Niederländer in Eislinger Fall Steckt die Mocro-Mafia hinter dem Adler-Anschlag?

Nach dem Anschlag auf die Eislinger Pizzeria Adler D’Onofrio am 10. August hat die Polizei schnell zwei Tatverdächtige festgenommen, diese haben mittlerweile gestanden. Foto: /Giacinto Carlucci

Beide Verdächtige machen keine Angaben zu den Hintergründen, Ermittler prüfen Zusammenhänge mit Kölner Anschlägen. Die Eislinger Pizzeria öffnet am 12. Oktober wieder.

Noch sind die Ermittlungen nach dem Anschlag auf die Eislinger Pizzeria Adler nicht abgeschlossen, doch der Sprecher der Staatsanwaltschaft Ulm, Michael Bischofberger, kann von einem Zwischenstand berichten. Gegen 1.40 Uhr war am Samstag, 10. August, ein Sprengsatz durchs Fenster in die beliebte Kneipe geworfen worden, durch die Detonation zerbarsten die Scheiben im Gastraum, das Mobiliar wurde beschädigt. Der zufällig noch anwesende Wirt und ein Bekannter kamen mit dem Schrecken davon, sie hatten zwei vermummte Gestalten vor dem Restaurant gesehen. Noch in der Nacht nahm die Polizei zwei Tatverdächtige fest, sie sitzen seitdem in Untersuchungshaft.

 

Das Motiv liegt weiter im Dunkeln

Erstmals macht Bischofberger nun Angaben zur Identität der mutmaßlichen Täter. „Sie waren zur Tatzeit 16 und 17 Jahre alt, sind jetzt beide 17“, sagt er und ergänzt: „Es handelt sich um zwei niederländische Tatverdächtige.“ Mittlerweile hätten die Jugendlichen die Tat auch gestanden: „Beide haben eine Tatbeteiligung eingeräumt, sagen aber nichts zum Motiv“, erläutert der Oberstaatsanwalt.

Obwohl die Verdächtigen zu den Hintergründen der Tat schweigen, haben die Ermittler natürlich großes Interesse daran. „Wenn sie mit uns nicht kooperieren, werden wir versuchen, anderweitig an Informationen zu gelangen“, sagt Bischofberger. Deshalb könne es auch noch eine gewisse Zeit dauern, bis Anklage erhoben wird: „Damit warten wir mal ab, weil die Motivlage für uns auch interessant ist.“

Zwar gelte generell, dass niemand unnötig lange in U-Haft bleiben soll, doch treffe dies im Besonderen bei Jugendlichen zu, betont der Staatsanwalt und bekräftigt: „Wir wollen es forcieren, damit es zeitnah vor Gericht geht.“ Die Öffentlichkeit müsste bei einer Verhandlung allerdings draußen bleiben, da es sich bei den Verdächtigen um Minderjährige handelt.

Einen Zusammenhang mit den rivalisierenden Gruppen im Raum Stuttgart und Göppingen haben die Ermittler schon kurz nach dem Anschlag ausgeschlossen. Auch gebe es keine Hinweise auf Verbindungen zur italienischen Mafia. Eventuelle Hinweise aufs Rockermilieu gibt es laut Bischofberger ebenfalls nicht.

Für Aufsehen hatten in den vergangenen Wochen mehrere Sprengstoffexplosionen und Brandanschläge in Köln und anderen Städten in Nordrhein-Westfalen gesorgt. Unter anderem brannte vergangene Woche ein Café aus. Zwar halten sich auch dort die Ermittler bedeckt, doch gehen Beobachter davon aus, dass ein Zusammenhang zur niederländischen Drogenmafia, der sogenannten Mocro-Mafia, bestehen könnte. In den Niederlanden werden demnach Schuldner oder Rivalen immer wieder durch Explosionen eingeschüchtert.

Adler-Wirt geht von mindestens 80 000 Euro Schaden aus

Diese Anschlagsserie ist auch der Staatsanwaltschaft Ulm nicht entgangen. „Auch wir sehen das ähnliche Muster in Köln“, sagt Bischofberger. Nun werde geprüft, ob sich Anhaltspunkte ergeben. Adler-Wirt Salvatore D‘Onofrio erzählt, dass Kripobeamte zu ihm unlängst auch gesagt hätten, „es könnte die Mocro-Mafia sein“. Aber warum? Das weiß D‘Onofrio auch nicht: „Die haben alles bei mir überprüft, ich habe nichts zu tun mit der Mafia.“ Allerdings habe der Beamte zu ihm gesagt, es könne sein, „dass die sich zeigen wollen, zeigen, wie stark sie sind“.

Ihm seien auch 16 Porträtfotos gezeigt worden, sagt der Wirt. Er sei von der Kripo gefragt worden, ob er jemanden erkenne, eine der Personen mal im Adler essen war. „Ich habe keinen einzigen gekannt“, sagt D‘Onofrio.

Schon bald soll der Adler wieder seine Türen öffnen. Der Gesamtschaden lässt sich noch immer nicht beziffern, D‘Onofrio geht mittlerweile von mindestens 80 000 Euro aus. Alleine die Butzenfenster schlügen mit 30 000 Euro zu Buche.

Eröffnungsparty mit Livemusik

Wiedereröffnung
 Mobiliar, Böden, Lampen, Fenster – alles ist neu im Adler und deshalb wird schon bald die Wiedereröffnung gefeiert. Am 12. Oktober um 18 Uhr ist es so weit, dann eröffnet die beliebte Pizzeria und Musikkneipe in Eislingen wieder ihre Pforten. Ab 20 Uhr gibt es Livemusik mit Nina & The Wayfarers. Bereits am Vorabend wird erstmals wieder gekocht – für eine geschlossene Gesellschaft, die schon lange vor dem Anschlag reserviert hat.

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