Jugendherberge Göppingen Baumhäuser als letzte Rettung

Die Jugendherberge Beckerwitz bei Wismar hat als Erste in Deutschland auf Baumhäuser gesetzt.Sie seien sehr beliebt, heißt es. Foto: DJH  Mecklenburg-Vorpommern
Die Jugendherberge Beckerwitz bei Wismar hat als Erste in Deutschland auf Baumhäuser gesetzt.Sie seien sehr beliebt, heißt es. Foto: DJH Mecklenburg-Vorpommern

Die Stadt Göppingen und der Jugendherbergsverband haben sich auf die Sanierung des Gebäudes am Hohenstaufen geeinigt. Aber was sagt eigentlich Brüssel dazu?

Politik/ Baden-Württemberg: Eberhard Wein (kew)
WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Göppingen - Die Stadtkapelle Klosterneuburg schwört auf die Göppinger Jugendherberge. Kein Jahr vergeht, in dem sich die Blasmusiker aus Göppingens österreichischer Partnerstadt nicht in dem angejahrten Gebäude am Hohenstaufen einmieten. Allerdings gibt es nicht viele solche treuen Kunden. Seit Jahren ist die Belegung rückläufig. Im vergangenen Jahr wurden gerade mal noch 8055 Übernachtungen gezählt. Das entspricht einer Auslastung von 19 Prozent. Der Landesschnitt liegt mit 38 Prozent genau doppelt so hoch.

Der Verband kommt der Stadt entgegen

Doch die drohende Schließung der Jugendherberge – der einzigen zwischen Stuttgart und Ulm – scheint abgewendet. Wie Oberbürgermeister Guido Till (CDU) mitteilte, habe sich die Stadt mit dem Jugendherbergswerk auf ein Zukunftskonzept verständigt. Demnach werde der Verband das aus den 50er Jahren stammende Gebäude für 3,2 Millionen Euro sanieren. Um die Attraktivität speziell für Familien zu steigern, sollen auf dem Freigelände dazu sechs bis acht Baumhäuser neu gebaut werden. Damit kommt der Landesverband des gemeinnützigen Jugendherbergswerkes einer Forderung der Stadt nach, die ihre finanzielle Beteiligung an einen solchen Ausbau geknüpft hatte.

Immerhin 900 000 Euro sollen nun aus der Stadtkasse fließen. Das sieht die Vereinbarung vor, die der Stadtkämmerer Rudolf Hollnaicher mit dem Landesgeschäftsführer des DJH, Karl Rosner, ausgehandelt hat. Das sei viel Geld, stellte bei der Vorberatung im Verwaltungsausschuss nicht nur der SPD-Stadtrat Klaus Wiesenborn fest. Doch hatte sich der DJH ursprünglich wohl noch mehr erhofft. So hatte sich die Stadt Sigmaringen an der Sanierung ihrer Jugendherberge sogar mit 50 Prozent beteiligt. In Göppingen sind es weniger als 30 Prozent. Zudem sollen 500 000 Euro lediglich als zinsloses Darlehen gewährt werden, das über 25 Jahre wieder zurückgezahlt werden muss.

„Nicht mal für Schulkinder zumutbar“

Eine endgültige Entscheidung des Gemeinderats steht noch aus. Sie gilt nach dem Verlauf der Vorberatung aber als sicher. „Selbst für Schulkinder ist der Zustand der Jugendherberge nicht mehr akzeptabel“, sagte der CDU-Fraktionschef und Realschulrektor Felix Gerber.

Bei einem Ja will der Vorstand des baden-württembergischen Jugendherbergswerks noch vor Weihnachten das Projekt auf den Weg bringen. 2016 soll geplant, 2017 mit dem Bau begonnen werden. Die Neueröffnung könnte zur Sommersaison 2018 anvisiert werden.

Doch was sagen die Wettbewerbshüter?

Nur Brüssel könnte den Beteiligten noch einen Strich durch die Rechnung machen. Dort ist die Klage eines Berliner Hostelunternehmers anhängig, der die Bezuschussung des DJH durch Kommunen g für wettbewerbsverzerrend hält. Der OB findet solche Einwände bezüglich der Situation in Göppingen allerdings unbegründet. „Das ist keine Konkurrenz zu den örtlichen Hotels. Tun wir nichts, weichen die Gäste einfach in andere Jugendherbergen aus.“




Unsere Empfehlung für Sie