Jugendmusikschule Leonberg Geige seit 1974: „Meine zweite Liebe ist die Oboe“

Das Leonberger Sinfonie-Orchester ist längst ein Garant für musikalische Qualität. Foto: Klaus Kusserow

Yvonne Zeusche erlebte 60 Jahre Jugendmusikschule Leonberg hautnah mit. Sie blickt auf ihre Geigenkarriere zurück und verrät, wie ein heutiges Angebot ihr Leben verändert hätte.

Die Jugendmusikschule Leonberg hat in den vergangenen Tagen mit einem beachtlichen Programm ihren 60. Geburtstag gefeiert. Keine Frau der allerersten Stunde, aber doch der frühen Jahre, ist Yvonne Zeusche. Bis heute spielt sie im Leonberger Sinfonieorchester Geige und erinnert sich gut daran, wie sie hier 1974 als Sechsjährige zum ersten Mal den Unterricht besucht hat: Mit der Blockflöte fing alles an.

 

„Mein Unterricht fand damals in der Georgii-Halle statt“, erzählt die 58-Jährige. Die 1966 zunächst als eingetragener Verein gegründete Jugendmusikschule war zu dieser Zeit schon seit fünf Jahren in der Trägerschaft der Stadt Leonberg. Auch ein Jugendsinfonieorchester, das 1971 aus der Taufe gehoben worden war, existierte bereits.

Einfühlsame Lehre gab es schon damals

„Die Schule war zu dieser Zeit aber noch viel kleiner als heute“, erzählt sie, weshalb Einzelunterricht damals noch das übliche Modell war. An einfühlsamen Lehrern, die sehr gut auf die Bedürfnisse und Wünsche der Kinder eingegangen seien, habe es schon damals nicht gemangelt. Sie sei sehr gerne in die Musikschule gegangen, betont Zeusche.

Was es zu ihrem Bedauern aber noch lange nicht gab: Ein sogenanntes Instrumentenkarussell, wie es heute die Jugendmusikschule anbietet. „Dadurch haben die Kinder die Möglichkeit, ein ganzes Schuljahr lang verschiedene Instrumente auszuprobieren“, sagt Zeusche. Die Entscheidung, ob es am Ende Geige, Gitarre oder etwas ganz anderes werden soll, fällt dadurch viel leichter.

Sie selbst, erzählt sie, wechselte mit zwölf Jahren zum Geigenunterricht vor allem, weil ihr Bruder zuvor schon Geige gespielt hatte. Wäre damals schon das Instrumentenkarussell im Gang gewesen, sagt Zeusche, würde sie vielleicht heute ein anderes Instrument spielen: „Meine zweite Liebe ist die Oboe“.

Musikschule Leonberg bietet Intensivförderung für besonders Begabte

Was die ambitionierte Amateurmusikerin stets geschätzt hat: Die Jugendmusikschule gebe den Kindern und Jugendlichen zum einen die Möglichkeit, ein Instrument „einfach für sich selbst“ zu erlernen und dennoch im Ensemble zu spielen.

War früher die Jugendmusikschule ein Hort allein der klassischen Musik, hat sie sich inzwischen längst auch den populären Klängen geöffnet. Foto: picture alliance/dpa

Sie biete aber auch Intensivförderung für jene an, bei denen sich eine besondere Begabung zeigt. „Dann kommen Dinge wie Hörausbildung, musikalische Theorie und Korrepetition dazu“, also das Einstudieren bestimmter Stücke. Für sie selbst sei das Violinspiel immer ein „schönes Hobby“ geblieben. Eines freilich, das Yvonne Zeusche mit so großem Engagement betreibt, dass sie bis heute zum Stamm des angesehenen Sinfonieorchesters gehört.

Lernen im Zusammenspiel

Im Laufe der Zeit sei der Unterricht in der Gruppe immer wichtiger geworden, sagt die langjährige Kennerin der Schule, deren Nichten und Neffen ebenfalls die Übungsräume in der Lindenbergstraße besucht haben. Ein Beispiel dafür sind die Instrumentalklassen, die es an den Leonberger Gymnasien seit 2010 gibt. In den Schulklassen werden in Kooperation mit der Jugendmusikschule Fünft- und Sechstklässler über das Spielen im Orchester an ein Instrument herangeführt.

„Die Kinder lernen hier die Streich- und Blasinstrumente von Anfang an im Zusammenspiel“, sagt sie. Die Instrumente für die Instrumentalklassen habe der Förderverein der zur Verfügung gestellt, sagt Zeusche, die dort seit vielen Jahren stellvertretende Vorsitzende und Schriftführerin des ist.

Längst nicht nur Klassik

Die Idee, die Kinder direkt in den Gymnasien zu unterrichten, sei von Schulleiterin Sibylle Lützner gekommen. Im selben Jahr wie die Instrumentalklassen, die auf die Breitenförderung abzielen, wurde mit Unterstützung des Fördervereins auch eine Begabtenklasse gegründet. Die Spitzenförderung erhielt dadurch einen weiteren Schub.

Und auch das ist heute anders als zu den Anfängen: War früher die Jugendmusikschule ein Hort allein der klassischen Musik, hat sie sich inzwischen längst auch den populären Klängen geöffnet. E-Gitarre, E-Bass, Jazz-Klavier, Schlagzeug, Saxofon oder Jazz- und Pop-Gesang sind heute fester Bestandteil des Angebots „Auch in dieser Hinsicht hat sich wirklich viel verändert“, sagt Zeusche.

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