Jugendliteratur und Sachbücher kaum gefragt Bücherei Deizisau plant Fokus auf Familien mit Kindern

Die Bücherei soll künftig auch verstärkt Begegnungsstätte und Freizeitort sein. Um die Aufenthaltsqualität zu erhöhen, sollen die Räume neugestaltet werden. Foto: Tim Kirstein

Die Ausleihzahlen in der Bücherei Deizisau (Kreis Esslingen) sind gestiegen. Allerdings werden bestimmte Medien kaum genutzt. Während das Angebot für Familien mit Kindern ausgebaut wird, fallen die Sachbücher aus dem Sortiment. Auch sollen Nutzer künftig draußen sitzen können.

Das Team der Bücherei Deizisau kann zufrieden auf das vergangene Jahr blicken. „2024 war ein sehr erfolgreiches und produktives Jahr“, sagt Leiterin Andrea Goettel. In Zahlen bedeute dies im Vergleich zum Vorjahr einen Anstieg der Ausleihen – analog und digital – um 6,3 Prozent auf insgesamt 52 474.

 

Doch auch in Deizisau machen sich Veränderungen in der Mediennutzung und der Freizeitgestaltung der Bevölkerung bemerkbar. So habe eine statistische Auswertung ergeben, dass bestimmte Mediengruppen heutzutage kaum noch auf Interesse stießen, erklärt Goettel. Dies betrifft beispielsweise Musik-CDs und Hörbücher für Erwachsene, Jugendbücher oder Sachbücher für Erwachsene.

Steigende Ausleihzahlen bei Kinderbüchern

Bei anderen Medien wie beispielsweise Romanen und Kinderbüchern stiegen die Ausleihzahlen währenddessen stark an, sagt Goettel. Außerdem habe die Analyse ergeben, dass auch Konsolen- und Gesellschaftsspiele vermehrt ausgeliehen werden.

Um sich der veränderten Nachfrage anzupassen und um zu gewährleisten, dass die Bücherei auch in Zukunft ein Erfolgsmodell bleiben wird, hat die Gemeinde nun eine Neugestaltung in die Wege geleitet. Bevor die Neukonzeption im Dezember vergangenen Jahres verabschiedet wurde, sei sie zuvor intensiv erarbeitet worden, erklärt Verena Smeets, Sachgebietsleiterin für Bildung und Betreuung in der Verwaltung. Im Januar tauschten sich Vielleser, das Büchereiteam, Gemeinderatsmitglieder und Kooperationspartner bei einem Workshop über die Neugestaltung und Neuausrichtung der Deizisauer Bücherei aus.

Deizisau hat die kleinste Bücherei im näheren Umkreis

Die Ausgangslage für das neue Konzept ist dabei nicht optimal. Aktuell verfügt die Bücherei über 176 Quadratmeter Fläche. Im näheren Umkreis gehöre sie damit bei vergleichbarer Gemeindegröße zu den räumlich kleinsten Büchereien, erklärt Goettel. Daher sei es notwendig, sich künftig auf bestimmte Zielgruppen und Ziele zu fokussieren.

Konkret bedeutet dies, dass es in Zukunft verstärkt Angebote für Familien und Kinder im Alter von zwei bis zwölf Jahren sowie für die „Generation 55-Plus“ geben wird. Zwar werde es im Kinderbereich auch weiterhin Medien für Jugendliche geben, jedoch liege der Schwerpunkt klar auf der Altersgruppe bis zwölf Jahre, erklärt Smeets. Auch tiefergehende Sachliteratur für Erwachsene werde es aufgrund der Möglichkeiten zur Internetrecherche künftig in der Bücherei nicht mehr geben, sagt Goettel.

Neue Möbel für draußen

Bücher und andere Medien seien jedoch für die Bücherei nicht alles. „Immer wichtiger für uns ist die Besucherzahl“, sagt Goettel. Büchereien seien ein vielseitig nutzbarer Treffpunkt und Freizeitort. Neben der Funktion als Ort der Bildung und Information wolle man diesen zweiten Aspekt künftig auch vermehrt in den Fokus rücken. Hierfür sollen neue und geeignete Möbel angeschafft werden, die die Aufenthaltsqualität verbessern. Zudem wolle man die Sichtbarkeit der Bücherei beispielsweise durch Außenmöbel erhöhen.

Im vorgestellten Raumkonzept ist auch eine begrenzte Teilnutzung des Rathausfoyers vorgesehen. „Es ist schließlich auch die Funktion eines Rathauses, Menschen zusammenzubringen“, sagt Bürgermeister Thomas Matrohs. Vonseiten der Gemeinde sei eine solche Planung erwünscht. Wie diese Gestaltung außerhalb der Öffnungszeiten des Rathauses funktionieren könne, müsse ausprobiert werden, sagt Smeets.

Nachdem der Gemeinderat den Vorschlag für das neue Raumkonzept angenommen hat, soll es nun mit der konkreten Planung weitergehen. „Es ist ein guter Impuls für die Zukunft mit den hier vorhandenen Möglichkeiten“, sagt Bürgermeister Matrohs.

Weitere Themen