InterviewJulia Görges „Ich sehe viele Dinge anders“

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Vor dem Fedcupmatch gegen Australien in Stuttgart spricht Julia Görges über ihre Rolle im Team. „Ich glaube, ich bin ziemlich gut darin, für andere da zu sein“, sagt die 26-Jährige.

Julia Görges setzt im Fedcup  auf den Zusammenhalt im deutschen Team. Foto: dpa
Julia Görges setzt im Fedcup auf den Zusammenhalt im deutschen Team. Foto: dpa

Stuttgart - Julia Görges trifft mit dem deutschen Team am Wochenende in der ersten Runde des Fedcups auf Australien. „Man ist immer nervös, denn man fühlt sich verpflichtet, dem Team das Beste zu geben“, sagt die 26-Jährige vor der Partie in der Porsche-Arena, an die sie gute Erinnerungen hat. Denn 2011 siegte Görges an selber Stelle beim Stuttgarter WTA-Turnier.

Herzlichen Glückwunsch, Frau Görges. Bei den Australian Open waren Sie der erfolgreichste deutsche Tennisprofi.
Tatsächlich war es der beste Saisonstart in meiner Karriere mit dem Viertelfinale in Auckland und dem Achtelfinale bei den Australian Open in Melbourne – so gut lief es noch nie. Das war ein sehr schöner Auftakt, auf dem man aufbauen kann.
Im Doppel sind Sie mit Anna-Lena Grönefeld sogar ins Halbfinale gestürmt. Dort hat Sie dann ein Grippevirus gestoppt. Wie kam es dazu, in Australien ist es doch Sommer?
Leider ging in Melbourne trotz der Hitze ein Virus herum, sodass einige Leute sogar ins Krankenhaus mussten. Bei mir hat es in der Nacht vor dem Doppel-Halbfinale mit Fieber angefangen. Am nächsten Tag auf dem Platz ging dann gar nichts mehr, sodass wir bei 0:6 im ersten Satz aufhören mussten. Das ist natürlich sehr ärgerlich, aber nicht zu ändern. Wir haben aber zuvor so gut gespielt, dass ich denke, es war nicht unser letztes Grand-Slam-Halbfinale.
Jetzt steht wieder der Teamgedanke im Vordergrund. Spielen Sie gerne im Fedcup?
Definitiv. Für mich ist es eine Ehre, für mein Land anzutreten, sei es bei Olympia oder im Fedcup. Deshalb bin ich stets dabei, weil es für mich etwas Besonderes ist. Als Tennisspielerin hat man ja nicht viele Chancen, sein Land im Team zu repräsentieren – deshalb freue ich mich immer auf die Wochen mit den anderen Mädels. Wir sind eine gute Truppe.
Und wie definiert sich Ihre Rolle im Team?
Es ist wichtig, sich für die eine Fedcupwoche in die Mannschaft zu integrieren. Was davor und danach ist, spielt keine Rolle, weil dann jede von uns wieder für sich alleine unterwegs ist. Im Fedcup müssen aber alle an einem Strang ziehen. Die große Kunst ist es, dass man jeder Spielerin auf dem Platz stets hundert Prozent an Unterstützung gibt. Das bedeutet, dass man persönlich auch mal zurückstecken muss. Ich glaube, ich bin ziemlich gut darin, auch für andere da zu sein. Das erwarte ich dann aber auch, wenn ich auf dem Platz stehe. Es ist ein Geben und Nehmen.
Ist der Druck im Fedcup eigentlich größer als der im Alltag auf der WTA-Tour?
Während der normalen Tennissaison gibt es bei mir immer Tage, an denen bin ich nervöser als sonst, und welche, da bin ich kaum angespannt. Aber im Fedcup, da ist man eigentlich immer nervös. Es gibt hier ja so viele Leute, die hinter einem stehen. Man fühlt sich obendrein verpflichtet, dem Team das Beste zu bieten – und man will auch die Fans nicht enttäuschen. Da baut sich schon eine besondere innere Spannung auf.
Sie werden gegen Australien auf jeden Fall im Doppel antreten – vermutlich an der Seite von Sabine Lisicki. Haben Sie aber nicht den Ehrgeiz, auch im Einzel, wo zuletzt Angelique Kerber und Andrea Petkovic die besseren Karten hatten, spielen zu wollen?
Wer im Einzel antritt, das muss unsere Teamchefin Barbara Rittner noch entscheiden. Natürlich will ich wieder erfolgreicher auf der Tour spielen – und so nach vorne zu kommen. Aber als Fedcup-Konkurrentinnen sehe ich uns deutsche Spielerinnen ohnehin nicht. Jede von uns hat ihr Puzzleteil zu der Teamleistung beigetragen und uns auf das Level geführt, auf dem wir jetzt sind. Grundsätzlich kann man feststellen, dass die Weltrangliste nicht mehr ganz so entscheidend ist, wie noch vor fünf Jahren. Dies haben auch die frühzeitigen Favoritenstürze gezeigt.
Aber am Ende hat dann doch wieder die Nummer eins, Serena Williams, gewonnen.
Serena und auch Maria Scharapowa zählen sicherlich zu den Ausnahmen. Gegen die beiden kann man auch mit einer sehr guten spielerischen Leistung verlieren. Bei vielen anderen Gegnerinnen ist es aber so: Wenn ich gut spiele, dann habe ich eine sehr gute Chance. Die Rangliste ist eine Zahl, die letztlich ausdrückt, wie viele Punkte ich auf der Tour geholt habe. Aber über die spielerische Qualität sagt sie nicht alles.