Die Deepfake-Debatte hat den Bundestag erreicht. Aber wie sieht es auf Stuttgarts Schulhöfen aus? Das ist die Erfahrung der Polizei.
Nicht erst seit dem Bekanntwerden der Vorwürfe von Collien Fernandes gegen ihren Exmann sind Deepfakes ein Begriff. Auch die Polizei ist sensibilisiert: Insbesondere dann, wenn es um sexualisierte Inhalte geht, die Kinder und Jugendliche betreffen.
Was wissen die Ermittelnden? „Es ist ein Thema unter Jugendlichen“, sagt ein Sprecher des Stuttgarter Polizeipräsidiums. Natürlich lasse sich nie genau sagen, wie viele Betroffene es gibt. „Viele zeigen das nicht an“, so der Beamte. Vielleicht wird es weggelacht, vielleicht ein bisschen cool gefunden – oder bedrohlich, aber die Scham ist zu groß.
„Wir wissen von etwa einer Handvoll Fällen im vergangenen Jahr“, so der Pressesprecher weiter. Dabei seien aber keine direkt pornografischen Bilder gewesen, die mit KI oder Fotomontage hergestellt worden seien. Vielmehr habe es sich um „echte Aufnahmen von Mädchen aus der Klasse“ gehandelt, die auf Körper in Bikinis täuschend echt montiert worden seien.
Ob sich durch die aktuelle Diskussion über Deepfakes die Einstellung bei Jugendlichen ändert, es also vermehrt gemeldet wird, das erwartet auch die Polizei gespannt. Sie rät auf jeden Fall Eltern, auf das digitale Verhalten des Nachwuchses ein Auge zu haben.
Wie man sich grundsätzlich vor Missbrauch der eigenen Fotos schützt:
- Es wird dazu geraten, immer vorsichtig zu sein mit Fotos und Videos, die man ins Internet stellt.
- Beim Einstellen ins Netz gilt: Man soll genau überdenken, welche Fotos und wie viele Inhalte man online stellen möchte.
- Auch beim Versenden von Fotos sollte man sich hinterfragen: Wer ist die Person, wie gut kenne ich sie? Braucht die Person das Foto unbedingt?
- Wer verdächtige oder kompromittierende Inhalte findet, durch die man sich als Opfer einer Straftat sieht, soll umgehend die Polizei verständigen
In Deutschland läuft eine Debatte über digitale Gewalt gegen Frauen. Hintergrund ist eine „Spiegel“-Recherche über Vorwürfe der Moderatorin und Schauspielerin Collien Fernandes, die ihren Ex-Mann, den Schauspieler und Produzenten Christian Ulmen, laut dem Nachrichtenmagazin wegen „Anmaßung des Personenstands, öffentlicher Beleidigung, Offenlegung von Geheimnissen, wiederholter Körperverletzung im familiären Näheverhältnis und schwerer Bedrohung“ angezeigt hat.
Ulmens Anwalt Christian Schertz kündigte rechtliche Schritte gegen die Berichterstattung an, bei der es sich „in großen Teilen um eine unzulässige Verdachtsberichterstattung“ handle. Zudem würden „unwahre Tatsachen aufgrund einer einseitigen Schilderung verbreitet“, wie es in einem veröffentlichten Informationsschreiben heißt. Eine Anfrage unserer Zeitung zu den erhobenen Vorwürfen ließ die Kanzlei unbeantwortet. Ein in Spanien geführtes Ermittlungsverfahren befindet sich in einer sehr frühen Phase. Die Staatsanwaltschaft Itzehoe sieht einen Anfangsverdacht gegen Ulmen. Strafrechtlich gehe es um den Vorwurf der Nachstellung. Es gilt die Unschuldsvermutung.