Jugendschutzprojekt in Stuttgart-Zuffenhausen Medienkompetenz will gelernt sein

Von Martin Braun 

In einem Projekt der Aktion Jugendschutz und der Landesanstalt für Kommunikation sind im Flattichhaus im Zuffenhäuser Stadtteil Rot neun Jugendliche zu Medienscouts geschult worden. Die Idee ist, dass sie ihr so erworbenes Wissen an Gleichaltrige weitergeben.

Zum Abschluss des Projekts Medienscouts sind im Flattichhaus die Teilnahmezertifikate übergeben worden. Foto: Martin Braun
Zum Abschluss des Projekts Medienscouts sind im Flattichhaus die Teilnahmezertifikate übergeben worden. Foto: Martin Braun

Zuffenhausen - Neun Jugendliche haben sich im Flattichhaus in Stuttgart-Rot zu Medienscouts schulen lassen. Dafür haben sie an einem 20-stündigen Kurs in der Jugendhilfeeinrichtung der evangelischen Gesellschaft (Eva) teilgenommen – und zwar freiwillig und teils bei schönstem Wetter und hochsommerlichen Temperaturen, wie Luciano Longobucco, der das Projekt von Seiten des Flattichhauses begleitet hat, bei der Übergabe der Teilnehmerzertifikate betonte.

Das Projekt wurde von der Aktion Jugendschutz (AJS) und der Landesanstalt für Kommunikation (LFK) angeboten, die Durchführung im Flattichhaus wurde von der Weilimdorfer Vector-Stiftung finanziert. Zum Abschluss des Projekts haben nun sechs Teilnehmer ihre Zertifikate entgegengenommen und damit etwas für ihre geleistete Arbeit zurückbekommen, wie Ekkehard Ludwig, der zuständige Abteilungsleiter bei der Eva, sagte.

Ein Leben ohne Medien sei heutzutage kaum vorstellbar, sagte die AJS-Geschäftsführerin Elke Sauerteig. „Aber den Umgang mit Medien hat man nicht von Geburt an drauf, der will gelernt sein“, betonte sie, und Medienkompetenz sei dafür elementar. Schließlich biete beispielsweise das Internet eine Menge Möglichkeiten, um sich zu informieren, zu unterhalten und zu vernetzen, oder um zu spielen. Allerdings gebe es eben auch Gefahren wie etwa jugendgefährdende Inhalte oder Anmache und Übergriffe im Netz. „Medienkompetent zu sein bedeutet, die Chancen und auch die Risiken der neuen Medien zu kennen; es bedeutet, Medien zu nutzen, ohne sich selbst oder andere zu gefährden“, sagte Sauerteig.

Die Teilnehmer sollen Gefahren im Internet umschiffen können

Ein zentraler Aspekt des Projekts Medienscouts sei, dass die Jugendlichen dieses Wissen an Gleichaltrige weitergeben sollen, erklärte Thomas Langheinrich: „So funktioniert das Lernen vielleicht noch besser“, meinte der Präsident der LFK. Denn tatsächlich seien die meisten Jugendliche im Umgang mit den neuen Medien wahrscheinlich deutlich geübter als viele Erwachsene. Neulich etwa habe er in der Stadtbahn beobachtet, wie eine junge Frau auf ihrem Smartphone eine Nachricht geschrieben habe: „Ich war fassungslos, mit welcher Fingerfertigkeit sie das Gerät bedient hat“, erzählte Langheinrich. Doch diese technischen Fähigkeiten seien eben noch keine Medienkompetenz.

„Wir haben versucht, den Teilnehmern des Projekts diese Kompezenz auf spielerische Weise zu vermitteln“, sagte Henrik Blaich, der Projektleiter von der AJS. Dabei seien zunächst die positiven Aspekte von Smartphones und Internet betont, dann aber auch Themen wie Cybermobbing und jugendgefährdende Inhalte angesprochen worden, erklärte Blaich. „Die Jugendlichen treffen in der Medienwelt auf auf diese Dinge. Wichtig ist, dass sie sie souverän umschiffen können.“ Luciano Longobucco meinte, dass man diese Themen in rund 20 Stunden natürlich nicht umfänglich behandeln, aber immerhin wichtige Anregungen geben könne. Im Lauf des Kurses haben sich die Teilnehmer auch eigene kleine Projekte überlegt und umgesetzt. Vor Kindern und Jugendlichen in einer Schulklasse, einer Wohn- und einer Tagesgruppe haben sie dann präsentiert, was sie sich zuvor in Kleingruppen zu den Themen Passwortsicherheit, Rechte im Internet und Cybermobbing erarbeitet haben. Dazugelernt haben bei den Kursen übrigens nicht nur die Jugendlichen, sondern auch Mitarbeiter der Eva. Sie sollen langfristig die Schulungen in Eigenregie durchführen können – und damit den Nachwuchs an Medienscouts sichern.




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