Am Donnerstag beraten die Ministerpräsidenten das überarbeitete Konzept des Südwestrundfunks für das gemeinsame Projekt von ARD und ZDF. Viele halten es für völlig ungenügend.
Berlin - Heute tagen die Ministerpräsidenten der Länder in Berlin. Vorgesehen war, dass sie bei ihrem Treffen den Jugendkanal beschließen, der gemeinschaftlich von ARD und ZDF betrieben werden soll. Dazu wird es wohl kaum kommen. Schon jetzt ist klar, dass kaum einer der 16 Länderschefs hinter dem 45 Millionen Euro teuren Projekt steht. Oder vielleicht sollte man eher sagen: hinter dem Konzeptpapier, das federführend vom Südwestrundfunk (SWR) erarbeitet worden ist. „Wir sind eher weiter weg als näher dran an einem Jugendkanal“, sagt ein Ministerialer, der maßgeblich an der Entscheidung beteiligt ist, gegenüber der Stuttgarter Zeitung.
Für die zweitgrößte ARD-Anstalt kommt das einer Blamage gleich. Und das bei einem Lieblingsprojekt des SWR-Intendanten Peter Boudgoust. Ende Oktober 2013 hatten die Ministerpräsidenten den Jugendkanal schon einmal abgelehnt, weil ihnen das SWR-Konzept zu unausgereift erschienen war. Die Verantwortlichen sollten die Vorlage gründlich überarbeiten, lautete der klare Auftrag.
Inhaltlich nur „dünne Suppe“
Zu „windelweich“ war ihnen die 19-seitige Ausarbeitung erschienen, die vor Zitaten aus Rundfunk- und Jugendstudien sowie Marktanalysen und Zielgruppenuntersuchungen nur so gestrotzt, zum Programm aber inhaltlich nur eine „sehr dünne Suppe“ hervorgebracht habe, wie ein weiterer Insider anmerkt. Nun weiß auch die überarbeitete Fassung die Medienpolitiker der Länder kaum zu überzeugen. Selbst die Intendanten der meisten ARD-Anstalten und das ZDF halten die Vorlage für nicht entscheidungsreif, hieß es aus internen Kreisen. „Das ist fast der gleiche Quark“, so ein Beteiligter.
Der „JUKA“ (Arbeitstitel) ist als multimediales Vollprogramm mit interativen Liveshows, Dokusoaps, Reportagen, Talkshows und zielgruppenorientierten Nachrichten konzipiert, das Fernsehen, Hörfunk und Internet vereinen soll. Am Abend soll das Programm mit jugendaffiner Unterhaltungsware aus dem ARD- und ZDF-Archiv aufgefüllt werden. Auf den Ankauf oder die Produktion teurer fiktionaler Ware soll jedoch verzichtet werden.
Die Landespolitiker haben auch Zweifel an der finanziellen Ausstattung. Von den Verantwortlichen und der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) wollten sie in Erfahrung bringen, ob die 45 Millionen Euro für ein multimediales Vollprogramm ausreichen werden, wie es die Macher versprochen haben. BBC 3, das von der Schließung bedrohte Vorbild in Großbritannien, habe pro Jahr 80 Millionen Euro verschlungen.
Die Zielgruppenanalyse fehlt
In das düstere Bild passt eine vernichtende Einschätzung, die der Soziologe Thomas Wind, Leiter des kleinen Instituts für Zielgruppenkommunikation in Heidelberg, zu dem Konzeptpapier abgibt. Das SWR-Papier liefere keine realistische Zielgruppenanalyse zu den 14- bis 29-Jährigen, sondern konstruiere die jungen Menschen als eine „weitestgehend homogene“ Gruppe, vermische unterschiedlichste Studien, bleibe aber in den Charakterisierungen „sehr allgemein“ und „oberflächlich“. Dieser Mangel schlage sich in den Programmideen nieder, bei denen man „keine wirklich innovativen und für den Jugendkanal eigenständigen Inhalte und Formate“ erkenne. Ein SWR-Sprecher wies die Vorwürfe als falsch zurück. Es sei nicht wahr, dass der Sender keine umfassende Zielgruppenanalyse vorgelegt habe. Das Konzeptpapier sei als Gemeinschaftsprojekt entwickelt worden. Weiter werde man sich äußern, sobald die Ministerpräsidenten eine Entscheidung gefällt haben.
Die Länderchefs haben jedoch schon jetzt die Geduld mit der Zweiländeranstalt verloren. Wenn der Jugendkanal überhaupt noch einmal eine Chance bekomme, werde man das nächste Mal vielleicht eher ein paar junge Hörfunkjournalisten oder ein paar jugendliche Onliner fragen, was sie denn von so einem multimedialen Vollprogramm Jugend erwarten. Den SWR, so viel sei sicher, werde man gewiss kein drittes Mal mit einem Konzept betrauen.