Junge Biermacher aus Magstadt am Start Ein Traditionsbier wird neu entdeckt

Leon Janackov (links) und Nils Vögele haben inzwischen zwei Biersorten in der Mache. Foto: Steffen Volkmer

Nils Vögele und Leon Janackov aus Magstadt gehen unter die Biererfinder: Sie haben „Das gute Magstadter“ zu neuem Leben erweckt – und sind damit weiteren kreativen Biermachern im Landkreis Böblingen auf der Spur.

Die Magstädter Nils Vögele und Leon Janackov sind Freunde seit Kindertagen. Um der mit Corona einhergehenden Langeweile etwas entgegenzusetzen, tranken die beiden heute 20-Jährigen in Nils’ einstigem „Kinderzimmer“ auch das eine oder andere Bier zusammen – nichts Ungewöhnliches in ihrem Alter, wenn Party und Ausgehen pandemiehalber gestrichen sind. Ungewöhnlich dagegen ist, dass die beiden dann – vielleicht aus einer Bierlaune heraus – beschlossen, ihr eigenes Bier auf den Markt zu bringen.

 

Alte Lamm-Krüge als Inspirationsquelle

„Wir haben aus alten Bierkrügen der Lamm-Brauerei getrunken und dachten dann, dass es doch schön wäre, deren Bier wieder aufleben zu lassen“, erinnert sich Nils. Die ehemalige Magstadter Traditionsbrauerei gab es von 1865 bis in die 1970er Jahre und brachte „Das gute Magstadter“ in die Flasche.

So machten sich die beiden also schlau über das Bier und die Möglichkeiten der Umsetzung. Da beide keine Brauerfahrung haben, beschlossen sie, nach einer Brauerei zu suchen, um dort das Bier nach ihren Vorgaben (im sogenannten Lohnsuden) brauen zu lassen. „Das war gar nicht so einfach“, erklärt Leon, „denn viele Brauereien wollen das gar nicht oder haben Pflichtabnahmemengen, die für uns schlicht utopisch waren.“

Schließlich fanden sie aber in der Mössinger Sudwerkstatt einen Partner, der bereit war, mit ihnen „Das gute Magstadter“ wiederzubeleben. Mit den Brau-Profis tüftelten sie die Rezeptur aus. „Dabei haben wir viel über den gesamten Brauprozess gelernt“, sagt Leon und merkt an, dass sie sich für die Zukunft durchaus vorstellen können, tiefer in die Materie einzusteigen und sich vielleicht das nötige Wissen anzueignen, um irgendwann wirklich selbst zu brauen.

28 Bierkästen im VW Golf transportiert

Bis es so weit ist, haben sie aber genug zu tun, ihre Biere zu vermarkten. Sie gründeten die „Das Magstadter GbR“, suchten Verkaufsorte und Kneipen in der Umgebung, schlossen Kooperationen mit Vereinen, machten Werbung, eine Internet-Präsenz auf Facebook, verkauften ihre Biere auf Events, im Pop-up-Store und veranstalteten natürlich auch eigene Partys. „Das gute Magstadter“ – ein helles Vollbier – wurde in kurzer Zeit zum Renner und musste mehrfach nachgebraut werden. Dabei gab es auch schon mal kleinere Pannen, die zum Beispiel erforderten, dass die beiden in einer Nachtschicht eigenhändig unzählige Flaschen etikettierten und anschließend selbst transportierten. „Wir haben es geschafft, 28 Kästen in meinen Golf zu packen“, sagt Nils nicht ohne Stolz. Etwas mulmig sei ihm dann während der Fahrt schon gewesen, gibt er zu, und feixt: „Hätten wir da einen Unfall gehabt, wären wir wohl einfach im Bier ertrunken.“

Die Nummer zwei ist ein Partybier namens Bolzen

Mit den so gemachten Erfahrungen ging es dann im letzten Jahr an das zweite Bier. Diesmal mit der Brauerei Ladenburger in Neuler als neuem Braupartner, weil die beiden ihren „Bolzen“ in größerer Menge und in 0,5-Liter-Flaschen ausliefern wollten, was bei der Sudwerkstatt so nicht möglich war. „Wir wollten ein Partybier machen. Ein Helles, süffig, von dem man gerne auch mal mehr trinkt“, erklären die beiden den Plan. Das neue Bier, das seinen Namen von einem Freund der beiden hat, der das geflügelte Wort „ich werd‘ jetzt mal’n Bier reinbolzen“ prägte, war wieder ein voller Erfolg. Inzwischen sind alle 4000 Flaschen ausverkauft.

„Wir wollen das Bier in diesem Jahr weiter brauen, aber auf Vorbestellung“, sagen die beiden Jungunternehmer, denn Gewinn haben die beiden bisher noch nicht gemacht. Es sei eher ein sich selbst tragendes Hobby – aber die Optimierung der Braumenge und Vertriebswege soll das künftig ändern.

Quellmalz: Nomen est omen

Der Böblinger Thomas Quellmalz ist ebenfalls ein Bier-Unternehmer, der seine Biere nicht selbst braut, sondern brauen lässt. Bei ihm war die Motivation, den Schritt vom Bier-Liebhaber zum Anbieter zu gehen, der eigene Name. „Die Gerste durch das Quellen zum Keimen zu bringen, ist Teil des Mälz- und Brauverfahrens“, erklärt er. Der Name „Quellmalz“ lässt also darauf schließen, dass die Vorfahren des Bier-Enthusiasten selbst Biere gebraut haben könnten. Jedenfalls wurde ihm oft gesagt: „Mit dem Namen müsstest du eigentlich dein eigenes Bier machen“ – ein latenter Druck, dem er letztlich gerne bereit war nachzugeben.

Ein Judoka steht Pate für das Starkbier

Im Portfolio, das die „Quellmalz GmbH“ seit dem letzten Jahr vor allem bei Events, wie zum Beispiel 2022, beim Motorworld-Saisonauftakt auf dem Flugfeld, anbietet, finden sich inzwischen vier Biere: Das naturtrübe Pils „4/1“, mit dem alles anfing. Das Dunkle „Gerda“ und das Pils „Dieter“, die die Namen von Thomas‘ Eltern tragen, und der „Udo“-Doppelbock. Letzterer ist dem ehemaligen Judo-Olympiasieger Udo Quellmalz aus Leipzig gewidmet, der sich zwar den Nachnamen mit Thomas teilt, aber nicht verwandt ist. „Der Stärkste mit dem Namen, den ich kennengelernt habe – deswegen stand er auch Pate für unser stärkstes Bier.“ Sein Bier karrt Thomas, der neben seiner Bier-Begeisterung auch noch ein Faible für Autos und Rennsport hat, übrigens am liebsten selbst an, mit seinem himmelblauen 1954er Ford F100, mit dem schönen Namen „Henry“. Und für das pfiffige Etiketten-Design ist seine Frau, die Fotografin und langjährige Vize-Vorsitzende des Böblinger Kunstvereins, Berit Erlbacher zuständig.

Sechserlei aus der Kraftbierwerkstatt

Spricht man von Bier-Machern im Kreis Böblingen, muss unbedingt auch die Kraftbierwerkstatt Erwähnung finden. Das Team um Chefbrauer Olly Koblenzer hat sich dem Craftbeer-Trend verschieben und braut seit 2014 selbst. Als sogenannte „Gipsy-Brewer“ mieten sie sich dafür in Brauereien ein und kreieren Biere mit besonderem Geschmack, besonders designten Etiketten und besonderen Namen. Koblenzer tüftelte schon vor der Gründung der Kraftbierwerkstatt viel in der heimischen Küche an Bieren, die ihm das gewisse, außergewöhnliche Trinkvergnügen bereiteten, herum. Auf Reisen in Nordamerika vertiefte er sein Brauwissen. Heute sind „Sud No 1“, „663“; „Triple A“, „Chinook“, „Men’s Hell“ und „Der Schwarze Bock“ auf vielen Festivals und Bierläden vertreten.

Wie man an die Biere kommt

Bolzen
 Nils und Leon informieren über die Verfügbarkeit und Bezugsmöglichkeiten ihres „Bolzen“ auf ihrer Facebook-Seite: www.facebook.com/dasmagstadter.de.

Quellmalz
Quellmalz-Biere kann man am Montag, 16. Januar, live beim „Comics & Bier“-Talk in Stuttgart probieren (20 Uhr, Galerie Schacher – Raum für Kunst), oder über die Website: www.quellmalz.world bestellen.

Kraftbierwerkstatt
Biere der Kraftbierwerkstatt findet man inzwischen bei vielen Getränkehändlern in der Umgebung und im Biershop auf: www.kraftbierwerkstatt.de.

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