Jugendhaus Komma in Esslingen Eine Bühne fürs Experiment

Leiter Jörg Freitag im Jugendhaus Komma. Foto: Heinz Heiss
Leiter Jörg Freitag im Jugendhaus Komma. Foto: Heinz Heiss

Jörg Freitag ist im Jugendhaus Komma in Esslingen für Populärkultur zuständig. Neben namhaften Bands, die er nach Esslingen holt, möchte er vor allem in der Region junge Bands fördern. Der Erfolg gibt ihm recht.

Wochenendbeilage : Ingmar Volkmann (ivo)
WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Stuttgart - Esslingen ist das schönere Stuttgart. Zu diesem Schluss kommt man ­spätestens, wenn man nach der Betrachtung des herrlichen Fachwerkkitsches in der Innenstadt der Zwiebelstadt mit Jörg Freitag in dessen Spielstätte, dem Jugendhaus Komma, im Hof in der spätsommerlichen Sonne sitzt. Während Freitag druckreif von den mehr als tausend Bands spricht, die seit 1998 im Komma aufgetreten sind, plätschert draußen der Wehrneckarkanal romantisch vor sich hin. Motto: Subkultur meets Mini-Venedig.

Im Komma finden sich Poster vom Oster-Workshop zum Thema Eierbemalen neben einem Flugblatt über die Grenzen antifaschistischer Blockaden und einem Hinweis auf die Veranstaltung „Kollateralschaden“, die das Komma kürzlich mit der Villa Merkel veranstaltet hat.

Dass die Populärkultur im Komma so ernst genommen wird, ist das Verdienst von Jörg Freitag. Zum Interview serviert der 42-Jährige politisch korrekte Fritz-Limonade („Für Veganer geeignet“) und den Hipster-Treibstoff Club Mate, um anschließend hellwach über Kulturarbeit in der Region zu sprechen: „Ich wohne ganz bewusst in Esslingen, weil hier alles überschaubar ist, suche aber auch die Nähe zur Großstadt Stuttgart, weil ich urbane Kulturarbeit in einem Großraum machen will.“

Seine Spielstätte, die er seit 2002 leitet, funktioniert auf mehreren Ebenen. Zum einen bucht er Bands nach Esslingen, die sonst nicht den Weg an den Neckar gefunden hätten, und übernimmt so eine ähnlich wichtige Rolle für die popkulturelle Nahversorgung Stuttgarts wie etwas auch die Manufaktur in Schorndorf. Zum anderen bietet er jungen Bands aus Esslingen oder Stuttgart eine Bühne zum Experimentieren. „Da oben haben die Nerven ihren Proberaum gehabt“, zeigt Freitag über den Hof des Kommas. Die ­Nerven aus Stuttgart werden überregional für ihren „Gegenwartsschrammelpop“ („Spex“) gefeiert. Auch die derzeit ähnlich gehypte Stuttgarter Band Die Selektion hat ihre ersten Gehversuche im Komma unternommen – das Bandmitglied Luca Gillian hat bei Freitag ein Praktikum absolviert.

Die Diplomarbeit verfasste er über Hip-Hop

In Franken geboren, wurde Freitag in Nürnberg popkulturell sozialisiert, wo er Sozialpädagogik studierte, „mit schwerer Tendenz zur Kulturarbeit“. Die Diplomarbeit verfasste er über Hip-Hop, gleich­zeitig veranstaltete er Konzerte von den ­White Stripes oder Calexico, ließ den DJ-Derwisch Koze auflegen, machte Radio und jobbte am Staatstheater Nürnberg.

Nach seinem Studium landete er im Esslinger Komma. Dort arbeitet Freitag mit drei Kollegen zusammen und ist dabei für den Veranstaltungsbereich zuständig. Träger des Kommas ist der Kreisjugendring Esslingen, geleitet wird das Haus von Andreas Jacobsen, unterstützt wird die Einrichtung vom Esslinger Kulturamt.

Parallel zu seiner Arbeit im Komma absolvierte Freitag ein zweites Studium an der Fachhochschule in Esslingen. Der Inhalt: soziale Arbeit mit der Vertiefung Kulturarbeit. Für seine Abschlussarbeit zum zauberhaften Thema „Dubstep als jugendliche Vergemeinschaftung in der Region Stuttgart“ führte er Interviews in den Clubs Rocker 33 und im Hype Club. „Damals war die Reihe ,Stuttgart Kaputtraven‘ groß. Mich hat interessiert, wie solche Szenen entstehen.“ Auch als DJ ist Freitag tätig. In Stuttgart legt er auf Partys auf, in der nagelneuen Bar Dresden genauso wie beim Christopher Street Day.




Unsere Empfehlung für Sie