Jugendliche in Weissach-Flacht „Egal, ob religiös oder nicht“ : Der CVJM schaut, dass im Ort was geboten ist

Gleich geht es los mit dem Christbaumsammeln: Die Ehrenamtlichen Tom Gebhardt und Lea Pflüger prägen mit ihrer Arbeit den CVJM Flacht. Foto: Simon Granville

Von wegen altbacken: Der CVJM in Flacht ist jung und engagiert – das zeigen Aktionen wie das Christbaumsammeln. Mitmachen kann jeder, unabhängig vom Glauben.

Volontäre: Jelena Maier (jem)

Der Kreis vor ihr ist riesig, deshalb muss Lea Pflüger laut sprechen. Zudem muss ihre Stimme den Wind übertönen, damit die rund 80 jungen Menschen auf der Friedenshöhe sie verstehen können. „Passt auf euch auf“, sagt sie, denn es ist eisig kalt und teils glatt an diesem Januarmorgen. Trotzdem sind zahlreiche Jungschar-Mitglieder des CVJM Flacht gekommen, um die Christbäume im Ort einzusammeln.

 

Das Team hatte noch überlegt, ob die Aktion bei dem Wetter stattfinden kann, erzählt Pflüger. „Aber es ist einfach ein Highlight, worauf sich viele freuen.“ Natürlich stehe die Sicherheit der Kinder und Jugendlichen an erster Stelle. Deshalb wendet sich die Jungscharleiterin an die Gruppe: „Wenn es euch zu gefährlich werden sollte, sagen wir die Aktion für heute ab.“

Christbaumsammlung ist ein Highlight im Jahreskalender

Die Ehrenamtlichen, von denen die Jüngsten erst 14 Jahre alt sind, haben wenig Angst – dafür umso mehr Lust, aktiv zu werden. Die 15-jährige Amy ist zum ersten Mal dabei. „Ich freue mich darauf, zusammen anzupacken“, sagt sie. Nun machen sich die Freiwilligen auf den Weg, um die Weihnachtsbäume abzuholen. Dabei klingeln sie an den Haustüren, stellen die Aktion vor und sammeln Spenden. Diese fließen in diesem Jahr in die Renovierung des CVJM-Hauses auf der Friedenshöhe, in dem Freizeiten und Zeltlager, aber auch das offene Sonntagscafé stattfinden.

Seit zwei Jahren wird das Haus um- und ausgebaut, vieles in Eigenarbeit, aber auch mit professioneller Unterstützung, wie Jugendreferentin Friederike Auracher erzählt. Um das CVJM-Heim fit für die Zukunft zu machen, erhält der Verein teilweise Förderungen von der EU und vom Land. Der größte Teil der Kosten wird allerdings aus Spenden finanziert. Zum Glück sei die Spendenbereitschaft groß: „Wir erleben eine große Wertschätzung, weil die Leute froh sind, dass im Ort etwas geboten ist“, sagt Auracher.

Jugendarbeit im Mittelpunkt des CVJM Flacht

Neben Aktionen wie der Christbaumsammlung, dem Maislabyrinth oder dem Sommernachtsfest bietet der CVJM Sportangebote für alle Altersgruppen an. Der größte Fokus liegt jedoch auf der Jugendarbeit: Sieben Jungscharen für Kinder und Jugendliche von der ersten bis zur siebten Klasse gibt es. In den wöchentlichen Stunden wird gemeinsam gespielt, gebastelt und die Bibel gelesen. „Man muss nichts Spezielles können für die Jungschar, alle können mitmachen“, so Lea Pflüger.

Immer wieder schön: das Maislabyrinth Foto: Simon Granville

Die 22-Jährige leitet die älteste Mädchenjungschar sowie das Zeltlager und ist schon seit ihrer Kindheit beim CVJM. Sie sieht die Angebote des Vereins als niederschwellig, da hier kein Leistungsdruck herrsche. „Wir sind total offen für alle, egal ob sie religiös sind oder nicht und welcher Religion sie angehören“, ergänzt Tom Gebhardt. Auch der 26-Jährige ist „schon immer“ beim CVJM und verantwortet mittlerweile die Sommerfreizeit sowie den Jugendgottesdienst.

Die Arbeit für den CVJM macht den beiden Ehrenamtlichen großen Spaß. Sie lernten viel und seien durch ihr Engagement selbstbewusster geworden. Den Kindern Gutes mitzugeben, sie zu stärken und den Glauben zu vermitteln, das ist ihnen wichtig.

Ehrenamt mit Verantwortung und Herz

Dass sie eine große Aufgabe mit viel Verantwortung haben, ist ihnen bewusst – zumal beide vollzeitberufstätig sind. Pflüger arbeitet im Sekretariat bei Bosch, Gebhardt ist Sozialarbeiter. Das Ehrenamt nimmt mehrere Stunden pro Woche in Anspruch, insbesondere Zeltlager und Freizeiten erfordern viel Zeit.

Dass sich dieser Einsatz lohnt, zeigt die Resonanz. Der CVJM Flacht zählt inzwischen mehr als 330 Mitglieder und rund 100 ehrenamtlich Mitarbeitende. „Der Glaube verbindet, aber vor allem ist es eine starke Gemeinschaft“, sagt Gebhardt. „Man kennt sich und hilft sich gegenseitig.“ Aktionen wie das Christbaumsammeln oder die Renovierung des Hauses machten diesen Zusammenhalt besonders sichtbar.

Während die Kinder und Jugendlichen noch Weihnachtsbäume einsammeln, denken Gebhardt, Pflüger und die anderen Leitenden bereits an den Rest des Jahres. Im August geht es auf Jugendfreizeit nach Holland, im Herbst finden die sogenannten Legotage statt. An einem Wochenende dürfen die Jüngeren dann eine ganze Miniaturstadt aus Lego bauen. Bis dahin werden die Ehrenamtlichen noch viele Stunden zusammensitzen und planen.

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