Jugendkrawall und die Folgen Stadträte setzen sich für die Friedlichen ein

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Die Stadträte warten auf Empfehlungen der Verwaltung zur Befriedung der City. Im Jugendhilfeausschuss plädierte niemand für Platzverweise oder Alkoholverbote.

Seit den Krawallen ist das Polizeiaufgebot am Eckensee gewachsen. Foto: Lg/Max Kovalenko
Seit den Krawallen ist das Polizeiaufgebot am Eckensee gewachsen. Foto: Lg/Max Kovalenko

Stuttgart - Nach den Krawallen am Eckensee befasste sich der Jugendhilfeausschuss in seiner jüngsten Sitzung mit der Suche nach einem friedlichen Miteinander im öffentlichen Raum.

Klaus-Jürgen Mauch und Jutta Jung (Mobile Jugendarbeit) lieferten eine erste Situationsanalyse – und eine Systemkritik: „Wir sind seit dem Start der City-Streetworker zum ersten Mal in einem politischen Gremium, um darüber zu reden, was wir an Jugendarbeit in der City brauchen“, sagte Mauch.

Die meisten wollen auf öffentlichen Plätzen chillen

Am Wochenende nach der Krawallnacht seien 60 Prozent der Besucher des Eckensees aus der Stadt und 16 bis 22 Jahre alt gewesen, viel „mitgebrachter“ Alkohol sei konsumiert worden. Das Interesse der politischen Vertreter, die an Ort und Stelle waren, sei als Wertschätzung aufgenommen worden. Was die jungen Leute in der City suchen, geht auch aus einer Erhebung im Jahr 2016 hervor. Sie gibt einen Überblick über Bedürfnisse, Wunschorte Wohlfühlfaktoren für Jugendliche. Wenig verwunderlich: Mehr als die Hälfte der jungen Leute wollen auf öffentlichen Plätzen „chillen“, 22 Prozent suchen nach Sport und Aktivität, 24 Prozent nach Gelegenheiten zum Shoppen, Musikhören, Essen und Trinken. Mehr als einem Drittel war die Ausstattung der Plätze mit sauberen Toiletten, Sitzgelegenheiten und Mülleimern, das Vorhandensein von Grünflächen, Wasser, Atmosphäre und besonders Grillstellen wichtig, ein Drittel legte Wert auf Sportmöglichkeiten. Die Ergebnisse flossen in den Masterplan Räume für Jugendliche ein.

Gabriele Nuber-Schöllhammer (Grüne) will, „dass die schönen Plätze weiterhin von allen genutzt werden können“. Ob man es wie in München machen könne, wo gewisse Plätze um 23 Uhr geräumt würden? Iris Ripsam (CDU) will, „dass die friedliche Mehrheit Spaß ohne Gewalt haben kann“. Sie will mehr über das Umfeld der Täter wissen, um bei Bedarf die Hilfen anzupassen.

Jugendliche wollen sich öffentlich aufhalten

Luigi Pantisano (Die Fraktion) fordert: „Alles, was wichtig ist, muss auf den Tisch, auch Rassismuserfahrungen.“ Die Fraktionsgemeinschaft hat deshalb eine Befragung Jugendlicher aus Stuttgart und der Region über ihre Lebenssituation und Wahrnehmungen beantragt. Jasmin Meergans (SPD) regte an, die Erkenntnisse aus der Täterarbeit „systematisch zu erfassen“ und in die Jugendhilfe einfließen zu lassen. Deborah Köngeter (Puls) vermutet, dass es Randalierern an Beteiligung fehlt. Pascal Alf vom Jugendrat erklärte: „Die Leute, die an dem Krawall beteiligt waren, kriegt man in keine Sitzung. Man muss überlegen, wie man sie anders politisch integriert.“

Der Masterplan Räume für Jugendliche habe durch die Ereignisse „noch mal an Bedeutung gewonnen“, sagt Hermann-Lambert Oediger vom Stadtplanungsamt. Er verankere die Bedarfe Jugendlicher im Spielflächenleitplan, der bisher nur für Kinder galt. An deren Erfüllung müssen sich nun die Planungen ausrichten. Der Masterplan zeigt außerdem: Jugendliche möchten weniger spezielle Jugendorte, sondern sich lieber öffentlich aufhalten – auch am Eckensee.




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