Grünen-Politikerin June Tomiak Mit 19 Jahren in den Landtag eingezogen
Junge Menschen reden politisch mit, doch wenn es um die Mandate geht, haben sie oft das Nachsehen. Die Grüne June Tomiak kam mit 19 ins Berliner Abgeordnetenhaus.
Junge Menschen reden politisch mit, doch wenn es um die Mandate geht, haben sie oft das Nachsehen. Die Grüne June Tomiak kam mit 19 ins Berliner Abgeordnetenhaus.
Stuttgart - Die Grüne Jugend hat am Wochenende offiziell ihren Wahlkampf in Baden-Württemberg gestartet. Ihr erklärtes Ziel ist es, junge Leute, vor allem auch junge Frauen, in den Bundestag und generell in die Parlamente zu bringen.
Dazu will auch June Tomiak beitragen. Die Grünen-Politikerin ist 24 Jahre alt und steht bereits vor ihrer zweiten Amtszeit im Berliner Abgeordnetenhaus. Mit 19 Jahren kam sie ins Parlament und war damit die jüngste Abgeordnete in einem deutschen Landesparlament. Sie sieht es als eine ihrer Aufgaben an, Schützenhilfe für junge Kandidaten zu leisten – auch in Baden-Württemberg. Die können es brauchen, meint sie.
Junge Landtagsabgeordnete sind nach wie vor eine Rarität, sagt Tomiak – und sie haben es nicht immer leicht. Natürlich ist Tomiak jugendpolitische Sprecherin ihrer Fraktion geworden, aber sie kümmert sich auch um Sicherheitspolitik, ist Mitglied im Innenausschuss und hat im Untersuchungsausschuss zum Terroranschlag am Berliner Breitscheidplatz mit ihren Fragen manchen alten Hasen verblüfft.
„Es war anfangs für viele verwirrend, dass ich fundierte Arbeit mache“, erzählt die Berlinerin mit einem leisen Lächeln. Sie musste feststellen: „Es stören sich schon Menschen daran, dass junge Frauen mit am Tisch sitzen.“
Lesen Sie aus unserem Angebot: Treiber für die Koalition
Solche Erfahrungen machen es nicht gerade einfach, junge Leute zur Kandidatur zu animieren, wie es das Ziel beispielsweise der Grünen Jugend in Baden-Württemberg ist. Sarah Heim, eine der beiden Vorsitzenden der Nachwuchsorganisation, beschreibt die Situation so: „Junge Frauen bringen einen anderen Stil mit. Sie werden schnell als naiv abgestempelt.“ Heim ist überzeugt, „sie müssen sich im Wahlkampf mehr beweisen als ältere Männer im Anzug“.
Dabei sollten junge Mandatsträger nicht unterschätzt werden. „Sie bringen schon was mit“, betont June Tomiak selbstbewusst. „Gerade bei jungen Menschen leisten sie einen Beitrag zur Demokratiebildung.“ Bei den „Mitlauftagen“, die sie regelmäßig veranstaltet, erlebt die Abgeordnete immer wieder die Überraschung ihrer jungen Begleiter, wenn sie erkennen: „Ah, krass, ich kann ja auch mitentscheiden.“
Dazu werden junge Leute nicht animiert, sagen Tomiak und Heim. Im Gegenteil, häufig würden ihnen Steine in den Weg gelegt. „Sie kennen oft die Abläufe bei Mitgliederversammlungen nicht und werden so erst gar nicht angehört.“ Da könnten Ältere schon helfen, die Hürden zu überwinden, sagt Tomiak.
Sie fasst sich auch an die eigene Nase. „Es ist die Aufgabe jüngerer Abgeordneter, junge Leute zum politischen Mitmachen zu animieren. Wenn man es in Action sieht, ist es einfacher als im Politikleistungskurs.“ Junge Leute sind im Moment sehr politisch, finden Heim und Tomiak. „Sie wollen mitreden.“ Das schlage sich auch in den Bewerberlisten nieder. Inzwischen sei auch bei den Älteren das Bewusstsein gereift, „dass Junge auf die Liste gehören“.
Das schlägt sich jedoch nicht konsequent nieder. Zwar stehen viele junge Leute auf den Listen, doch auf den wirklich aussichtsreichen Plätzen sieht es anders aus: Auf der Liste der baden-württembergischen SPD ist ein Bewerber unter den ersten 20 Kandidaten, der jünger ist als 30. Er belegt Platz 20, bisher stellt die baden-württembergische SPD 16 Bundestagsabgeordnete. Insgesamt, sagt Lara Herter, die Landesvorsitzende der Jusos, seien vier der 36 Bewerber unter 30.
Lesen Sie aus unserem Angebot: Das Frauenproblem der CDU
Bei der FDP, die momentan zwölf Abgeordnete in Berlin hat, steht ein 30-Jähriger auf Platz zwölf, bei der CDU spielt die Liste bisher keine Rolle. Hier kamen nur Direktkandidaten zum Zug. In den 38 Wahlkreisen des Landes kandidiert nur in einem einzigen ein CDU-Bewerber, der die 30 noch nicht erreicht hat.
Für die Grünen lobt dagegen Sarah Heim, unter den Top 20 auf ihrer Liste seien fünf Kandidaten jünger als 30. Die wähnt sie sicher im Bundestag. 2017 haben die baden-württembergischen Grünen 13 Abgeordnete entsendet. Die Grüne Jugend jedenfalls werde bei der Wahl im September alles daransetzen, dass man im Bundestag stärkste Kraft bei den unter 30-Jährigen werde. Heim ist zuversichtlich. Bei der Landtagswahl im März habe man das ja auch geschafft.