Jugendkirchenfestival in Stuttgart Eine neue Art der Kommunikation mit Gott

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Beim neunten Jugendkirchenfestival steht der Austausch der jungen Generation im Mittelpunkt. Von Palmsonntag an soll in Workshops und bei Infoabenden eifrig diskutiert und kreativ gearbeitet werden.

Die Fassade des Turms der Martinskirche im Stuttgarter Norden     wird  beim Jugendkirchenfestival  regelmäßig  zur Aktionsfläche. Foto: privat
Die Fassade des Turms der Martinskirche im Stuttgarter Norden wird beim Jugendkirchenfestival regelmäßig zur Aktionsfläche. Foto: privat

Stuttgart - Früher fand die Kommunikation mit Gott schlichtweg übers Beten statt. Heute muss man sich offenbar kreativere Aktionen einfallen lassen, um Jugendliche zu einem Dialog mit Gott zu bewegen. Der Evangelische Kirchenkreis Stuttgart hat daher in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Jugend Stuttgart und der Evangelischen Nordgemeinde das neunte Jugendkirchenfestival organisiert. Von Palmsonntag an finden bis Exaudi, dem sechsten Sonntag nach Ostern, in der Martinskirche Workshops und Infoabende für Jugendliche statt.

Innovative Kommunikation zwischen Jugendlichen

Die Kommunikation zwischen den Jugendlichen funktioniere mit ihren Handys heutzutage innovativer als die Kommunikation der meisten Erwachsenen, sagte der Stuttgarter Jugendpfarrer Matthias Rumm bei der Vorstellung des umfangreichen Programms zum Jugendkirchenfestival. „Es lohnt sich, den Fragen nachzugehen, wie wir mit Gott, aber auch untereinander kommunizieren“, sagte Rumm. Deswegen geht es in dem Eröffnungsgottesdienst am Sonntag, 29. März, auch darum, wie Gott in der Bibel mit den Menschen kommuniziert und wie die Mitglieder der Gemeinde untereinander im steten Austausch stehen.

Damit in diesem Jahr auch die Anwohner und Passanten sowie Gemeindemitglieder, die sich nicht aktiv an den Aktionen beteiligen, von außerhalb des Gebäudes an dem Jugendkirchenfestival teilhaben können, werden mit einer Video-Fernseh-Installation Bilder aus dem Kircheninneraum nach draußen übertragen. Die Idee dazu stammt von den „Kirchentrojanern“, einer Gruppe, die sich seit acht Jahren um neue künstlerische Ideen und deren Umsetzung während des Festivals kümmert. Auch die Installation hat natürlich mit dem zentralen Thema „Kommunikation und Austausch“ zu tun: „Da wir verschiedene Bilder von außen nach innen und umgekehrt übertragen, findet auch so ein Austausch statt“, so der Projektleiter Gerald Klahr.

Kleine Trickfilme ohne große Ausrüstung

Wie man ohne große Ausrüstung eigene kleine Trickfilme gestalten kann, lernen die Teilnehmer eines eintägigen Stop-Motion-Workshops am Samstag, 25. April, von 10 bis 17 Uhr. Mit ihren Mobiltelefonen oder mit Fotokameras werden Papierfiguren oder kleinen Puppen in verschiedenen Positionen abgelichtet und die Bilder der einzelnen Bewegungsphasen dann zu Filmen montiert.

Ein weiterer Höhepunkt, sowohl für die Veranstalter als auch für die Teilnehmer, sind die Werkstatttage für Schulklassen, die im Rahmen des Festivals stattfinden. In diesem Jahr nehmen 13 Klassen aus unterschiedlichen Stuttgarter Schulen daran teil. Sie verbringen einen Tag im Kirchenraum der Martinskirche und bearbeiten mit diversen Künstlern und Medienpädagogen religiöse Themen kreativ – auf liturgische und experimentelle Weise.

Dass Mobiltelefone sowohl ein Segen als auch ein Fluch sein können, soll bei einem Infoabend am 12. Mai diskutiert werden. Viele der Rohstoffe, die in Mobiltelefonen verarbeitet sind, stammen aus Afrika und werden in Asien zusammengebaut. Der Leiter des Zentrums für entwicklungsbezogene Bildung der württembergischen Landeskirche, Pfarrer Ralf Häußler, wird darüber sprechen, wie sich die Teilnehmer für mehr Gerechtigkeit und weniger Umweltzerstörung bei der Produktion von Handys einsetzen können. Der Infoabend soll gleichzeitig der Start einer Handysammelaktion sein, deren Ziel es ist, innerhalb der nächsten zwei Jahre 100 000 Handys in Stuttgart und der Region zu sammeln, um daraus wieder die Rohstoffe gewinnen und weiterverarbeiten zu können.