Bad Bunny sorgt beim Super Bowl nicht nur musikalisch für Gesprächsstoff. Als er in der Halbzeitshow einem kleinen Jungen einen Grammy überreicht, halten viele das Kind für den von ICE verhafteten Fünfjährigen.
Während Bad Bunnys Halbzeitshow beim Super Bowl LX hat ein kurzer Moment besonders viel Aufmerksamkeit ausgelöst: Mitten in der Performance kniet der puerto-ricanische Superstar vor einem kleinen Jungen, streicht ihm über den Kopf und überreicht ihm einen Grammy. Dazu sagt er auf Spanisch: „Cree siempre en ti“ – übersetzt: „Glaube immer an dich.“
Kurz darauf verbreiteten sich in sozialen Netzwerken Gerüchte, bei dem Jungen handle es sich um Liam Conejo Ramos. Der Fünfjährige war zuletzt in den USA bekannt geworden, nachdem er gemeinsam mit seinem Vater bei einer ICE-Razzia in Minneapolis festgenommen worden war. Ein Foto von Liam mit Spider-Man-Rucksack ging viral und wurde zu einem Symbol der aktuellen Abschiebepolitik.
Doch diese Vermutung ist falsch.
Wer war der Junge wirklich?
Bei dem Kind auf der Bühne handelte es sich um Lincoln Fox, einen halb-argentinischen Kinderdarsteller. Auf dem Instagramkanal des Fünfjährigen erschien nach dem Auftritt ein Clip auf Instagram. Dazu stand geschrieben, für Lincoln sei der Auftritt eine „wahre Ehre“ gewesen, die er nie vergessen werde.
Ein Sprecher aus dem Umfeld von Bad Bunny soll gegenüber US-Medien zusätzlich bestätigt haben, dass es sich bei dem Jungen in der Show nicht um Liam Conejo Ramos handelt. Auch Vertreter der Familie Conejo Ramos sollen das Gerücht dementiert haben.
Warum bekam der Junge einen Grammy?
Bad Bunny hatte erst eine Woche zuvor bei den Grammy Awards mehrere Auszeichnungen gewonnen – unter anderem für sein Album „Debí tirar más fotos“, das als erstes spanischsprachiges Album überhaupt den Preis für „Album of the Year“ erhielt.
Die Szene sollte wohl vor allem eine Botschaft vermitteln: Dass jeder Mensch seine Träume erreichen könne. Der kleine Junge sollte allgemein alle Kinder dieser Welt verkörpern, insbesondere aber den jungen Bad Bunny (bürgerlich Benito Antonio Martínez Ocasio ).
Symbolik statt Politik
Auch wenn die Szene offensichtlich nicht als politisches Statement geplant gewesen sei, wurde Bad Bunnys Super-Bowl-Auftritt dennoch vielfach als kulturelles Signal verstanden.
Die Show war überwiegend spanischsprachig, setzte auf lateinamerikanische Musikstile und feierte die Herkunft des Künstlers. Bad Bunny hielt zwischendurch zudem einen Football mit der Aufschrift „Together we are America“ („Zusammen sind wir Amerika“) in die Kamera und zählte neben den USA zahlreiche weitere Länder des amerikanischen Kontinents auf. Auch Fahnenträger mit unterschiedlichen Flaggen waren in der Show zu sehen.
In seiner Grammy-Rede hatte Bad Bunny zuvor noch deutlich politischer gesprochen und gegen die US-Abschiebebehörde ICE ausgeteilt. Beim Super Bowl selbst blieb er dagegen weitgehend bei Symbolik und allgemeinen Botschaften von Zusammenhalt und Hoffnung.
US-Präsident Donald Trump, der nicht vor Ort war, bezeichnete die Show als „Schlag ins Gesicht“ für die USA und als „absolut schrecklich“.
Gerüchte in sozialen Medien verbreiteten sich rasend schnell
Dass der Junge fälschlicherweise mit Liam Conejo Ramos verwechselt wurde, zeigt, wie schnell sich Behauptungen auf Plattformen wie X, TikTok oder Instagram verbreiten – gerade dann, wenn eine Szene emotional aufgeladen ist und in eine aktuelle politische Debatte passt.
Am Ende blieb aber festzuhalten: Der Junge war nicht der tragisch bekanntgewordene Junge aus Minneapolis, sondern ein junger Schauspieler. Der Moment sollte vor allem eines ausdrücken: eine motivierende Botschaft – „Glaube an dich“.