Jugendhausverein löst sich auf Das Göppinger Haus der Jugend wird städtisch

Das Haus der Jugend in der Dürerstraße wird künftig nicht mehr von einem Trägerverein verwaltet. Foto: Staufenpress

Der Trägerverein des Göppinger Jugendhauses löst sich zu seinem 75-jährigen Jubiläum auf. Es hat sich kein Nachfolger für die bisherige Vereinsvorsitzende Annemarie Schewe gefunden. Nun übernimmt die Stadt die traditionsreiche Einrichtung.

Es waren die in Göppingen stationierten Amerikaner, die vor 75 Jahren den Anstoß für eine offene Jugendarbeit gaben . „Gar nicht zum Feiern zumute“ ist indes Annemarie Schewe. Seit neun Jahren steht die ehemalige Leiterin der Uhland-Realschule dem Verein „Haus der Jugend – Göppinger Jugendheim“ vor und hatte bereits vor Ausbruch der Coronapandemie deutlich gemacht, dass sie für weitere Amtszeiten nicht zur Verfügung stehen werde. „Wir haben einen Nachfolger gesucht, aber niemanden gefunden“, bedauert sie.

 

Scheidende Vorsitzende fordert Professionalisierung der Arbeit

Die Konsequenz daraus? „Bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung am 14. März haben die Mitglieder beschlossen, den Verein aufzulösen“, informierte Sozialbürgermeisterin Almut Cobet jüngst die Mitglieder des Ausschusses für Soziales und Schulen. Und: „Wir leiten die Einrichtungen des Vereines über in die städtische Trägerschaft.“ Für Annemarie Schewe ist dies ein notwendiger Schritt. „Die Vereinsarbeit macht sehr viel Arbeit und ist mit noch mehr Verantwortung verbunden. Als Verein ist dies nicht mehr leistbar.“ Und: „Die Leitung der offenen Jugendarbeit muss weiter professionalisiert werden.“

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Bislang sei der Jugendhausleiter Harald Moll für seine Leitungsaufgaben lediglich zur Hälfte seiner Arbeitszeit freigestellt. Ein neues Konzept für „eine moderne Jugendarbeit“ sei erarbeitet. „Aber das braucht Stellen“, bekräftigt Schewe. Ihrer Ansicht nach brauche es für die Jugendlichen zudem „eine Anlaufstelle mitten in Göppingen, und das Jugendhaus in der Dürerstraße benötige eine grundlegende Renovierung. „Das Immobilien-Thema werden wir aufgreifen, wenn wir alle anderen Fragen geklärt haben“, sagt Cobet. Und die seien zahlreich. Innerhalb der Verwaltung sei eine Arbeitsgruppe gegründet worden, die sich mit allen relevanten Fragen beschäftige „und dies unter einem gewissen Zeitdruck“. Innerhalb der Verwaltung werden neue Zuständigkeiten geschaffen. „Ein Referat Jugend wird kommen“, kündigt die Bürgermeisterin an. Sie betont: „Alle Mitarbeitenden des Vereines, die bleiben wollen, werden wir selbstverständlich übernehmen.“ Auch alle dezentralen Standorte werden fortgeführt werden. Für die jugendlichen Besucher, die sowohl das Jugendhaus als auch die offenen Treffs in den Stadtbezirken gut annehmen, werde sich also nichts ändern. „Wir wollen sie weiter begleiten auf dem Weg zu einem selbstbestimmten Leben in unserer Gesellschaft. Demokratiebildung ist dabei ein wichtiges Thema. Wir wollen ihnen einen Raum geben außerhalb der Familie, den sie selbst gestalten können.“ Und natürlich sollen sie „in ihrer Freizeit auch viel Spaß haben“.

Vereine sollen willkommen bleiben

Wichtig ist Annemarie Schewe nicht nur, dass die „sehr notwendige“ und qualitätvolle Arbeit des Vereins fortgeführt wird, sondern auch, dass die vielen Vereine, die bislang eine Heimat im Haus der Jugend hatten und sich dort regelmäßig treffen konnten – zu ihnen zählen auch der Schachclub, eine Guggenmusik-Kapelle und der Italienische Elternverein – dort bleiben können. „Das wird sich erst einmal nicht ändern“, sagt Cobet zu.

Eine Gründung der Amerikaner

Anfänge
 Die Jugend sollte nach der zerstörerischen Diktatur für die Demokratie gewonnen werden. Dafür schufen die Amerikaner zunächst im Gasthof zum Goldenen Rad ein Zentrum für die jungen Menschen der Stadt. Am 1. Dezember 1947 war es soweit. 1954 dann wurde der Verein „Göppinger Jugendheim“ als Träger der Einrichtung gegründet. Im Oktober 1969 konnte das jetzige Haus der Jugend in der Dürerstraße eröffnet werden.

Jugendtreffs
Zwischenzeitlich wurde die offene Jugendarbeit dezentralisiert und in verschiedenen Stadtteilen Jugendtreffs geschaffen – so etwa in Holzheim, Bartenbach oder Faurndau. Seit über zehn Jahren ist der Verein auch Träger der Schulsozialarbeit der Uhland-Grund- und Realschule. 

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