuchern zu behaupten.“ Also versucht das Team, jüngere „Talente“ zu fördern, damit diese mal Verantwortung im Jugendhaus-Betrieb tragen.

Im Jugendtreff 2-gether in Ditzingen-Hirschlanden indes motiviert die Besucher das ihnen geschenkte Vertrauen. „Vandalismus spielt keine Rolle“, sagt der Stadtjugendpfleger Tristan Scherrer. Eine wichtige Rolle könnte dabei die lange Verweildauer einer festen Gruppe von Stammbesuchern spielen. „Dadurch entstanden tragfähige Beziehungen zu den Mitarbeitern und eine enge Bindung an die Einrichtung.“ Insgesamt laufe die offene Jugendarbeit in den drei Treffs im Stadtgebiet „verlässlich“. Sie ist der Stadt im Jahr gut eine halbe Million Euro Wert.